Ge­schmei­di­ger Al­lein­herr­scher

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - DM,

Soft­wareent­wick­lung ist schnell­le­bi­ges Ge­schäft – die Per­so­nal­po­li­tik von SAP scheint dem nach­zu­ei­fern. Nur so lässt sich die atem­lo­se Ab­fol­ge von Wech­seln im Top­ma­nage­ment er­klä­ren. An­fang Mai gab Tech­nik-Vor­stand Vishal Sik­ka «aus per­sön­li­chen Grün­den» den Rück­zug be­kannt. En­de Ju­ni wird sich Fi­nanz­vor­stand Wer­ner Brandt al­ters­be­dingt zu­rück­zie­hen. Ein Jahr zu­vor läu­te­te Co-Chef Jim Ha­ge­mann Sn­a­be «aus per­sön­li­chen Grün­den» den Rück­zug für Mai 2014 ein. Vor ihm war­fen die Per­so­nal­che­fin Lui­sa Del­ga­do und der für die Cloud-Ak­ti­vi­tä­ten ver­ant­wort­li­che Lars Dal­gaard das Hand­tuch. Noch in Er­in­ne­rung sind auch der ab­rup­te Ab­gang von Co-Chef Léo Apo­the­ker (2010), der mit Hen­ning Ka­ger­mann den Kon­zern lei­te­te, und das kur­ze Gast­spiel von Per­so­nal­che­fin An­ge­li­ka Dam­mann (2011). Doch es gibt Kon­stan­ten. Die graue Emi­nenz Has­so Platt­ner, Un­ter­neh­mens-Mit­grün­der und Über­va­ter, gibt als Auf­sichts­rats­chef im Hin­ter­grund noch den Takt an. Auch der neue Al­lein-Vor­stands­chef Bill ( Wil­li­am) McDer­mott (52) kann auf ei­ne lan­ge Kar­rie­re bei SAP zu­rück­bli­cken. Seit der Haupt­ver­samm­lung ver­gan­ge­ne Woche hat er of­fi­zi­ell im ope­ra­ti­ven Ge­schäft das Heft in der Hand. Wird er den Kon­zern, der im Um­bau steckt, in ei­ne neue Ära nach Platt­ner füh­ren kön­nen? Die Wet­ten dar­auf lau­fen be­reits.

Im per­sön­li­chen Kon­takt wirkt McDer­mott re­so­lut, aber ge­schmei­dig. Er gilt als ge­bo­re­ner Ver­käu­fer. Sei­ne Lauf­bahn be­gann er beim Dru­cker­her­stel­ler Xerox, wo er jüngs­ter Cor­po­ra­te Of­fi­cer wur­de. Es folg­ten Etap­pen als Pre­si­dent beim re­nom­mier­ten Re­se­arch-Haus Gart­ner, so­wie ab Ju­ni 2001 als Ver­triebs­lei­ter für das Soft­ware­haus Sie­bel Sys­tems – heu­te Teil von Ora­cle – das un­ter sei­ner Ver­ant­wor­tung aber fal­len­de Um­sät­ze aus­wies.

McDer­mott, der für die ame­ri­ka­ni­sche, agi­le­re Sei­te von SAP steht, muss auch Brü­cken­bau­er sein.

2002 stieg der ge­bür­ti­ge New Yor­ker als Ame­ri­ka-Chef bei SAP ein – wo er üb­ri­gens Léo Apo­the­ker be­erb­te. 2008 über­nahm er im Kon­zern­vor­stand den welt­wei­ten Ver­trieb und rück­te dann 2010 zum Co-CEO im Tan­dem mit Jim Ha­ge­mann Sn­a­be auf, der wie­der­um – oh­ne Ab­küh­lungs­zeit – in den Auf­sichts­rat wech­sel­te. Le­gen­där ist McDer­motts Ge­spür für Kun­den­be­dürf­nis­se und sei­ne Fä­hig­keit, dar­aus Ka­pi­tal zu schla­gen. Mit sech­zehn heu­er­te der Alum­nus der Kel­logg School of Ma­nage­ment bei ei­nem ita­lie­ni­schen Re­stau­rant an, wie es auf der On­li­nesei­te der Schu­le heisst. We­nig spä­ter kauf­te er via Schuld­schein das Lo­kal, in­stal­lier­te ei­nen Lie­fer­ser­vice, rich­te­te ei­nen Raum für Vi­deo­spie­le ein und bot Be­zah­lung auf Kre­dit an. Mit ein­und­zwan­zig ver­kauf­te er den La­den und fi­nan­zier­te da­mit sei­nen El­tern ein Strand­haus und sich das Stu­di­um. McDer­mott, der für die ame­ri­ka­ni­sche, agi­le­re Sei­te von SAP steht, muss trotz al­lem tech­no­lo­gi­schen Um­bruch, in dem die Bran­che und mit ihr SAP steht, auch Brü­cken­bau­er sein. Noch ist of­fen, wie gut ihm die­se neue Rol­le zu­sagt.

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