Ti­t­an­weiss

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MA­RA BER­NATH

Das Weiss un­se­rer Wa­ren­welt – sei es an den Wän­den, in der Zahn­pas­ta oder am Braut­kleid – wird er­mög­licht durch Titan­di­oxid. Dem 1911 in Nor­we­gen pa­ten­tier­ten Pig­ment, das strah­len­des Weiss und ein Auf­hel­len von Far­ben er­mög­licht, liegt pech­schwar­zer Sand als Roh­stoff zu­grun­de. Tron­ox (NY­SE: TROX, Kurs am Di­ens­tag 26.60 $, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung 2,36 Mrd. $) baut die­sen Sand in Süd­afri­ka und Aus­tra­li­en ab, um ihn dann vor Ort, in den Nie­der­lan­den so­wie den USA wei­ter zu ver­ar­bei­ten.

Das ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men ist der welt­weit dritt­gröss­te Ti­ta­n­erz­pro­du­zent, weist aber im Ver­gleich zu den an­de­ren Markt­teil­neh­mern ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Kon­zern­struk­tur auf. Die Ge­schäfts­ak­ti­vi­tä­ten um­fas­sen die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te – von der Ti­t­an­mi­ne bis zum Ver­kauf von Pig­men­ten. Die ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on er­mög­licht ei­nen ef­fi­zi­en­ten Pro­duk­ti­ons­ab­lauf un­ter Nut­zung von Sy­ner­gie­ef­fek­ten und min­dert die Ab­hän­gig­keit vom vo­la­ti­len Titan­di­oxid­preis.

Der kom­pa­ra­ti­ve Vor­teil ist in der gröss­ten Kri­se des Un­ter­neh­mens ent­wi­ckelt wor­den. Denn die Aus­gangs­la­ge war nicht im­mer so ro­sig wie heu­te – im Ge­gen­teil. Tron­ox ent­stand als Spin-off von Kerr-McGee, als die­se von Ana­dar­ko über­nom­men wur­de. Den Ak­tio­nä­ren war da­bei je­doch ver­schwie­gen wor­den, dass die durch mas­si­ve Um­welt­sün­den in der Ra­ke­ten­treib­stoff­pro­duk­ti­on ver­ur­sach­ten Schä­den eben­falls an Tron­ox aus­ge­la­gert wur­den. Als Fol­ge der ge­erb­ten Schul­den­last fiel der Ak­ti­en­kurs da­mals fast ins Bo­den­lo­se. Das Un­ter­neh­men muss­te un­ter rich­ter­li­cher Auf­sicht Um­struk­tu­rie­run­gen vor­neh­men, und die Pa­pie­re wur­den nach zwei Jah­ren Pau­se erst im Fe­bru­ar 2011 wie­der an der New Yor­ker Bör­se ge­han­delt.

Im April die­ses Jah­res ist Ana­dar­ko dann im gröss­ten US-Ge­richts­fall zu Um­welt­las­ten ver­ur­teilt wor­den. Tron­ox hat dank des­sen wie­der ei­ne ti­t­an­weis­se Wes­te er­hal­ten, zu­dem darf sie als Wie­der­gut­ma­chung für die ihr ent­stan­de­nen Schä­den künf­tig ho­he Steu­er­er­leich­te­run­gen be­an­spru­chen.

Vor we­ni­gen Ta­gen ist be­kannt ge­wor­den, dass DuPont, ei­nes der welt­weit füh­ren­den Che­mieun­ter­neh­men, ei­nen so­ge­nann­ten Re­ver­se Mor­ris Trust mit Tron­ox in Er­wä­gung zieht. In solch ei­ner steu­er­frei­en Trans­ak­ti­on wür­de DuPont ei­nen Teil ih­rer Tä­tig­kei­ten durch Ak­ti­en­aus­ga­be an ih­re Ak­tio­nä­re aus­glie­dern. Der Spin-off soll da­nach Tron­ox über­neh­men.

Ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger soll­ten die Ein­stiegs­chan­ce nut­zen, be­vor es im Titan­di­oxid­sek­tor zu wei­te­ren Über­nah­men kommt. Falls Tron­ox der Tur­naround ge­lingt, sind die Ak­ti­en mit ei­nem Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis von 1,4 und ei­nem Kurs-Cash­flow-Ver­hält­nis 2014 von 8,8 im his­to­ri­schen Ver­gleich güns­tig be­wer­tet.

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