La­bi­les Gleich­ge­wicht

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WALTER SCHNEI­DER

WDie Ukrai­ne, Li­by­en und vol­le US-La­ger be­stim­men den Erd­öl­preis

äh­rend sich die Prei­se für Edel- und In­dus­trie­me­tal­le in eher ru­hi­gen Bah­nen be­we­gen, be­stim­men un­ter­schied­lich be­grün­de­te Ri­si­ko­prä­mi­en die Kur­se an den Ener­gie­und Agrar­märk­ten.

Der Erd­öl­markt be­fin­det sich wei­ter­hin in ei­nem la­bi­len Gleich­ge­wicht. Die Si­tua­ti­on in der Ukrai­ne im Vor­feld der Wah­len vom kom­men­den Wo­che­n­en­de sorgt eben­so für Preis­un­ter­stüt­zung wie die er­neu­te Zu­spit­zung der Kon­flik­te in Li­by­en, wo das Par­la­ment am Wo­che­n­en­de von Be­waff­ne­ten ge­stürmt wur­de. Da­mit schwin­den die Hoff­nun­gen, dass die li­by­schen Erd­öl­ex­por­te der­einst wie­der zu­le­gen kön­nen. Aus Ana­lys­ten­krei­sen ist aber auch zu ver­neh­men, dass die La­ge in Li­by­en den Roh­öl­markt wohl nur noch be­schränkt be­ein­flus­sen dürf­te, da sich die Si­tua­ti­on dort kaum noch ver­schlech­tern kann.

Die glo­ba­le An­ge­bots­si­tua­ti­on wird je­doch durch die USA ent­schärft, wo die Roh­öl­la­ger kon­ti­nu­ier­lich ge­füllt wer­den und kei­ne Ver­knap­pung zu er­ken­nen ist. So wird wohl das Kur­spen­del wei­ter­hin von der geo­po­li­ti­schen Ri­si­ko­prä­mie be­wegt. Vor den Wah­len in der Ukrai­ne ist des­halb kaum mit grös­se­ren Preis­rück­schlä­gen zu rech­nen.

An­ders als bei Erd­öl rich­tet sich die Ri­si­ko­prä­mie an den Agrar­märk­ten nach den Wet­ter­aus­sich­ten. In den USA ha­ben sich die Be­din­gun­gen für die Früh­lings­aus­saat von Mais, Wei­zen und So­ja deut­lich ver­bes­sert. War die Aus­saat bis vor Kur­zem durch un­güns­ti­ge Wet­ter­ver­hält­nis­se be­hin­dert wor­den, konn­te der Rück­stand mitt­ler­wei­le na­he­zu auf­ge­holt wer­den. Bis zum Wo­che­n­en­de ist die Mais­aus­saat zu 73% aus­ge­führt und liegt so­mit nur noch knapp un­ter dem lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt von 76%.

Bei So­ja sind 33% der An­bau­flä­chen an­ge­pflanzt. Im mehr­jäh­ri­gen Ver­gleich be­trägt der Rück­stand et­wa 5%, wo­bei So­ja noch län­ger als Mais aus­ge­sät wer­den kann. Et­was grös­ser ist die Ver­zö­ge­rung ge­mäss dem US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um bei Som­mer­wei­zen. Der­zeit ist knapp die Hälf­te der ge­plan­ten Flä­che aus­ge­sät, der Rück­stand be­trägt et­wa 20%. Ins­ge­samt hat sich die La­ge aber ver­bes­sert, was auch in der Kurs­ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Ta­ge zu er­ken­nen war. Be­son­ders bei Win­ter­wei­zen, der durch Tro­cken­heit und Käl­te­pha­sen im Er­trags­po­ten­zi­al stark de­zi­miert wur­de, ha­ben die jüngs­ten Nie­der­schlä­ge zu ei­ner Er­trags­sta­bi­li­sie­rung ge­führt und am Fu­tures­markt den Wei­zen­preis im Wo­chen­ver­gleich um mehr als 5% ein­bre­chen las­sen. Auch Mais büss­te im Ver­gleich zur Vor­wo­che mehr als 4% ein. Wäh­rend So­ja wei­ter­hin durch die an­ge­spann­te Ver­sor­gungs­la­ge bei Wa­re aus der al­ten Ern­te ge­stützt wird.

Bei Mais und So­ja ist mit der Aus­saat ein wich­ti­ger Schritt der neu­en Kam­pa­gne voll­zo­gen, die Hekt­ar­er­trä­ge hän­gen aber vom Som­mer­wet­ter ab. So be­tru­gen die wet­ter­be­ding­ten Som­mer­ral­lys bei So­ja in je­dem der letz­ten sie­ben Jah­re 1.50 Dol­lar oder mehr pro Bus­hel. Bei Mais bil­de­ten sich in vier der letz­ten sechs Jah­re je­weils Wet­ter­prä­mi­en zwi­schen 1.20 und 3 Dol­lar pro Bus­hel. Ern­te­pro­gno­sen sind zum heu­ti­gen Zeit­punkt des­halb ver­früht und höchst spe­ku­la­tiv. Gros­se Preis­aus­schlä­ge sind vor­pro­gram­miert.

Wäh­rend Zu­cker und Ka­kao deut­lich zu­zu­le­gen ver­moch­ten, setz­ten bei Kaf­fee er­neut Li­qui­da­tio­nen ein. Die in Lon­don ge­han­del­ten Kaf­fee­fu­tures auf die Sor­te Ro­bus­ta sack­ten um mehr als 4% ab. Nach den gros­sen Kurs­aus­schlä­gen der ver­gan­ge­nen Mo­na­te sind be­son­ders Um­schich­tun­gen bei gros­sen Hedge Funds fest­zu­stel­len.

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