Zen­tral­ban­ken be­ru­hi­gen

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

AWäh­rend die Bör­sen zu­le­gen, sinkt die Vo­la­ti­li­tät auf Tiefst.

uf den ers­ten Blick er­scheint es pa­ra­dox: Am Don­ners­tag ist be­kannt ge­wor­den, dass die US-Wirt­schaft im ers­ten Quar­tal um 1% (an­nua­li­siert) schrumpf­te, doppelt so viel wie Ex­per­ten er­war­tet hat­ten. Gleich­zei­tig klet­ter­te der US-Leit­in­dex S&P 500 auf ein neu­es Re­kord­hoch von 1920 Punk­ten und liegt da­mit knapp 1% hö­her als zu Wo­chen­be­ginn. Ein ge­nau­er Blick auf die Wachs­tums­zah­len ver­rät aber, dass das schwä­che­re Wachs­tum vor al­lem ei­ner Kor­rek­tur der La­ger­be­stän­de ge­schul­det war. Die Un­ter­neh­men be­dien­ten die Nach­fra­ge gross­teils durch den Ab­bau ih­rer gut ge­füll­ten La­ger, statt neu zu pro­du­zie­ren. Die Kom­bi­na­ti­on aus tie­fe­ren La­ger­be­stän­den und an­hal­tend gu­ter Nach­fra­ge der pri­va­ten Haus­hal­te lässt für die kom­men­den Quar­ta­le auf ein deut­li­ches An­zie­hen des Wirt­schafts­wachs­tums hof­fen. Dar­auf schei­nen auch die An­le­ge­rin­nen und An­le­ger zu bau­en. Im Wind­schat­ten des US-Mark­tes er­reich­te auch der Dax ein neu­es All­zeit­hoch bei 9945 Punk­ten (+1,8% seit Wo­chen­an­fang).

Mög­li­cher­wei­se spiel­te da­bei auch die Er­war­tung wei­te­rer Mass­nah­men sei­tens der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) ei­ne Rol­le. Die EZB-Spit­ze wird nächs­ten Don­ners­tag zu ih­rem mo­nat­li­chen Tref­fen zu­sam­men­kom­men.

Ru­he vor dem Sturm?

EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi liess in sei­ner letz­ten Pres­se­kon­fe­renz durch­bli­cken, dass er wei­te­re Mass­nah­men für nö­tig hal­te, um die De­fla­ti­ons­ge­fahr zu ban­nen. Er­war­tet wer­den ein wei­te­rer, eher sym­bo­li­scher Zins­schritt auf 0,1% und die Sen­kung des Ein­la­gen­sat­zes in den ne­ga­ti­ven Be­reich, um die Kre­dit­ver­ga­be der Ban­ken an­zu­re­gen. Der Zins­markt scheint sich je­den­falls auf ei­ne sehr lo­cke­re Geld­po­li­tik über ei­nen län- ge­ren Zei­t­raum ein­zu­stel­len. Mit 1,37% han­delt die 10-jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­he ge­ra­de ein­mal 0,2%-Punk­te über dem All­zeit­tief.

Ei­ne wei­te­re Kon­se­quenz der welt­wei­ten Zen­tral­bank­mass­nah­men ist die sehr tie­fe Vo­la­ti­li­tät auf den Fi­nanz­märk­ten. Die täg­li­chen Schwan­kun­gen der Ak­ti­en- und Ob­li­ga­tio­nen­prei­se sind so tief wie sel­ten zu­vor und si­gna­li­sie­ren ei­ne re­la­tiv ho­he Ri­si­ko­be­reit­schaft – oder aber ei­ne ge­sun­ke­ne Ri­si­ko­wahr­neh­mung – der An­le­ger. Ei­ne sol­che Pha­se tie­fer Vo­la­ti­li­tät und stei­gen­der Ak­ti­en­prei­se kann ei­ne Wei­le an­hal­ten, vor al­lem wenn sie durch po­si­ti­ve Nach­rich­ten aus der Re­al­wirt­schaft un­ter­stützt wird. Mit­tel­fris­tig stellt sich aber die Fra­ge, wie der Markt auf ein An­zie­hen der geld­po­li­ti­schen Zü­gel re­agiert, wie es für die USA wohl nächs­tes Jahr an­steht.

Sti­mu­lie­rung in Asi­en

Nicht nur in Eu­ro­pa und den USA ste­hen geld- und fis­kal­po­li­ti­sche Mass­nah­men ganz oben auf der Agen­da. Auch Chi­na ver­sucht der dro­hen­den Ab­küh­lung von Wirt­schaft und Im­mo­bi­li­en­markt ent­ge­gen zu wir­ken. Das an­ge­kün­dig­te «Mi­ni-Sti­mu­lie­rungs­pro­gramm» könn­te da­bei grös­ser aus­fal­len als zu­nächst an­ge­nom­men. Mit meh­re­ren Mass­nah­men – von In­ves­ti­tio­nen in die In­fra­struk­tur über Steu­er­er­leich­te­run­gen bis hin zur Lo­cke­rung der Bank-Re­ser­ve­be­stim­mun­gen – ver­sucht die Re­gie­rung ihr Wachs­tums­ziel von 7,5% zu er­rei­chen. Schät­zun­gen zu­fol­ge könn­ten die Mass­nah­men zu­sam­men 0,6% bis 1% zum Wirt­schafts­wachs­tum bei­tra­gen. Der Ak­ti­en­markt könn­te po­si­ti­ve Nach­rich­ten gut brau­chen, im­mer­hin han­deln chi­ne­si­sche Ak­ti­en trotz ei­ner Er­ho­lung in den letz­ten Wo­chen im­mer noch 4,5% tie­fer als zu Jah­res­be­ginn.

In Ja­pan er­lit­ten die Aus­sich­ten auf wei­te­re geld­po­li­ti­sche Lo­cke­rung ei­nen Dämp­fer. Die In­fla­ti­ons­ra­te klet­ter­te im April auf 3,4%. Zwar lässt sich ein Gros des An­stiegs auf die Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er um 2% zu­rück­füh­ren. Den­noch bie­tet sich der Zen­tral­bank da­mit ein Grund, ih­re oh­ne­hin ag­gres­si­ve Geld­po­li­tik vor­erst nicht wei­ter zu lo­ckern. Viel­mehr wird Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe be­wei­sen müs­sen, dass sein Re­form­pro­gramm die Wirt­schaft auch oh­ne wei­te­re geld­po­li­ti­sche An­rei­ze zu be­schleu­ni­gen ver­mag. Die An­le­ger schei­nen an ei­ne an­hal­ten­de Er­ho­lung zu glau­ben und schick­ten den Nik­kei über die Woche 1,2% hö­her. Der Yen stieg leicht auf 101,8 zum Dol­lar.

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