Bei der EZB ist et­was im Busch

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TM

Ma­rio Draghi, Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), hat an der Rats­sit­zung vom 8. Mai er­klärt, beim nächs­ten Tref­fen zu wei­te­ren Mass­nah­men zur Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik be­reit zu sein, um der lang an­dau­ern­den tie­fen In­fla­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken. Seit­her spe­ku­lie­ren die Märk­te, was die EZB ent­schei­den könn­te. Ver­gan­ge­nen Mon­tag hat EZB-Di­rek­to­ri­ums­mit­glied Yves Mersch in Mün­chen er­klärt, die Chan­cen, dass die No­ten­bank be­reits am 6. Ju­ni hand­le, hät­ten be­deu­tend zu­ge­nom­men.

Das kon­ven­tio­nells­te Mit­tel wä­re ei­ne Zins­sen­kung. Zu­letzt wur­de der Haupt­fi­nan­zie­rungs­satz im No­vem­ber 2013 von 0,5 auf 0,25% ge­senkt. Der Ein­la­gen­satz für bei der EZB ge­park­te Gel­der blieb auf 0%. Ei­ne Sen­kung wür­de mehr Geld von der EZB ab­zie­hen und den Geld­markt be­ru­hi­gen. Der Eo­nia (Eu­ro Over­night In­dex Aver­a­ge), der Zins, zu dem sich die Ban­ken über Nacht oh­ne Hin­ter­le­gung von Si­cher­hei­ten Eu­ro lei­hen, ist jüngst oft ge­stie­gen.

Ei­ne Op­ti­on bleibt ei­ne wei­te­re Run­de lang­fris­ti­ger Re­fi­nan­zie­rungs­pro­gram­me (LTRO), ana­log zu den Drei­jah­res­ten­dern aus den Jah­ren 2011 und 2012. Dies­mal könn­ten sie aber an die Be­din­gung ge­knüpft wer­den, dass das Geld in Form von Kre­di­ten an die Un­ter­neh­men wei­ter­ge­ge­ben wird. Die EZB könn­te in Zu­kunft ver­brief­te Un­ter­neh­mens­kre­di­te (As­set Ba­cked Se­cu­ri­ties, ABS) bei der Bank­re­fi­nan­zie­rung ak­zep­tie­ren. Un­ter an­de­rem feh­len der­zeit aber noch Ra­tings für sol­che In­stru­men­te.

Viel dis­ku­tiert wur­de auch, das al­te Se­cu­ri­ties Mar­kets Pro­gram (SMP), un­ter dem die EZB ab 2010 Staats­an­lei­hen kauf­te, nicht mehr zu ste­ri­li­sie­ren. Stoppt die EZB die Neu­tra­li­sie­rung der An­lei­hen­käu­fe, könn­ten ins­ge­samt rund 172 Mrd. € zu­sätz­lich in das Fi­nanz­sys­tem ge­lan­gen.

Die stärks­te Mass­nah­me wä­re wohl ei­ne quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung (QE) im Stil der US-No­ten­bank. Die EZB könn­te ei­ne brei­te Pa­let­te von Wert­schrif­ten auf­kau­fen. Das Pro­gramm könn­te zu­dem auf die ein­zel­nen Län­der ab­ge­stimmt wer­den, um den un­ter­schied­li­chen Pro­ble­men in den je­wei­li­gen Ka­pi­tal­märk­ten Rech­nung zu tra­gen. ba­le Li­qui­di­tät des­halb wei­ter an­schwel­len. Durch die kor­re­spon­die­ren­den Wäh­rungs­be­we­gun­gen – schwa­cher Eu­ro, Yen und Ren­min­bi – könn­ten die lo­ka­len Ak­ti­en­märk­te Schub er­hal­ten.

Vor al­lem die ja­pa­ni­sche Bör­se bie­tet nach dem ent­täu­schen­den Jah­res­be­ginn mit ei­nem Nik­kei-Kurs­ver­lust von knapp 14% Auf­hol­po­ten­zi­al. Un­ter dem Li­qui­di­täts­ent­zug lei­den könn­ten US-Ak­ti­en – al­len vor­an die im Rus­sell 2000 ver­sam­mel­ten klein­ka­pi­ta­li­sier­ten Wer­te, die seit der im Ja­nu­ar ein­ge­lei­te­ten Dros­se­lung der An­lei­hen­käu­fe durch das Fed Fe­dern las­sen müs­sen. An­le­ger, die sich ge­gen mög­li­che QE-in­du­zier­te Tur­bu­len­zen wapp­nen möch­ten, kön­nen des­halb ih­re Ak­ti­en­po­si­tio­nen in Eu­ro­pa und Asi­en durch ei­ne Short-Po­si­ti­on im hoch be­wer­te­ten Rus­sell 2000 ab­si­chern. Ent­spre­chen­de ETF sind an der US-Bör­se ko­tiert.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.