In den Hän­den der Zen­tral­bank

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - PIE­TER HEIJBOER,

Das glo­ba­le Wachs­tum ist noch in­sta­bil. In Eu­ro­pa blie­ben die Da­ten des ers­ten Quar­tals un­ter den Er­war­tun­gen. Der EU-Ein­kaufs­ma­na­ger­index fiel auf ein Sechs­mo­nat­s­tief, und die Bun­des­bank pro­gnos­ti­ziert ei­ne Wachs­tums­ver­lang­sa­mung in Deutsch­land. Es wird al­so im­mer wahr­schein­li­cher, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) nächs­te Woche ent­we­der auf quan­ti­ta­ti­ve oder Kre­dit­lo­cke­rung zu­rück­grei­fen wird, um den nied­ri­gen In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen zu be­geg­nen. Die schwä­che­ren EU-Wachs­tums­da­ten wer­den auf glo­ba­ler Ebe­ne teil­wei­se durch sta­bi­li­sie­ren­de Zah­len aus­ge­gli­chen: Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index in Chi­na stieg von 48,1 auf 49,7, die Ma­schi­nen­be­stel­lun­gen in Ja­pan leg­ten 19% zu. Die US-No­ten­bank will ge­mäss Sit­zungs­pro­to­koll die Zin­sen nur dann er­hö­hen, wenn sich Konjunktur und Ar­beits­markt auf brei­ter Front und nach­hal­tig ver­bes­sern.

Die Di­ver­genz der Da­ten zwi­schen den Kon­ti­nen­ten be­züg­lich stei­gen­der geo­po­li­ti­scher Ri­si­ken (Ukrai­ne, Viet­nam) macht es aber schwer zu er­ken­nen, wie nach­hal­tig das glo­ba­le Wachs­tum ist. Dies wie­der­um schafft Un­si­cher­heit über die künf­ti­gen geld­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen. Das nied­ri­ge­re EU-Wachs­tum hat zum ers­ten Mal nach ei­ner lan­gen Ral­ly et­was Druck auf die An­lei­he­ren­di­ten der Pe­ri­phe­rie­staa­ten aus­ge­übt. Die­se Schwä­che wur­de auch von Un­si­cher­heit um den Aus­gang der Wah­len im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment ver­ur­sacht, da­zu kommt die Un­ge­wiss­heit, ob die EZB mit wei­te­ren Kon­junk­tur­an­rei­zen durch­kom­men wird. Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen deut­schen Bun­des­an­lei­he fiel zu­nächst auf 1,3%, stieg aber wie­der auf 1,4%.

Die por­tu­gie­si­sche Ban­co Espi­ri­to San­to und die Deut­sche Bank kün­dig­ten Mass­nah­men an, um ih­re Ka­pi­tal­po­si­tio­nen zu stär­ken. Die Deut­sche Bank emit­tier­te dar­auf­hin 3,5 Mrd. € als wei­te­re Tier-1-Wert­pa­pie­re. Das gros­se In­ter­es­se – die Emis­si­on war im­mer­hin sie­ben­fach über­zeich­net – kann als Hin­weis ge­deu­tet wer­den, dass die «Su­che nach Ren­di­te» wei­ter­geht. Bar­clays kün­dig­te ei­nen Aus­tausch von al­ten Ka­pi­tal­in­stru­men­ten in neue, Ba­sel-III-kon­for­me Tier-1-Wert­pa­pie­re an, um ih­re Ver­schul­dungs­quo­te zu ver­bes­sern.

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