Lang­läu­fer sind ein knap­pes Gut

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - BRI­AN TOM­LIN­SON,

Ist 2014 in Chi­na das Jahr des Pfer­des, könn­te es für An­lei­hein­ves­to­ren zum Jahr des ent­täusch­ten Bä­ren wer­den. Durch den Fall der Ren­di­ten von 3,95 auf 3,35% ha­ben sich zehn­jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen seit An­fang Jahr um mehr als 10% ver­teu­ert. Da­bei soll­ten doch die geld­po­li­ti­schen Mass­nah­men der US No­ten­bank (Fed) vor al­lem die Ren­di­ten am lan­gen En­de der Zins­kur­ve stei­gen las­sen. Die­ser Ef­fekt wur­de je­doch durch die fort­ge­setz­te Ver­knap­pung des An­ge­bots auf­ge­ho­ben. Auch wenn das Fed ein­mal kei­ne US-Staats­an­lei­hen mehr auf­kau­fen wird, ste­hen be­reits an­de­re mäch­ti­ge In­ves­to­ren in den Start­lö­chern.

Vor al­lem US-Pen­si­ons­fonds sind zum Han­deln ge­zwun­gen. We­gen des neu­en Haus­halts­ge­set­zes ha­ben sich nicht nur die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für un­ter­fi­nan­zier­te Pen­si­ons­plä­ne er­höht, son­dern auch die Ge­büh­ren für Fi­nan­zie­rungs­de­fi­zi­te. Vie­le In­sti­tu­te ha­ben des­halb be­reits Ak­ti­en­ge­win­ne rea­li­siert und sich mit dreis­sig­jäh­ri­gen US-An­lei­hen ein­ge­deckt. Wa­ren es 2013 rund 40 Mrd. $, die in­ves­tiert wur­den, dürf­te sich der Be­darf laut Bank of Nova Sco­tia 2014 ver­vier­fa­chen und in den kom­men­den zwei Jah­ren um wei­te­re 300 Mrd. $ zu­neh­men. Der US-An­lei­he­markt ist zwar der li­qui­des­te der Welt, Lauf­zei­ten von zehn und mehr Jah­ren ma­chen aber nur 642 Mrd. $ aus, ge­ra­de mal 5% des Ge­samt­mark­tes.

Bei eu­ro­päi­schen An­lei­hen muss ein wei­te­rer Be­las­tungs­fak­tor ein­be­zo­gen wer­den: der an­hal­ten­de De­fla­ti­ons­trend. Mit ge­ra­de ein­mal 0,7% liegt die In­fla­ti­on in der Eu­ro­zo­ne nach wie vor un­ter den von der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) an­ge­streb­ten 2%. Das Wachs­tum kehrt zwar lang­sam zu­rück, aber es ist bei wei­tem noch nicht stark ge­nug, um De­fla­ti­ons­ri­si­ken ent­ge­gen­zu­wir­ken. Wir ge­hen des­halb da­von aus, dass die EZB noch im Ju­ni die Zin­sen um 10 bis 15 Ba­sis­punk­te (Bp) sen­ken so­wie ei­nen ne­ga­ti­ven Ein­la­gen­zins von 5 oder 10 Bp an­kün­di­gen wird. Der Zins­kor­ri­dor kann sich al­so noch leicht ein­engen. Mit ei­nem An­lei­hen­auf­kauf­pro­gramm (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing) rech­nen wir nicht. Dass die EZB pri­va­te Pa­pie­re wie ABS auf­kauft, ist auf­grund des klei­nen Mark­tes eben­falls un­wahr­schein­lich. Mehr denn je gilt für Frank­fur­ter Geld­po­li­tik so­mit: noch län­ger lo­cker.

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