«Nicht Ver­si­che­rer, son­dern Jün­ge­re müs­sen für die Äl­te­ren zah­len»

Finanz und Wirtschaft - - VORSORGE - IN­TER­VIEW: TH

Die As­se­ku­ranz­bran­che re­gelt über Kom­plett­lö­sun­gen für klei­ne­re und mit­tel­gros­se Un­ter­neh­men die be­ruf­li­che Vor­sor­ge für rund ein Drit­tel der schweiz­weit Be­schäf­tig­ten. Die Kol­lek­tiv­le­bens­ver­si­che­rung ist das be­deu­tends­te Ge­schäfts­feld der Ver­si­che­rer. Die ein­ge­nom­me­nen Prä­mi­en ma­chen zwei Fünf­tel des ge­sam­ten in­län­di­schen Markt­vo­lu­mens aus. auf ih­rem Rest­ka­pi­tal gut­ge­schrie­ben wer­den muss. Die Ver­si­che­rer selbst sind we­nig be­trof­fen, denn we­gen der star­ren BVG-Re­geln müs­sen pri­mär die jün­ge­ren für die äl­te­ren Jahr­gän­ge zah­len. Den ef­fek­ti­ven Kos­ten­ver­lauf zu­tref­fend vor­aus­zu­se­hen, ist un­mög­lich. Aber der Prä­mi­en­über­schuss im Be­reich der To­des­fall- und In­va­li­di­täts­ri­si­ken fliesst je­des Jahr voll­stän­dig in die BVG-Be­triebs­rech­nung ein, für die ge­setz­lich der Ver­teil­schlüs­sel fest­ge­legt ist. Die Ver­si­che­rer müs­sen min­des­tens 90% der Brut­to­ein­nah­men in Form von Zin­sen, Zah­lun­gen und Rück­stel­lun­gen an die ver­si­cher­ten Per­so­nen zu­rück­lei­ten. In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren ha­ben die Ver­si­che­rer gar zwi­schen 90 und 95% die­ser Brut­to­ein­nah­men wie­der den Zah­lern zu­gu­te­kom­men las­sen. Könn­ten die Ver­si­che­rer nicht mehr nach gut ver­lau­fe­nen An­la­ge­jah­ren frei­wil­lig mehr als die mi­ni­ma­len 90% der Ein­nah­men zu­rück­lei­ten, son­dern müss­ten zwin­gend je­des Jahr ei­nen hö­he­ren An­teil leis­ten, ver­schö­be sich das gut aus­ta­rier­te Ri­si­ko-Ren­di­te-Pro­fil die­ses Ge­schäfts­felds. Die bis­lang er­ziel­ba­re Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te des Kol­lek­tiv­le­ben­ge­schäfts liegt ge­mäss An­ga­ben der An­bie­ter be­reits un­ter der Durch­schnitts­ren­di­te al­ler Ver­si­che­rungs­spar­ten. Bei ei­ner struk­tu­rel­len Ver­schlech­te­rung der Er­trags­aus­sich­ten wür­den sich wohl wei­te­re Un­ter­neh­men aus dem An­ge­bot voll­ga­ran­tier­ter Vor­sor­ge­lö­sun­gen her­aus­be­we­gen. des­rats. Die­ser will je­doch AHV und be­ruf­li­che Vor­sor­ge in ein ein­zi­ges rie­si­ges Re­form­pa­ket pa­cken. Das wird so kom­plex, dass ein Schei­tern im Par­la­ment und vor dem Stimm­volk zu be­fürch­ten ist. Es ist wich­tig, dass we­sent­li­che Ver­bes­se­rungs­schrit­te für die ers­te und die zwei­te Vor­sor­ge­säu­le prio­ri­siert und rasch um­ge­setzt wer­den. Da­zu ge­hört die Sen­kung des mi­ni­ma­len Ren­ten­um­wand­lungs­sat­zes auf 6%, wo­bei zur Glät­tung des Ef­fekts wir­kungs­vol­le Kom­pen­sa­ti­ons­mass­nah­men zu er­grei­fen sind.

BILD: ZVG

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