Leer­ver­käu­fe bei Sil­ber

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

DEx­tre­mer Pes­si­mis­mus äus­sert sich in re­kord­ho­hen Short-Po­si­tio­nen.

ie im Vor­mo­nat be­gon­ne­ne Kon­so­li­die­rung der Gold- und Sil­ber­prei­se setz­te sich im Mai fort. Ei­ne Un­ze Gold kos­te­te am Frei­tag noch 1254 $, Sil­ber wur­de zu 19.02 $ pro Un­ze ge­han­delt. Die west­li­chen Käu­fer von ko­tier­ten Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) ver­hiel­ten sich sehr ru­hig. Das Vo­lu­men an aus­ste­hen­den An­tei­len blieb fast sta­bil. Die of­fi­zi­el­len Käu­fe aus In­di­en neh­men leicht zu. Es wird er­war­tet, dass die neue Re­gie­rung von Pre­mier­mi­nis­ter Na­ren­dra Mo­di das Gold­im­port­re­gime schritt­wei­se de­re­gu­liert.

Die chi­ne­si­schen Käu­fe sind sta­bil auf tie­fe­rem Ni­veau. Wei­ter­hin steigt je­weils das Vo­lu­men der chi­ne­si­schen Gold­han­dels­bör­sen bei sin­ken­den Gold­prei­sen. Dies lässt sich so­gar auf stünd­li­cher Ba­sis ver­fol­gen. Als zum Bei­spiel am Nach­mit­tag des 27. Mai mit der Er­öff­nung der US-Gold­ter­min­bör­se die Gold­prei­se ins Rut­schen ge­rie­ten, stieg an der Nacht­bör­se in Schang­hai (Han­dels­zeit 15 bis 20.30 Uhr Zürcher Zeit) das Han­dels­vo­lu­men stark. Wei­ter­hin scheint es al­so so zu sein, dass Gold im Wes­ten ver­kauft und im Os­ten er­wor­ben wird. Die­ser Trend war im März par­al­lel zu hö­he­ren Prei­sen we­ni­ger ein­deu­tig. Er­neut stei­gen­de Prä­mi­en für phy- si­sches Gold (der­zeit 4%) in Schang­hai im­pli­zie­ren je­doch, dass der Ap­pe­tit bei nied­ri­ge­ren Prei­sen wie­der am Stei­gen ist.

Per sal­do führt das Ver­hal­ten der ein­zel­nen Markt­teil­neh­mer zu ei­ner Seit­wärts­be­we­gung der Gold- und Sil­ber­prei­se. Struk­tu­rell gilt es je­doch zu be­den­ken, dass die Ver­käu­fe im Wes­ten bei seit An­fang Jahr recht sta­bi­len ETFBe­stän­den über Ter­min­märk­te er­fol­gen, wäh­rend die in­di­schen Käu­fe vor­wie­gend di­rekt phy­sisch und die chi­ne­si­schen Er­wer­bun­gen mehr­heit­lich mit phy­si­schem Be­zug von der Bör­se ab­ge­wi­ckelt wer­den. Dies be­deu­tet, dass die Ver­kaufs­sei­te eher ge­deckt wer­den muss als die Käu­fer­sei­te und da­mit struk­tu­rell la­bi­ler ist als die Käu­fer­schaft.

Der im Wes­ten herr­schen­de Pes­si­mis­mus be­züg­lich der wei­te­ren Ent­wick­lung der Prei­se von Gold und Sil­ber drückt sich nir­gends deut­li­cher aus als bei den Leer­ver­käu­fen von Sil­ber. Die US-Terminbörsen ver­zeich­nen die höchs­ten je ge­mes­se­nen Shor­tPo­si­tio­nen seit 1995. Das in ei­nem Um­feld, in dem der vor kur­zem noch gras­sie­ren­de Chi­na­pes­si­mis­mus ab­schwillt und mit Sil­ber ver­wand­te Ba­sis­me­tal­le wie Kup­fer und Zink seit März be­reits wie­der am Stei­gen sind. Bei Gold ist die Po­si­tio­nie­rung des Fu­tures-Mark­tes we­ni­ger aus­ser­ge­wöhn­lich. Der en­ge Preis­ver­lauf zwi­schen Gold und Sil­ber be­deu­tet je­doch, dass star­ke Kurs­be­we­gun­gen in Sil­ber durch­aus ei­nen – al­len­falls kurz­fris­ti­gen – Ein­fluss auf Gold aus­üben kön­nen.

Ein An­lass zur Schlies­sung der Short-Po­si­tio­nen lässt sich ex post je­weils schnell fin­den. Auf­grund der aus­ser­or­dent­lich ho­hen In­ter­ven­tio­nen staat­li­cher Stel­len in die Fi­nanz­märk­te sind Aus­sa­gen von Ver­tre­tern der Zen­tral­ban­ken wie der EZB oder des Fed da­für prä­des­ti­niert. Ein mög­li­cher Aus­lö­ser für die Schlies­sung der Short-Po­si­tio­nen könn­te die Ein­füh­rung von Ne­ga­tiv­zin­sen durch die EZB sein. Ei­ne bis­her un­er­war­te­te Lo­cke­rung der US-Geld­po­li­tik im Zu­ge ei­nes ent­täu­schen­den Wirt­schafts­wachs­tums – im ers­ten Quar­tal ist das US-BIP an­nua­li­siert be­reits 1% ge­schrumpft – könn­te ei­ne an­de­rer An­lass sein, der die Stim­mung im Gold- und Sil­ber­markt deut­lich ver­än­dern könn­te. Da­mit bleibt der Edel­me­tall­markt span­nend. An­le­ger sind gut be­ra­ten, sich von der schlech­ten Stim­mung nicht an­ste­cken zu las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.