Draghi wird nicht ent­täu­schen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Auf Ma­rio Draghi kön­nen sich die Märk­te ver­las­sen. Zwei Ta­ge nach sei­nem Amts­an­tritt am 1. No­vem­ber 2011 als Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) senk­te er die Zin­sen. Un­ter sei­nem Vor­gän­ger Je­anClau­de Tri­chet hat­te die EZB im sel­ben Jahr die Zin­sen an­ge­ho­ben, ob­wohl die Eu­ro­schul­den­kri­se ih­ren Hö­he­punkt längst nicht er­reicht hat­te.

Als es da­zu kam, war Draghi zur Stel­le: Im Ju­li 2012 er­klär­te er, die EZB wer­de al­les ihr er­laub­te tun, um den Eu­ro zu er­hal­ten. «Und glau­ben Sie mir, es wird ge­nug sein», füg­te er an. Es war ge­nug: Im Sep­tem­ber folg­te das An­lei­hen­kauf­pro­gramm OMT, mit dem die EZB An­lei­hen kri­seln­der Staa­ten kau­fen könn­te. De­ren Ren­di­ten ken­nen seit­her nur ei­ne Rich­tung: nach un­ten. Eu­ro­pas Ban­ken stütz­te Draghi durch län­ger­fris­ti­ge Re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te (LTRO). Schon im Mai wur­den die Märk­te hell­hö­rig. Draghi hat­te über­ra­schend er­klärt, im Ju­ni für wei­te­re Mass­nah­men be­reit zu sein, um ei­ner «län­ge­ren Pe­ri­ode zu nied­ri­ger In­fla­ti­on» vor­zu­beu­gen. Die­ses Wo­che­n­en­de ver­schärf­te er bei der Er­öff­nung ei­nes EZB-Fo­rums na­he der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt Lis­s­a­bon den Ton und sprach von der Mög­lich­keit ei­ner «ge­fähr­li­chen De­fla­ti­ons­spi­ra­le».

Ma­rio Draghi ist kein Stür­mer und Drän­ger. Auf ei­ne Zins­sen­kung war­ten die Märk­te seit Mo­na­ten. Und die im Raum ste­hen­de «Quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung» stand stets un­ter dem Ver­dacht, we­ni­ger wirk­sam zu sein als in den USA. Über LTRO mit der Be­din­gung, dass die Ban­ken die Li­qui­di­tät an die Un­ter­neh­men wei­ter­rei­chen, schwieg sich Draghi zu­letzt aus. Doch um nach der An­sa­ge im Mai dem Markt ei­ne Ab­sa­ge zu er­tei­len, ist es zu spät. Der EZB-Chef hat sich be­reits selbst ent­hemmt, um den nächs­ten Schritt zu wa­gen.

Res­sort­lei­ter zum Thema nächs­te Schrit­te der EZB

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