IWF at­tes­tiert Fort­schrit­te

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - THA

Die Schweiz ver­fügt im welt­wei­ten Ver­gleich über ei­nen der gröss­ten Fi­nanz­sek­to­ren: Ban­ken und Ver­si­che­run­gen tra­gen mehr als 10% zur Wirt­schafts­leis­tung bei. Die­se Woche hat der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) den Be­richt zur Fi­nanz­markt­sta­bi­li­tät der Schweiz pu­bli­ziert. Ziel ist es, sys­te­mi­sche Ri­si­ken im Fi­nanz­sek­tor zu iden­ti­fi­zie­ren und Ver­bes­se­run­gen vor­zu­schla­gen.

Der IWF at­tes­tiert den Schwei­zer Be­hör­den, ins­be­son­de­re der Fi­nanz­markt­auf­sicht Fin­ma und der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) ins­ge­samt ein gu­tes Zeug­nis: Sie hät­ten nach Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se en­er­gisch re­agiert und ge­eig­ne­te Mass­nah­men er­grif­fen, heisst es im Be­richt. So sei­en et­wa die Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen für Ban­ken über den von Ba­sel III ge­for­der­ten Min­dest­stan­dard an­ge­ho­ben wor­den. Wäh­rend die Gross­ban­ken ih­re Sta­bi­li­tät er­höht hät­ten, or­tet der IWF bei den Kan­to­nal­ban­ken Ri­si­ken.

Stren­ge­re Le­ver­a­ge Ra­tio

Die bei­den Gross­ban­ken UBS und Cre­dit Suis­se, die als sys­tem­re­le­vant für das glo­ba­le Fi­nanz­sys­tem gel­ten, hät­ten die Ent­schul­dung (De­le­ver­aging) vor­an­ge­trie­ben und Stress­tests hät­ten ge­zeigt, dass sie auch ei­nen schwe­ren Schock ver­kraf­ten könn­ten, schrei­ben die IWF-Öko­no­men.

Den­noch sei­en die un­ge­wich­te­ten Ver­schul­dungs­quo­ten (Le­ver­a­ge Ra­tio) der UBS und Cre­dit Suis­se nach wie vor hoch. «Die bei­den Ban­ken wei­sen ei­nen deut­lich hö­he­ren Ver­schul­dungs­grad aus als vie­le an­de­re in­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­te», heisst es im Be­richt. Der IWF for­dert von den Schwei­zer Be­hör­den, ei­nen Si­cher­heits­puf­fer einz­bau­en und ei­ne stren­ge­re Quo­te als den in­ter­na­tio­na­len Mi­ni­mal­stan­dard fest­zu­set­zen. Auch die An­stren­gun­gen zur Lö­sung der Too-big-to-fail-Pro­ble­ma­tik müss­ten un­ver­min­dert fort­ge­setzt wer­den.

Da­mit die Fin­ma ih­re Auf­sichts­funk­ti­on ad­äquat wahr­neh­men und ihr Tä­tig­keits­feld über die Gross­ban­ken hin­aus er­stre­cken kön­ne, be­nö­ti­ge sie mehr Res­sour­cen, for­dert der IWF. Zu­dem brau­che es bei der Ver­ga­be von Auf­trä­gen an ex­ter­ne Prü­fer stren­ge­re und ein­heit­li­che Rah­men­be­din­gun­gen.

Ri­si­ko Kan­to­nal­ban­ken

Kri­tisch äus­sert sich der IWF zur den Kan­to­nal­ban­ken. Von den vier­und­zwan­zig In­sti­tu­ten be­zeich­net er ei­nes als sys­tem­rel­vant für die Schweiz, al­ler­dings wird es nicht na­ment­lich ge­nannt. Vie­le kan­to­na­le In­sti­tu­te wür­den durch ex­pli­zi­te Ga­ran­ti­en von ih­rem Heim­kan­ton ge­stützt, schreibt der IWF: «Man­che Kan­to­nal­ban­ken sind heu­te grös­ser als ihr Kre­dit­bür­ge. Das lässt Zwei­fel an der Glaub­wür­dig­keit die­ser Ga­ran­ti­en auf­kom­men.» Im Fall von Zü­rich, Lu­zern und Ba­sel Stadt be­tra­ge die Ga­ran­tie­sum­me heu­te ein Viel­fa­ches der Wirt­schafts­leis­tung der Kan­to­ne.

Als pro­ble­ma­tisch er­ach­tet der IWF den po­li­ti­schen Ein­fluss auf die Kan­to­nal­ban­ken, der ins­be­son­de­re bei ver­schie­de­nen gros­sen In­sti­tu­ten zu be­ob­ach­ten sei. Der Fonds emp­fiehlt, kla­re Re­geln zur Lei­tung (Go­ver­nan­ce) der In­sti­tu­te zu er­las­sen und die Ab­hän­gig­keit von der Po­li­tik zu re­du­zie­ren. Zu­dem ver­langt der IWF mehr Trans­pa­renz mit Blick auf die Ga­ran­ti­en, die den Kan­to­nal­ban­ken ge­währt wer­den.

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