«Su­per Sun­day»

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Die Wahl des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten ist für Eu­ro­pa eben­so wich­tig wie die Wahl des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments. Die Neu­be­stel­lung des EP ist die ers­te seit dem Aus­bruch der glo­ba­len Fi­nan­zund Wirt­schafts­kri­se – und der Eu­ro­kri­se; so­mit auch ei­ne Kon­sul­ta­tiv­ab­stim­mung über die EU schlecht­hin.

Trotz die­ser Ven­til­funk­ti­on wür­de es er­stau­nen, wenn der 25. Mai 2014 als «schwar­zer Sonn­tag» in die An­na­len der Eu­ro­päi­schen Uni­on ein­gin­ge: als der Tag, an dem die «En­t­unio­ni­sie­rung» be­gann. Die Ge­schich­te von EWG/EG/EU liest sich über wei­te Pas­sa­gen als ei­ne des Sich-Durch­wurs­telns; so dürf­te sie ab nächs­ten Mon­tag auch fort­ge­schrie­ben wer­den. In Kiew da­ge­gen geht es die­sen Sonn­tag wirk­lich um die Wurst: Kann über­haupt so ge­wählt wer­den, dass ein ord­nungs­ge­mäs­ses Er­geb­nis zu­stan­de kommt? Brin­gen es das be­dräng­te Über­gangs­re­gime und die brü­chi­gen In­sti­tu­tio­nen fer­tig, nach dem Sturz der Klep­to­kra­ten-Ban­de um Ja­nu­ko­witsch ei­ne neue Staats­füh­rung le­gi­ti­mie­ren zu las­sen, selbst wenn in ei­ni­gen öst­li­chen Be­zir­ken die Wahl er­folg­reich sa­bo­tiert wür­de?

Falls ja, be­stün­de die Hoff­nung, dass Mos­kau die Ukrai­ne doch nicht ein­fach wei­ter fi­le­tie­ren kann. Dass das Land we­nigs­tens ver­su­chen darf, sich in Ei­gen­re­gie zu sta­bi­li­sie­ren und nach halb­wegs rechts­staat­li­chen, de­mo­kra­ti­schen und für al­le – nicht nur für we­ni­ge – markt­wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen zu stre­ben (zu die­sen Olig­ar­chen zählt frei­lich ge­ra­de der Fa­vo­rit Pe­tro Po­ro­schen­ko selbst).

Falls nein, könn­te der Spa­gat über die ur­al­te Fal­te vom öst­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa zum rus­sisch-so­wje­tisch ge­präg­ten Ost­eu­ro­pa, die sich mit­ten durch die Ukrai­ne zieht, schei­tern. Das wür­de der EU Prio­ri­tä­ten auf­zwin­gen, die von grös­se­rem Ka­li­ber wä­ren als ein paar va­ter­län­di­sche Stö­ren­frie­de im EP oder mäs­sig re­le­van­te Brüs­se­ler Bü­ro­kra­tie-Per­so­na­li­en.

Res­sort­lei­ter zum Thema Wah­len in der EU und in der Ukrai­ne

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