Ban­ken brau­chen Ka­pi­tal

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THO­MAS HÄR­TER,

GRen­di­ten in der Eu­ro­pe­ri­phe­rie dürf­ten wie­der nach oben kor­ri­gie­ren

ros­se Tei­le des eu­ro­päi­schen Ban­ken­sys­tems ste­hen auch fünf Jah­re nach der Fi­nanz­kri­se im­mer noch auf wa­cke­li­gen Ei­gen­ka­pi­tal­füs­sen. Die Zeit der Ver­wäs­se­run­gen ist noch nicht vor­bei. So wird die Deut­sche Bank ei­nen neu­en Gross­ak­tio­när er­hal­ten. Nach­dem im Herbst 2010 we­gen der Fi­nanz­kri­se Wert­pa­pie­re über mehr als 10 Mrd. € plat­ziert wor­den wa­ren, muss­te die Bank nun ih­re zweit­gröss­te Emis­si­on an­kün­di­gen.

In­ves­to­ren sol­len rund 8 Mrd. € auf­brin­gen: Ei­ne Be­zugs­recht­s­e­mis­si­on von 6,3 Mrd. € und der Ein­stieg des Herr­scher­hau­ses von Ka­tar über Paramount Ser­vices in der Hö­he von 1,75 Mrd. € sol­len das gröss­te deut­sche Geld­haus kri­sen­fes­ter ma­chen. Die Bank re­agiert mit der Aus­ga­be der Ak­ti­en auf den Rück­gang der Kern­ka­pi­tal­quo­te von 9,7 auf 9,5% im ers­ten Quar­tal; nach der Emis­si­on wür­de sie auf 11,8% er­höht. Erst im April 2013 wur­de das Ka­pi­tal um knapp 3 Mrd. € er­höht. Co-Vor­stands­vor­sit­zen­der Ans­hu Jain sag­te da­mals, dass man künf­tig ei­ne «or­ga­ni­sche» Ka­pi­tal­er­hö­hung durch zu­rück­be­hal­te­ne Ge­win­ne be­vor­zu­ge – was of­fen­sicht­lich nicht in ge­nü­gen­dem Aus­mass ge­lun­gen ist.

Dreht der Zin­s­trend?

Auch di­ver­se ita­lie­ni­sche In­sti­tu­te dürf­ten nicht ge­nü­gend Ei­gen­ka­pi­tal ha­ben, um ge­gen ein even­tu­el­les Wie­der­auf­flam­men der Kre­dit­kri­se in der Eu­ro­zo­ne ge­wapp­net zu sein. Zum ers­ten Mal seit Mo­na­ten ha­ben sich die pe­ri­phe­ren Kre­dit­auf­schlä­ge jetzt wie­der et­was aus­ge­wei­tet.

Ein Haupt­trei­ber dürf­te die schwa­che ita­lie­ni­sche Wirt­schaft ge­we­sen sein. Statt wie er­war­tet im ers­ten Quar­tal um 0,2% zu wach­sen, schrumpf­te Ita­li­ens Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) um 0,1%. Die Nie­der­lan­de traf es noch schwe­rer: Statt wie er­war­tet Null­wachs­tum stell­te sich ein Mi­nus von 1,4% ein.

Die An­zei­chen meh­ren sich, dass die Ve­ren­gung der Spreads in den pe­ri­phe­ren Märk­ten kurz­fris­tig über­trie­ben war und in die­sem Aus­mass auf­grund der un­glei­chen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der Län­der (noch) nicht ge­recht­fer­tigt ist. Ob­wohl auch Por­tu­gal im ers­ten Quar­tal schrumpf­te (–0,7%), statt zu wach­sen, ge­lang am Wo­che­n­en­de der of­fi­zi­el­le Aus­stieg aus dem 78 Mrd. € schwe­ren EU-Ret­tungs­pro­gramm (Bail-out). Die zehn­jäh­ri­gen Bench­mark­zin­sen Por­tu­gals sind der­zeit mit 3,8% deut­lich tie­fer als die rund 5%, die das Land für die Bail-ou­tKre­di­te zahl­te. Im­mer­hin sank die

FAr­beits­lo­sen­quo­te von 17,5% 2012 auf 15,2% im April. Der noch zu­rück­zu­le­gen­de Weg ist weit…

Vor­schuss­lor­bee­ren

In den USA über­wie­gen der­zeit die po­si­ti­ven Kon­junk­tur­mel­dun­gen. So stie­gen die Bau­ge­neh­mi­gun­gen um 8% und über­tra­fen den Markt­kon­sen­sus von 1,3% deut­lich. Mit 1,08 Mio. wur­den so vie­le Bau­vor­ha­ben wie seit rund sechs Jah­ren nicht mehr be­wil­ligt. Die un­ter­schied­li­che Ent­wick­lung der Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren hat die Er­war­tun­gen ge­fes­tigt, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) wei­te­re kon­junk­tur­be­le­ben­de Mass­nah­men be­schlies­sen wird und die US-No­ten­bank sie wie an­ge­kün­digt wei­ter zu­rück­fah­ren wird.

Die Neu­ein­schät­zung der lo­cke­re­ren künf­ti­gen Geld­po­li­tik der EZB trug wohl we­sent­lich da­zu bei, dass sich der Dol­lar ge­gen­über dem Eu­ro auf­wer­te­te. Im Ne­ben­ef­fekt ver­zeich­ne­ten die «Eid­ge­nos­sen» ei­nen wei­te­ren mar­kan­ten Zins­rück­gang.

Er­freu­li­ches gibt es aus In­di­en zu be­rich­ten. Der erd­rutsch­ar­ti­ge Sieg Na­hen­dra Mo­dis und sei­ner Par­tei BJP wur­de von den Fi­nanz­märk­ten fre­ne­tisch ge­fei­ert. Der S&P BSE Sen­sex hat so­wohl über ei­nen Mo­nat (11,2% Ren­di­te) als auch fünf Ta­ge mü­he­los die Ak­ti­en­in­di­zes der rest­li­chen Welt de­klas­siert. Auch die Ru­pie schaff­te es auf das Sie­ger­po­dest. Der Markt war sehr gross­zü­gig mit dem Ver­tei­len von Vor­schuss­lor­bee­ren.

An­ders aus­ge­drückt: Die Er­war­tun­gen, dass die längst über­fäl­li­gen Struk­tur­re­for­men und der Ab­bau der Kor­rup­ti­on, für die die bis­her re­gie­ren­de Kon­gress­par­tei stand, auch nach­hal­tig um­ge­setzt wer­den, sind hoch. Mo­di muss jetzt bald und in hin­rei­chen­dem Aus­mass lie­fern.

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