Es geht wie­der auf­wärts

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - FRANK HÄR­TEL,

Das Wirt­schafts­wachs­tum in den USA hat im ers­ten Quar­tal 2014 klar ent­täuscht. Wir hal­ten es so­gar für wahr­schein­lich, dass das be­reits nied­ri­ge Wachs­tum nächs­te Woche ins Ne­ga­ti­ve re­vi­diert wird. Das le­gen die März-Da­ten zum La­ger­ab­bau und zur Han­dels­bi­lanz na­he. Wir er­ach­ten die Wirt­schafts­schwä­che al­ler­dings haupt­säch­lich als wet­ter­be­dingt und er­war­ten da­her für das zwei­te Quar­tal ei­ne Fortsetzung der im letz­ten Jahr be­gon­ne­nen Kon­junk­tur­er­ho­lung.

Nächs­te Woche wer­den die US-Vor­lau­fin­di­ka­to­ren wie der Richmond Fed In­dex oder der Chicago PMI zei­gen, ob die er­war­te­te Er­ho­lung tat­säch­lich statt­fin­det. Auch in der Eu­ro­zo­ne ent­täusch­te das ers­te Quar­tal trotz des aus­ser­ge­wöhn­lich star­ken Wachs­tums in Deutsch­land. In gut ei­nem Drit­tel der Eu­ro­län­der blieb das Wachs­tum im Quar­tals­ver­gleich gar ne­ga­tiv. Das zeigt, wie fra­gil die Er­ho­lung noch ist.

Die Per­spek­ti­ven für die Eu­ro­zo­ne ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ins­ge­samt aber ver­bes­sert, wie die freund­li­che Ent­wick­lung der Stim­mungs­in­di­ka­to­ren zeigt. Der am Don­ners­tag ver­öf­fent­li­che Eu­roland PMI Com­po­si­te ver­harr­te auf dem höchs­ten Stand seit Mit­te 2011.

Nach ent­täu­schen­dem ers­ten Quar­tal zei­gen sich po­si­ti­ve Ten­den­zen

EZB wird sen­ken

Eben­so dürf­te der in der nächs­ten Woche von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ver­öf­fent­lich­te Eco­no­mic Sen­ti­ment In­di­ka­tor wei­ter­hin ro­bus­te Wachs­tums­aus­sich­ten si­gna­li­sie­ren. Der in­tak­te Aus­blick wird die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank kaum be­ein­dru­cken – hat sie doch be­reits im Mai ei­ne mo­ne­tä­re Lo­cke­rung für Ju­ni an­ge­deu­tet.

Ent­spre­chen­de Hand­lungs­be­reit­schaft ha­ben dar­über hin­aus auch et­li­che EZB-Rats­mit­glie­der si­gna­li­siert – ein­schliess­lich des Ver­tre­ters der Deut­schen Bun­des­bank. Wir er­war­ten ei­ne Sen­kung des Leit­zin­ses auf 0,1% und des Ein­la­gen­sat­zes auf –0,1% an ih­rer Ju­n­isit­zung. Mass­nah­men, wel­che die Kre­dit­ver­ga­be spe­zi­ell un­ter­stüt­zen wür­den, könn­ten zu­sätz­lich für die mitt­le­re Frist in Aus­sicht ge­stellt wer­den.

Dass die EZB ih­re Geld­po­li­tik im Ju­ni lo­ckern wird, dürf­te in­zwi­schen an den Ka­pi­tal­märk­ten es­komp­tiert sein. Zu­sam­men mit den ro­bus­ten Stim­mungs­in­di­ka­to­ren in den USA und Eu­ro­pa ist des­halb Skep­sis ge­gen­über der Bond­mark­t­ral­ly der ver­gan­ge­nen Wo­chen an­ge­sagt. Re­kord­tie­fe Zin­sen und so­li­de Vor­lau­fin­di­ka­to­ren zei­gen Ab­wärts­po­ten­zi­al für An­lei­hen. Als ei­nes der letz­ten In- dus­trie­län­der ver­öf­fent­licht die Schweiz ih­re Wachs­tums­zah­len für das ers­te Quar­tal. Nach­dem das Wachs­tum En­de letz­ten Jah­res ei­nen Dämp­fer er­hal­ten hat, er­war­ten wir für das ers­te Quar­tal – an­ders als in den gros­sen Wäh­rungs­räu­men Eu­ro und Dol­lar – ei­ne Be­schleu­ni­gung von 0,2% auf 0,6% ge­gen­über dem Vor­quar­tal. Der Ein­fluss auf die Märk­te dürf­te aber be­schei­den sein.

Kur­s­po­ten­zi­al in Ak­ti­en

Glo­ba­le Ak­ti­en­märk­te ha­ben bis jetzt noch nicht auf die po­si­ti­ve­ren Wirt­schafts­zah­len re­agiert und be­we­gen sich in en­ge­ren Band­brei­ten, je­doch seit Mit­te April mit ei­nem leich­ten Auf­wärts­trend. Die er­wähn­ten Lo­cke­rungs­mass­nah­men im Eu­ro­raum soll­ten sich po­si­tiv auf Ak­ti­en aus­wir­ken, wenn auch das wei­te­re Kur­s­po­ten­zi­al auf Jah­res­sicht ge­mäss un­se­ren Mo­del­len mit 10% ei­ne Wie­der­ho­lung der Ral­ly 2013 un­wahr­schein­lich er­schei­nen lässt.

Auf­grund des er­war­te­ten Auf­schwungs sind zy­klisch ori­en­tier­te Ak­ti­en­märk­te vor­zu­zie­hen. Das gröss­te Auf­wärts­po­ten­zi­al se­hen wir in Ja­pan, aus zwei Grün­den: Ei­ner­seits hat der dor­ti­ge Ak­ti­en­markt seit Jah­res­an­fang über 10% ver­lo­ren, und an­de­rer­seits dürf­te die Bank von Ja­pan wei­te­re geld­po­li­ti­sche Lo­cke­run­gen an­kün­di­gen, wo­durch sich der Yen wei­ter ab­schwä­chen und so den Nik­kei an­trei­ben soll­te.

Bei Schwel­len­län­dern ist Vor­sicht ge­bo­ten, da sich dort die Konjunktur nicht so schnell be­schleu­ni­gen wird. In die­ser Woche zeig­te zwar der PMI für Chi­na ei­nen Auf­wärts­trend ge­gen­über den Vor­mo­na­ten, er liegt aber im­mer noch un­ter der wich­ti­gen 50erSchwel­le, die zwi­schen wirt­schaft­li­cher Ex­pan­si­on und Kon­trak­ti­on un­ter­schei­det.

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