Eu­ro­pa ist viel preis­sen­si­ti­ver als die USA

Finanz und Wirtschaft - - ANLAGEUNIVERSU - GRI

Der eu­ro­päi­sche Ge­sund­heits­markt ist für Phar­ma­her­stel­ler und Med­tech-Kon­zer­ne kein leich­tes Pflas­ter. Der Da­ten­dienst­leis­ter IMS He­alth rech­net bis 2017 gröss­ten­teils mit ei­ner Sta­gna­ti­on bei den Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben in Eu­ro­pa. Grund für die Zu­rück­hal­tung sind ver­stärk­te An­stren­gun­gen der Staa­ten, die Prei­se zu drü­cken. In Deutsch­land gel­ten bei­spiels­wei­se Preis­mo­ra­to­ri­en und Zwangs­ra­bat­te, die re­gel­mäs­sig ver­län­gert wer­den. Be­grün­det wer­den die Mass­nah­men mit der Fi­nanz­kri­se und de­ren ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Kran­ken­kas­sen.

Das Preis­mo­ra­to­ri­um wur­de erst im Fe­bru­ar un­ter Miss­bil­li­gung der Phar­ma­in­dus­trie bis 2017 ver­län­gert. Her­stel­ler vie­ler pa­tent­ge­schütz­ter Me­di­ka­men­te, dür­fen die Prei­se bis auf Wei­te­res nicht über das Ni­veau von 2009 er­hö­hen. Wei­ter müs­sen die Her­stel­ler im Sin­ne ei­nes Men­gen­ra­bat­tes an die Kran­ken­kas­sen zu­sätz­lich ei­nen Zwangs­ra­batt von 7% auf die Prei­se von nicht fest­be­trag­ge­bun­de­nen Arz­nei­mit­teln ge­wäh­ren. Von fest­be­trag­ge­bun­de­nen Me­di­ka­men­ten wird ge­spro­chen, wenn ver­schie­de­ne Prä­pa­ra­te von di­ver­sen An­bie­tern die­sel­be Wir- kung ha­ben. Der Staat setzt dann für sie al­le den­sel­ben Kran­ken­kas­sen­rück­er­stat­tungs­be­trag fest. Ent­schei­det sich ein Pa­ti­ent für ein Pro­dukt, des­sen Preis über dem Fix­be­trag liegt, muss er den Auf­preis selbst be­zah­len. Al­le Mass­nah­men zie­len dar­auf, die Preis­macht der Phar­ma­kon­zer­ne ein­zu­schrän­ken. Die­se mo­nie­ren, dass sie ih­ren Bei­trag zur De­ckungs­lü­cke der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen (GKV) in Deutsch­land mitt­ler­wei­le ge­leis­tet ha­ben. Be­reits 2011 hat die GKV wie­der ei­nen Über­schuss von 5,2 Mrd. € er­zielt.

Die Preis­ent­wick­lung in Deutsch­land ist in Eu­ro­pa mit­ent­schei­dend, denn die deut­schen Ta­ri­fe wer­den in an­de­ren Län­dern als Re­fe­renz ge­nom­men. In Spa­ni­en, Frank­reich oder Ita­li­en be­sitzt die Po­li­tik zu­dem ei­nen noch grös­se­ren Ein­fluss, da dort das Rück­er­stat­tungs­sys­tem im Ver­gleich zu Deutsch­land noch stär­ker vom Staat kon­trol­liert wird. Durch Spar­mass­nah­men in­fol­ge der Eu­ro­kri­se bra­chen vor al­lem in Spa­ni­en und in Ita­li­en die Ge­sund­heits­aus­ga­ben ein (vgl. Gra­fik un­ten). Zwar macht der Auf­wand für me­di­zi­ni­sche Pro­duk­te nur ei­nen ge­rin­gen Teil der Ge­samt­kos­ten aus. Viel grös­ser sind die Spi- tal­kos­ten, von de­nen bei­spiels­wei­se auch die gröss­te pri­va­te deut­sche Spi­tal­grup­pe Fre­se­ni­us pro­fi­tiert. Doch ge­ra­de die Me­di­ka­men­ten­prei­se stel­len für die Po­li­tik ein leich­tes Ziel dar. Be­son­ders be­denk­lich mu­te­te in den letz­ten Jah­ren an, dass die Phar­ma­kon­zer­ne auf un­be­zahl­ten Rech­nun­gen sit­zen blie­ben. In Grie­chen­land ist die Ver­sor­gung mit wich­ti­gen Me­di­ka­men­ten als Fol­ge da­von in Fra­ge ge­stellt.

Wachs­tums­ra­ten Ge­sund­heits­kos­ten

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