Bank Co­op hat ma­ni­pu­liert

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - RG

Schon ei­nen Tag vor der of­fi­zi­el­len Mit­tei­lung, die re­gu­la­to­ri­schen Schrau­ben an­zie­hen zu wol­len (vgl. Sei­te 15), mach­te die Fin­ma Ernst. Sie sprach ge­gen die Bank Co­op ei­ne Rü­ge und ge­gen de­ren ehe­ma­li­gen CEO Andre­as Wae­spi un­ter Na­mens­nen­nung ein drei­jäh­ri­ges Be­rufs­ver­bot aus – ei­ne aus­ser­or­dent­lich dras­ti­sche Mass­nah­me.

Die Auf­sichts­be­hör­de wirft der Bank Co­op vor, zwi­schen Som­mer 2009 und Früh­jahr 2013 (vgl. blau un­ter­leg­te Pha­se in der Kurs­gra­fik) «in schwe­rer Wei­se» ge­gen das Ver­bot der Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ver­stos­sen zu ha­ben. Ins­be­son­de­re be­an­stan­det sie, dass vor und wäh­rend der Pu­bli­ka­ti­on von Ge­schäfts­zah­len so­wie an Mo­nats- und Jah­res­en­den der Bör­sen­kurs der In­ha­ber­ak­ti­en ge­stützt wor­den war.

Die Bank Co­op ak­zep­tie­re die Rü­ge. Wae­spi er­wägt, das Ver­dikt der Fin­ma an­zu­fech­ten. Bei der Bank Co­op räum­te er sein Pult schon An­fang Au­gust. Nun muss­te er aber auch per so­fort als Swis­scan­to-Prä­si­dent und de­si­gnier­ter CEO der Aar­gaui­schen KB zu­rück­tre­ten.

Kei­ne Über­ra­schung

Es über­rascht nicht, dass die Bank Co­op ih­ren Kurs ge­pflegt hat, auch wenn sie den Ver­dacht stets zu­rück­ge­wie­sen hat­te. Wer den Kurs­ver­lauf so­wie die Be­wer­tung der Ak­ti­en im Au­ge hat­te und die ge­sam­ten ge­han­del­ten Vo­lu­men mit dem über die ei­ge­nen Bü­cher der Bank ab­ge­wi­ckel­ten Um­satz ver­glich (vgl. Bal­ken­gra­fik), konn­te aber eins und eins zu­sam­men­zäh­len. Zu­dem war schon die Mut­ter­ge­sell­schaft der Bank Co­op, die Bas­ler KB, im No­vem­ber 2013 we­gen Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ge­rügt wor­den.

Den Han­del mit ei­ge­nen Ak­ti­en hat die Bank Co­op Mit­te 2013 ein­ge­stellt. Die Pa­pie­re – sie ha­ben mit ei­nem klei­nen Mi­nus auf die Neu­ig­kei­ten re­agiert – sind mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis KGV (2015) von 9 güns­tig be­wer­tet. Zu Zei­ten der Markt­ma­ni­pu­la­ti­on be­trug das KGV zeit­wei­se deut­lich über 20. Auch das ak­tu­el­le Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis von 0,7 ist at­trak­tiv. «Buy on bad news» könn­te al­so ein gu­ter Rat­schlag sein. Die Di­vi­den­den­ren­di­te ist we­gen des nied­ri­gen Kur­ses mit 4,3% hoch.

Auch an­de­re fal­len auf

Die Fin­ma un­ter­sucht ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben das Markt­ver­hal­ten ver­schie­de­ner Ban­ken. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt ge­be es al­ler­dings kei­ne Hin­wei­se, dass wei­te­re Ban­ken in Markt­ma­ni­pu­la­tio­nen in­vol­viert sei­en, liess sie ver­lau­ten.

Ein Blick auf die un­ten­ste­hen­de Gra­fik zeigt, wel­che Re­tail­ban­ken vie­le Va­lo­ren über die ei­ge­nen Bü­cher han­deln, so wie dies bis 2013 bei der Bank Co­op der Fall ge­we­sen war. Wenn dann noch ei­ne auf­fäl­lig ho­he Be­wer­tung und ein we­nig vo­la­ti­ler Kurs­ver­lauf da­zu­kom­men, wie zum Bei­spiel bei der Bank Linth oder den KB von Bern, Grau­bün­den oder Wal­lis, gilt es, punk­to Kurs­pfle­ge wach­sam zu sein.

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