Licht­ver­schmut­zung

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

So man­chem Süd­ko­rea­ner mag die­se Vi­si­on er­lö­send vor­kom­men: Das Land grenzt am 38. Brei­ten­grad ans Meer. Bis zur Küs­te Chi­nas er­streckt sich ei­ne viel­be­fah­re­ne Schiffs­pas­sa­ge. Da und dort sind Bohr­in­seln ver­täut, de­ren Fla­ckern nachts bis ins Wel­tall strahlt – wo Sa­tel­li­ten krei­sen und knip-

sen. Tat­säch­lich je­doch liegt zwi­schen der durch­gän­gig be­leuch­te­ten Waf­fen­still­stands­li­nie und der Gren­ze des Reichs der Mit­te das Reich der Fins­ter­nis. Der ein­zi­ge knapp nen­nens­wer­te Licht­fleck ist Pjöng­jang, Nord­ko­reas Haupt­stadt (viel­leicht auch bloss das Bü­ro des un­er­müd­lich für sein Volk wir­ken­den drit­ten Kim). Im Ver­gleich zum hell glän­zen­den, rie­si­gen Seo­ul, in des Sü­dens Nord­west­e­cke, oder zum Bal­lungs­strei­fen in der Mand­schu­rei ein mü­des Kerz­lein. Wer da den Sys­tem­wett­be­werb ge­won­nen hat, steht auf den ers­ten Blick zwei­fels­frei fest: die Ka­pi­ta­lis­ten in Süd­ko­rea und die zum Ka­pi­ta­lis­mus kon­ver­tier­ten Ex-Ge­nos­sen in Chi­na. Straf­mil­dernd darf dem ge­gen­über sei­nen Un­ter­ta­nen grau­sa­men Kim fi­li­us ein Herz für Tie­re (und Pflan­zen und Stern­gu­cker) at­tes­tiert wer­den: Dem Zi­vi­li­sa­ti­ons­übel der Licht­ver­schmut­zung, der Auf­hel­lung des Nacht­him­mels durch künst­li­che Licht­quel­len, beugt Nord­ko­rea vor­bild­lich vor.

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