Or­gan dru­cken

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Ein Kör­per­or­gan wie ei­ne Le­ber oder ei­ne Nie­re mit dem Dru­cker zu er­zeu­gen, ist noch ein fer­ner Traum der Mensch­heit. Das US-Bio­tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Or­ga­no­vo (Nas­daq: ONVO; Schluss­kurs am Don­ners­tag 7.15 $; Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung 556 Mio. $) ver­folgt den­noch das Ziel, ihn der­einst zu er­fül­len. Ehe es so weit ist, dürf­ten min­des­tens zehn Jah­re ver­ge­hen, er­war­ten Ana­lys­ten des Wert­schrif­ten­hau­ses Mor­gan St­an­ley.

Wei­ter ist Or­ga­no­vo hin­sicht­lich der künst­li­chen Her­stel­lung von Le­ber­ge­we­be­strei­fen. Die Strei­fen, die mit dem vom Un­ter­neh­men ent­wi­ckel­ten 3D-Bio­prin­ting-Ver­fah­ren er­zeugt wer­den, sind vor­läu­fig für die Ver­wen­dung in präk­li­ni­schen Me­di­ka­men­ten­stu­di­en vor­ge­se­hen. Sie sol­len noch die­ses Jahr auf den Markt ge­bracht wer­den. Wie die Ge­sell­schaft aus dem ka­li­for­ni­schen San Die­go En­de April den Me­di­en mit­ge­teilt hat, hät­ten fünf­zehn der welt­weit füh­ren­den Phar­ma­un­ter­neh­men be­reits im Vor­feld der Lan­cie­rung ihr In­ter­es­se an der Tech­no­lo­gie an­ge­mel­det.

Die aus­ge­druck­ten Ge­we­be­strei­fen, die in ei­nem wei­te­ren Schritt auch für Nie­ren-, Haut- und Krebs­zel­len an­ge­bo­ten wer­den sol­len, ver­spre­chen Me­di­ka­men­ten­her­stel­lern in der Ent­wick­lung ge­wich­ti­ge Ein­spa­run­gen. Für Or­ga­no­vo bie­tet sich ge­mäss ei­nem Ar­ti­kel in der bri­ti­schen Wirt­schafts­zeit­schrift «The Eco­no­mist» die Chan­ce, pro Set 2000 $ und mehr zu ver­rech­nen. Die Ge­sell­schaft ist denn auch gu­ten Mu­tes, be­reits «auf kur­ze Sicht» wie­der­keh­ren­de Ein­nah­men zu er­wirt­schaf­ten.

Bis­her hat Or­ga­no­vo noch so gut wie kei­nen Um­satz aus­ge­wie­sen. In den ers­ten neun Mo­na­ten des am 31. März be­en­de­ten Ge­schäfts­jahrs 2013/14 flos­sen dem 2007 ge­grün­de­ten Un­ter­neh­men ge­ra­de mal 260 000 $ zu – aus­schliess­lich aus For­schungs­zu­wen­dun­gen. Der Fehl­be­trag er­reich­te da­bei 19,4 Mio. $, ver­gli­chen mit 6,5 Mio. $ in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Seit 2007 hat Or­ga­no­vo ku­mu­liert ge­gen 86 Mio. $ Ver­lust ge­macht.

An­la­gen in Or­ga­no­vo, die als ein­zi­ge 3D-Bio­prin­ting-Ge­sell­schaft ko­tiert ist, eig­nen sich nur für sehr ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger. Im letzt­jäh­ri­gen Ge­schäfts­be­richt hält das Un­ter­neh­men un­miss­ver­ständ­lich fest, «wei­te­re sub­stan­zi­el­le» Ver­lus­te über die kom­men­den Jah­re zu er­war­ten. Sie las­sen sich pri­mär wohl nur über Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen de­cken.

Um der­einst Or­ga­ne via 3D-Dru­cker zu pro­du­zie­ren, muss das Un­ter­neh­men nicht nur ei­ne Viel­zahl von tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen wie die an­spruchs­vol­le Ver­sor­gung der Or­ga­ne mit Blut be­wäl­ti­gen. Noch völ­lig of­fen ist auch, ob Ge­sund­heits­be­hör­den je ge­willt sind, sie für den Ver­kauf frei­zu­ge­ben. Der po­ten­zi­el­le Ab­satz­markt da­ge­gen er­scheint fast un­er­schöpf­lich. Ge­mäss Or­ga­no­vo war­ten al­lein in den USA 114 000 Men­schen auf ei­ne Or­gan­trans­plan­ta­ti­on. Ef­fek­tiv wer­den pro Jahr aber nur 5000 Or­ga­ne ver­pflanzt.

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