Schweiz: Un­auf­fäl­lig freund­lich

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Die schwa­che Wirt­schafts­ent­wick­lung in Eu­ro­pa ist auch in der Schweiz zu spü­ren. Wie sehr, dar­über ge­hen die An­sich­ten aus­ein­an­der. Swiss Li­fe rech­net mit ei­ner mar­kan­ten Ab­küh­lung. Für nächs­tes Jahr ver­an­schla­gen die Öko­no­men des Le­bens­ver­si­che­rers nur 1,3% BIP-Wachs­tum. Das In­sti­tut Bak Ba­sel ist zu­ver­sicht­li­cher. Mit 1,9% für 2015 be­fin­det es sich am obe­ren Rand der Band­brei­te.

Die Kon­junk­tur­for­schungs­stel­le der ETH Zürich (Kof) hat die­se Wo­che ih­re Vor­her­sa­ge für das kom­men­de Jahr von 2 auf 1,7% ge­senkt. Sie pro­gnos­ti­ziert aber kei­ne mar­kan­te Ver­lang­sa­mung, son­dern nur, dass der Auf­schwung ei­nen Gang zu­rück­schal­tet. Die Dy­na­mik der pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben nimmt so­gar leicht zu. Die ver­füg­ba­ren Ein­kom­men stei­gen im glei­chen Tem­po wie bis­her. Al­ler­dings sind die Stei­ge­rungs­ra­ten ge­rin­ger, wenn das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum be­rück­sich­tigt wird: Pro Kopf geht die Kof von 0,6% mehr Ein­kom­men und ei­nem um 0,8% hö­he­ren Ver­brauch aus (vgl. Ta­bel­le).

Auch die Un­ter­neh­men wer­den mehr ver­die­nen und dar­auf­hin zu­sätz­lich in­ves­tie­ren. Die Kof er­war­tet, dass 2015/16 ein­ma­li­ge In­ves­ti­tio­nen im Wert von fast 4 Mrd. Fr. bu­chungs­tech­nisch fäl­lig wer­den. Dar­über hin­aus hem­me aber die Initia­ti­ve ge­gen Mas­sen­ein­wan­de­rung die In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit. Die Zweit­woh­nungs­in­itia­ti­ve, der Ei­gen­ka­pi­tal­puf­fer für die Hy­po­the­kar­ge­ber und hö­he­rer Leer­stand brem­sen den Woh­nungs­bau. Vor al­lem Ein­fa­mi­li­en­häu­ser be­kom­men das zu spü­ren, wo die In­ves­ti­tio­nen wei­ter­hin stark zu­rück­ge­hen wer­den.

Die ak­tu­el­le Wirt­schafts­la­ge bes­sert sich. So be­en­de­te der UBS-Kon­su­min­di­ka­tor im Ok­to­ber sei­ne Ab­wärts­fahrt. Wie die Gross­bank am Don­ners­tag mel­de­te, stieg der In­di­ka­tor von 1,28 auf 1,41. Die som­mer­li­che Tal­fahrt war al­ler­dings we­ni­ger dem welt­wirt­schaft­li­chen Um­feld ge­schul­det, son­dern eher dem schlech­ten Wetter hier­zu­lan­de. Der vie­le Re­gen die­sen Som­mer sorg­te da­für, dass die Zahl der Ho­tel­über­nach­tun­gen ab­nahm und den Kon­su­min­di­ka­tor «in die Tie­fe zog», wie die Ban­köko­no­men be­rich­ten. Die nun ge­mes­se­ne Bes­se­rung ist ei­ner Er­ho­lung in der Ho­tel­le­rie zu ver­dan­ken. An­de­re Fak­to­ren, wie der Ver­kauf von Neu­wa­gen und der Um­satz im De­tail­han­del, sta­gnie­ren im­mer noch oder ge­hen leicht zu­rück.

Leicht ge­stie­gen ist auch der wich­tigs­te Kon­junk­tur­in­di­ka­tor der Schweiz: Das KofBa­ro­me­ter hat sich im Ok­to­ber 0,5 Punk­te auf 99,8 ver­bes­sert. Die Zürcher Wis­sen­schaft­ler in­ter­pre­tie­ren den Aus­weis zu­rück­hal­tend: Die Schwei­zer Kon­junk­tur wer­de sich in den kom­men­den Mo­na­ten freund­lich, aber un­auf­fäl­lig be­we­gen.

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