Bei der EZB ist et­was im Busch

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TM/AN

Ma­rio Draghi, Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), hat an der letz­ten Rats­sit­zung er­klärt, beim nächs­ten Tref­fen, am 5. Ju­ni, zu wei­te­ren Mass­nah­men zur Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik be­reit zu sein, um der lang an­dau­ern­den tie­fen In­fla­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken. Seit­her spe­ku­lie­ren die Märk­te, was die EZB ent­schei­den könn­te.

Das kon­ven­tio­nells­te Mit­tel wä­re ei­ne Zins­sen­kung. Zu­letzt wur­de der Haupt­fi­nan­zie­rungs­satz im No­vem­ber 2013 von 0,5 auf 0,25% ge­senkt. Der Ein­la­gen­satz für bei der EZB ge­park­te Gel­der blieb auf 0%. Ei­ne Sen­kung des Haupt­zin­ses auf 0,15 oder gar 0% und des Ein­la­gen­sat­zes ins Mi­nus wür­de mehr Geld von der EZB ab­zie­hen und den Geld­markt be­ru­hi­gen. Der Eo­nia (Eu­ro Over­night In­dex Aver­a­ge), der Zins, zu dem sich Ban­ken über Nacht oh­ne Hin­ter­le­gung von Si­cher­hei­ten Eu­ro lei­hen, ist jüngst oft ge­stie­gen.

Ei­ne Op­ti­on bleibt ei­ne wei­te­re Run­de lang­fris­ti­ger Re­fi­nan­zie­rungs­pro­gram­me (LTRO), ana­log zu den Drei­jah­res­ten­dern aus den Jah­ren 2011 und 2012. Dies­mal an die Be­din­gung ge­knüpft, dass das Geld als Kre­di­te an Un­ter­neh­men wei­ter­ge­reicht wird. Die EZB könn­te auch ver­brief­te Un­ter­neh­mens­kre­di­te bei der Bank­re­fi­nan­zie­rung ak­zep­tie­ren. Un­ter an­de­rem feh­len aber noch Ra­tings für sol­che In­stru­men­te. EZB und Bank of En­g­land ha­ben die­se Woche ein ge­mein­sa­mes Po­si­ti­ons­pa­pier zu Ver­brie­fun­gen pu­bli­ziert. Ein Si­gnal, dass es da­mit vor­wärts­geht?

Viel dis­ku­tiert wur­de auch, das al­te Se­cu­ri­ties Mar­kets Pro­gram (SMP), un­ter dem die EZB ab 2010 Staats­an­lei­hen kauf­te, nicht mehr zu ste­ri­li­sie­ren. Stoppt die EZB die Neu­tra­li­sie­rung der Käu­fe, könn­ten 172 Mrd. € zu­sätz­lich ins Fi­nanz­sys­tem ge­lan­gen.

Die stärks­te Mass­nah­me wä­re wohl ei­ne quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung (QE) im Stil der US-No­ten­bank. Die EZB könn­te ei­ne brei­te Pa­let­te von Wert­schrif­ten auf­kau­fen. Das Pro­gramm könn­te auf die ein­zel­nen Län­der ab­ge­stimmt wer­den, um den un­ter­schied­li­chen Pro­ble­men in den je­wei­li­gen Ka­pi­tal­märk­ten Rech­nung zu tra­gen. Kri­ti­ker be­män­geln, ein QE könn­te we­ni­ger wirk­sam sein als in den USA, da in Eu­ro­pa Bank­kre­di­te für die Un­ter­neh­men die wich­ti­ge­re Fi­nan­zie­rungs­quel­le sind als der Ka­pi­tal­markt.

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