Zeit, zu ge­hen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

2,6 Mrd. $ und das Ein­ge­ständ­nis, ei­ne Straf­tat be­gan­gen zu ha­ben. Das ist der hor­rend ho­he Preis, den die Cre­dit Suis­se zur Bei­le­gung des Steu­er­streits mit den USA be­zahlt (vgl. Sei­te 5). Der De­al hat Si­gnal­wir­kung weit über die Bank hin­aus, denn nie in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten hat ein der­art gros­ses, sys­tem­re­le­van­tes Fi­nanz­in­sti­tut in den USA sei­ne Schuld ein­ge­stan­den.

Das bra­chia­le Ex­pe­ri­ment der US-Be­hör­den ist ge­glückt: Die Fi­nanz­märk­te blie­ben in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on ru­hig, das Schuld­ein­ge­ständ­nis er­wies sich für die CS nicht als To­des­ur­teil. Aus Schwei­zer Sicht po­si­tiv zu wer­ten ist, dass die CS kei­ne Staats­hil­fe in Form von Not­recht er­hielt. CEO Bra­dy Dou­gan und VR-Prä­si­dent Urs Roh­ner blei­ben der­weil im Amt. Trotz­dem: Ih­re Ta­ge sind ge­zählt. Dou­gan wie Roh­ner hat­ten ih­re Ver­tei­di­gung stets auf dem Ar­gu­ment auf­ge­baut, sie hät­ten von al­lem nichts ge­wusst. Doch das reicht nicht. Bei­de wa­ren in den Jah­ren, in de­nen die Straf­ta­ten in den USA be­gan­gen wur­den, in füh­ren­den Po­si­tio­nen für die Bank tä­tig und lies­sen es spä­ter in der Sa­che an Dring­lich­keits­ge­fühl ver­mis­sen. Auch in ih­rer Un­wis­sen­heit tra­gen sie Ver­ant­wor­tung.

Ge­blen­det von der Tat­sa­che, dass die CS die Fi­nanz­kri­se schad­los über­stan­den hat­te, agier­ten Roh­ner und Dou­gan hoch­mü­tig. Sie ver­säum­ten es, der Bank ei­ne klar de­fi­nier­te Stra­te­gie für die Zu­kunft zu ver­pas­sen, und lies­sen es am Wil­len man­geln, die Ei­gen­ka­pi­tal­ba­sis zü­gig zu stär­ken.

Die Cre­dit Suis­se braucht ei­nen Neu­start. Und genau­so wie die UBS zwei un­ver­brauch­te Leit­fi­gu­ren in der Per­son von Axel We­ber und Ser­gio Er­mot­ti be­nö­tig­te, wird auch die Cre­dit Suis­se erst wie­der nach vorn schau­en kön­nen, wenn sie mit ih­rer per­so­nel­len Ver­gan­gen­heit ab­ge­schlos­sen hat.

Chef­re­dak­tor zum Thema Cre­dit Suis­se

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