Feu­er­ball

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Die spek­ta­ku­lä­ren Bil­der gin­gen um die Welt: Am letz­ten Di­ens­tag­abend hob die un­be­mann­te Raum­fäh­re Cyg­nus plan­mäs­sig ab, ex­plo­dier­te aber nur Se­kun­den spä­ter in ei­nem ge­wal­ti­gen Feu­er­ball. Der Schock war gross – nicht nur bei der Na­sa, son­dern auch beim in­vol­vier­ten Raum­fahrt­kon­zern Or­bi­tal Sci­en­ces (Ny­se: ORB, 26.03 $ am Don­ners­tag, 1,6 Mrd. $ Bör­sen­wert). Das im US-Bun­des­staat Vir­gi­nia do­mi­zi­lier­te Un­ter­neh­men hat­te 2008 als Teil des COTS-Pro­gramms (Com­mer­ci­al Or­bi­tal Trans­por­ta­ti­on Ser­vices) den Auf­trag er­hal­ten, die in­ter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS mit Fracht­gü­tern und Er­satz­tei­len zu ver­sor­gen.

Ur­sa­che wei­ter­hin un­klar

Al­lein am Mitt­woch büss­ten die Va­lo­ren von Or­bi­tal Sci­en­ces rund 17% an Wert ein. Nicht nur tappt man hin­sicht­lich Un­fall­ur­sa­che wei­ter­hin im Dun­keln; Ex­per­ten schät­zen die Dau­er der nö­ti­gen Un­ter­su­chun­gen auf sechs bis neun Mo­na­te. Auch ist un­klar, wann die mit der Na­sa ver­ein­bar­ten Trans­port­flü­ge wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Sie wür­den erst fort­ge­setzt, wenn die Si­cher­heit ga­ran­tiert wer­den kön­ne.

Rück­schlä­ge wie die­se sind frei­lich nichts Un­ge­wöhn­li­ches und nicht auf Or­bi­tal Sci­en­ces be­grenzt. Auch an­de­re Ver­tre­ter der pri­va­ten Raum­fahrt­in­dus­trie – wie et­wa die von Mil­li­ar­där Elon Musk ge­grün­de­te SpaceX (www.fuw. ch/011114-2) – ha­ben Nie­der­la­gen er­lit­ten, sich da­von aber im­mer wie­der er­holt. Zu­dem än­dern die Vor­komm­nis­se nichts an den grund­sätz­lich po­si­ti­ven Aus­sich­ten: So hat die US-Re­gie­rung ih­ren Plan be­kräf­tigt, dass die Na­sa all­täg­li­che­re Auf­ga­ben ver­stärkt an pri­va­te Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner aus­la­gern soll.

Wachs­tum dank Sa­tel­li­ten

Nach dem Kurs­sturz kön­nen An­le­ger dar­auf spe­ku­lie­ren, dass sich Or­bi­tal Sci­en­ces rasch vom ers­ten Schock er­holt. Zu­vor hat­te der Kon­zern be­reits zwei Flü­ge zur ISS oh­ne Kom­pli­ka­tio­nen ab­ge­wi­ckelt. Zu­dem ist er nicht nur in Sa­chen Ver­sor­gungs­flü­ge ak­tiv: Rund 30% des Um­sat­zes ent­fie­len im ver­gan­ge­nen Quar­tal auf kom­mer­zi­el­le, wis­sen­schaft­li­che und mi­li­tä­ri­sche Sa­tel­li­ten­sys­te­me. Die­se Spar­te pro­fi­tiert un­ter an­de­rem vom ste­ti­gen Wachs­tum der mo­bi­len Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on.

Im April wur­de pu­blik, dass Or­bi­tal Sci­en­ces mit dem US-Rüs­tungs­kon­zern Al­li­ant Tech­sys­tems fu­sio­nie­ren will. Der Zu­sam­men­schluss wür­de die ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on er­hö­hen, Ska­len­vor­tei­le brin­gen und die Ab­hän­gig­keit von ex­ter­nen Lie­fe­ran­ten ver­rin­gern. So­wohl das Ma­nage­ment als auch die meis­ten Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass die Fu­si­on plan­mäs­sig um­ge­setzt wer­den kann – wenn auch mög­li­cher­wei­se zu leicht ge­än­der­ten Kon­di­tio­nen.

Bis­lang hat rund die Hälf­te der Ana­lys­ten, die Or­bi­tal Sci­en­ces eng be­glei­ten, ih­re Pro­gno­sen nach der Cyg­nusEx­plo­si­on an­ge­passt. Die Ge­winn­erwar­tung für 2015 er­fuhr da­bei nur ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Re­duk­ti­on. Auf die­ser Ba­sis wei­sen die Ti­tel ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 19 auf. Das ist zwar nicht güns­tig, dürf­te aber ei­ner Er­ho­lungs­ral­ly nicht im Weg ste­hen.

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