Zwei Ar­ten von Ak­ti­en

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An­la­gen in Cla­ri­ant und Lan­xess wei­sen ei­nen un­ter­schied­li­chen Cha­rak­ter auf. Wer sich in Cla­ri­ant en­ga­giert, setzt auf ei­ne bis­lang plan­mäs­sig ver­lau­fe­ne Ent­wick­lungs­ge­schich­te mit wei­te­rem Po­ten­zi­al. Wer auf Lan­xess wet­tet, in­ves­tiert in ei­ne län­ger wäh­ren­de Re­struk­tu­rie­rungs­ge­schich­te, die noch ge­nau­er zu um­reis­sen ist, aber durch­aus zu Hoff­nun­gen be­rech­tigt.

We­gen der Un­si­cher­heit ver­lan­gen die Ak­ti­en Lan­xess mehr Ri­si­ko­fä­hig­keit als Cla­ri­ant. Ihr Cha­rak­ter ist spe­ku­la­ti­ver, ihr Kurs eher mehr be­vor­schusst als der des hie­si­gen Bran­chen­nach­barn. Als die deut­sche Grup­pe am 7. Mai ihr Grund­ka­pi­tal über ei­ne be­schleu­nig­te Ak­ti­en­plat­zie­rung 10% an­hob, ten­dier­te ihr Kurs fes­ter. Der Schritt war nicht un­be­dingt er­war­tet wor­den, stiess zu­sam­men mit Aus­sa­gen des neu­en CEO Mat­thi­as Za­chert aber auf gu­te Re­so­nanz.

Za­chert geht die Stei­ge­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit zü­gig an. Im zwei­ten Halb­jahr will Lan­xess über das wei­te­re Vor­ge­hen ge­nau­er in­for­mie­ren. Das Port­fo­lio, die ein­zel­nen Ge­schäfts­ein­hei­ten, die Ef­fi­zi­enz der Ver­wal­tung und der Pro­duk­ti­ons­stand­or­te: Al­les soll un­ter die Lu­pe kom­men. Im Zen­trum steht das un­ter Preis­druck ste­hen­de Syn­the­se­kau­tschuk­ge­schäft. In ei­nem Ta­bu- bruch wer­den hier auch Part­ner­schaf­ten ge­prüft; Be­triebs­schlies­sun­gen wer­den vom Vor­stand nicht aus­ge­schlos­sen.

Auch Cla­ri­ant will die Er­trags­kraft wei­ter stär­ken. Noch ist die Ebit­da-Mar­ge ein gu­tes Stück von ih­rer Ziel­band (16 bis 19%) ent­fernt, und auch die Ren­di­te auf das in­ves­tier­te Ka­pi­tal (ROIC) ent­spricht noch nicht den Vor­stel­lun­gen des Ma­nage­ments: Mit den 2012 und 2013 ver­dien­ten je rund 9,5% wird kei­ne gros­se Prä­mie auf die Ka­pi­tal­kos­ten ( WACC) ver­dient. Da war Lan­xess bis und mit 2012 klar bes­ser un­ter­wegs.

Im Be­stre­ben, die Ren­ta­bi­li­tät wei­ter zu stei­gern, setzt Cla­ri­ant aus­ser auf Kos­ten­sen­kun­gen vor al­lem auf Wachs­tum. Noch si­gni­fi­kant Kos­ten her­aus­zu­neh­men wer­de im­mer schwie­ri­ger, sag­te CEO Ha­riolf Kott­mann im Fe­bru­ar der FuW.

Auch die Be­wer­tung von Cla­ri­ant nimmt Er­trags­stei­ge­run­gen schon vor­weg, bleibt da­bei aber ge­zü­gelt. Je nach Kon­junk­tur­ver­lauf ist 2015 mit ei­nem noch­mals kräf­ti­gen Ge­winn­sprung zu rech­nen. Der von Bloom­berg er­ho­be­ne Me­di­an der Ana­lys­ten­schät­zun­gen für den Ge­winn je Ak­tie be­trägt der­zeit knapp 1.45 Fr., ent­spre­chend ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2015 von we­ni­ger als 13. Das ver­spricht wei­te­re Avan­cen.

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