Stim­mungs­wan­del in der Eu­ro­zo­ne

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MARK RALL,

An den in­ter­na­tio­na­len An­lei­he­märk­ten ist seit ei­ner Woche ein Stim­mungs­wan­del im Gang. In den ver­gan­ge­nen fünf Mo­na­ten hat­ten sich die Staats­an­lei­hen der fünf Eu­ro-Pe­ri­phe­rie­län­der Grie­chen­land, Ita­li­en, Ir­land, Por­tu­gal und Spa­ni­en in der Eu­ro­zo­ne sehr po­si­tiv ent­wi­ckelt. Seit Don­ners­tag wei­ten sich nun die Ren­di­te­auf­schlä­ge der Fün­fer­grup­pe (GIIPS) wie­der aus. Mit 17 Ba­sis­punk­ten (Bp) bei den zehn­jäh­ri­gen An­lei­hen fiel die Aus­wei­tung der ren­di­te­dif­fe­renz (Spre­ad) bei Ir­land am mo­de­ra­tes­ten aus. Das Pe­ri­phe­rie-Mus­ter­land pro­fi­tier­te am Frei­tag noch von der po­si­ti­ven Mel­dung, dass Moo­dy’s Ir­land mit der No­te Baa1 zwei Stu­fen auf­wer­te­te. Ita­li­en ver­zeich­ne­te ei­nen Ren­di­te­an­stieg bei den zehn­jäh­ri­gen An­lei­hen um 25 Bp, was an­ge­sichts der im glei­chen Zei­t­raum fal­len­den Ren­di­ten deut­scher Bun­des­an­lei­hen den Spre­ad auf 33 Bp aus­dehnt. Et­was we­ni­ger stark war der Ren­di­te­an­stieg spa­ni­scher zu deut­schen Staats­an­lei­hen: 23 Bp.

Der Spre­ad auf por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen er­reich­te gar 50 Bp, am deut­lichs­ten fiel die Aus­wei­tung mit 75 Bp bei Grie­chen­land aus. Der plötz­li­che Stim- mungs­wan­del scheint um­so ver­wun­der­li­cher, wenn man be­denkt, dass der Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Ma­rio Draghi, für die kom­men­de Sit­zung des EZB-Rats An­fang Ju­ni ei­ne wei­te­re Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik si­gna­li­siert hat. Woran al­so liegt’s?

Ne­ben den ent­täu­schen­den Wachs­tums­zah­len im ers­ten Quar­tal, vor al­lem in Ita­li­en und Por­tu­gal, se­hen Ana­lys­ten haupt­säch­lich ei­ne we­sent­li­che Ur­sa­che des Ren­di­te­an­stiegs in Spe­ku­la­tio­nen über die Ein­füh­rung ei­ner rück­wir­ken­den Steu­er auf Ka­pi­tal­ge­win­ne auf grie­chi­sche Staats­an­lei­hen. Dies ha­be In­ves­to­ren ver­an­lasst, grie­chi­sche Pa­pie­re ab­zu­stos­sen. Die An­lei­hen der an­de­ren Pe­ri­phe­rie­län­der sei­en auf­grund ei­nes An­ste­ckungs­ef­fekts un­ter Druck ge­ra­ten. Ei­ne end­gül­ti­ge Klä­rung des Sach­ver­halts durch das grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um steht noch aus. Nach­träg­lich die Spiel­re­geln zu än­dern, könn­te für At­hen ge­fähr­lich sein. Denn die Kri­se in Grie­chen­land be­gann mit dem Ver­trau­ens­ver­lust, der durch die nach­träg­li­che Kor­rek­tur der Ver­schul­dungs­kenn­zif­fern aus­ge­löst wur­de. Ei­ne Neu­auf­la­ge die­ser Dra­ma­tur­gie soll­te ver­mie­den wer­den. LGT

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