Süs­ses oder Sau­res?

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STEPHANIE LINDECK,

DDie zö­ger­li­che Hal­tung der US-No­ten­bank ver­un­si­chert die Märkte.

ie US-No­ten­bank (Fed), die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) und die ja­pa­ni­sche Zen­tral­bank (BoJ) re­agie­ren un­ter­schied­lich auf die Hal­lo­ween-Fra­ge der Ka­pi­tal­märk­te: «Süs­ses oder Sau­res?» Ge­meint ist das Di­lem­ma, ent­we­der mehr Li­qui­di­tät zur Ver­fü­gung zu stel­len oder ei­ne Ab­nah­me des Ri­si­ko­ap­pe­tits und da­mit fal­len­de Kur­se in Kauf zu neh­men.

Das Fed hat am Mitt­woch über­ra­schend zö­ger­li­che Si­gna­le in Be­zug auf die Bei­be­hal­tung der Null­zins­po­li­tik ge­ge­ben und so zur Ve­r­un­si­che­rung an den Ak­ti­en­märk­ten und zu ei­ner wei­te­ren Auf­wer­tung des Dol­lars bei­ge­tra­gen. Kaum über­rascht hat die Be­en­di­gung des seit Sep­tem­ber 2012 lau­fen­den An­lei­hen­kauf­pro­gramms (QE3), son­dern viel­mehr der star­ke Fokus auf ei­ne ver­bes­ser­te Ar­beits­markt­si­tua­ti­on.

Hoff­nung in Eu­ro­pa

Ei­ne Bei­be­hal­tung der Null­zins­po­li­tik bis En­de 2015 scheint ge­recht­fer­tigt, wenn man den Rück­gang der im­pli­zi­ten In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen in den USA be­trach­tet. Die­se wer­den aus den Wert­ent­wick­lun­gen von her­kömm­li­chen und in­fla­ti­ons­ge­schütz­ten Staats­an­lei­hen er­mit­telt. Das Fed aber zö­gert. Un­ter­stüt­zung in sei­ner Ent­schei­dung er­fuhr es von ei­nem sehr ro­bus­ten Wirt­schafts­wachs­tum im drit­ten Quar­tal: +3,5% zum Vor­quar­tal. Das war deut­lich mehr als die er­war­te­ten 3%. Das Fed dürf­te sei­ne Hal­tung in den kom­men­den Sit­zun­gen noch­mals über­den­ken. Der stär­ke­re Dol­lar, der zu­letzt er­neut Schub er­hielt, trägt nicht un­we­sent­lich da­zu bei, dass die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen noch wei­ter zu­rück­ge­hen. Ei­ne ers­te Zins­er­hö­hung dürf­te es erst im letz­ten Quar­tal 2015 ge­ben.

Die Er­geb­nis­se des Ban­ken­stress­tests der hun­dert­dreis­sig sys­tem­re­le­van­ten Ban­ken in der Eu­ro­zo­ne las­sen Hoff­nung auf­kei­men, dass die Zu­rück­hal­tung bei der Kre­dit­ver­ga­be in der Eu­ro­zo­ne bald ab­neh­men dürf­te. Auch die ein­mal im Quar­tal er­ho­be­ne Um­fra­ge «Bank Len­ding Sur­vey» der EZB, die die Kre­dit­in­sti­tu­te nach der Ve­rän­de­rung der Kre­dit­be­din­gun­gen be­fragt, lässt ei­nen ge­wis­sen Op­ti­mis­mus auf­kom­men.

Das Kre­dit­wachs­tum im Sep­tem­ber lässt eben­falls den Schluss zu, dass der Rück­gang der Kre­ditak­ti­vi­tät in der Eu­ro­zo­ne ein En­de hat. Ei­nen wich­ti­gen Hin­weis auf mög­li­che Pro­ble­me für ein An­zie­hen der Kre­dit­ver­ga­be lie­fert die Um­fra­ge der EZB. Tat­säch­lich sind die Ri­si­ko­be­ur­tei­lung der Kre­dit­neh­mer und die ver­schlech­ter­ten Wachs­tums­aus­bli­cke für die ver­hal­te­ne Kre­dit­ver­ga­be in der Eu­ro- zo­ne ver­ant­wort­lich. Hilf­reich dürf­ten hier vor al­lem die Schwä­che des Eu­ro und die Leit­zins­sen­kung der EZB im Sep­tem­ber sein. Der im Ok­to­ber mit nur 0,4% ge­mes­se­ne In­fla­ti­ons­druck schafft Raum für wei­te­re mo­ne­tä­re Lo­cke­rungs­phan­ta­si­en.

Bank of Ja­pan legt nach

Im Ge­gen­satz zum zö­ger­li­chen Fed und zu den le­dig­lich hoff­nungs­vol­len Si­gna­len aus der Eu­ro­zo­ne hat die BoJ Ent­schlos­sen­heit de­mons­triert. Die Li­qui­di­täts­ver­sor­gung durch An­lei­hen­käu­fe wird 2015 noch­mals aus­ge­wei­tet, was da­zu die ja­pa­ni­sche Wäh­rung noch ein Stück wei­ter ab­wer­ten soll­te. Ob die zu­sätz­li­che Li­qui­di­tät in Ja­pan zu si­gni­fi­kan­ten Wachs­tums­im­pul­sen führt, bleibt frag­lich; al­ler­dings dürf­te die Ab­wer­tung des Yen bei der Be­en­di­gung der De­fla­ti­on in Ja­pan hel­fen. Dar­über hin­aus stützt ein schwä­che­rer Yen die Ge­winn­ent­wick­lung ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­men, was für ein En­ga­ge­ment am ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markt spricht.

Seit Mitt­woch ist QE3 Ge­schich­te und da­mit auch die Hoff­nung der Gold- und Sil­ber­märk­te, dass das «Geld­dru­cken» der No­ten­ban­ken un­wei­ger­lich zu ho­hen In­fla­ti­ons­ra­ten füh­ren wird. Ab­ge­se­hen von tie­fer In­fla­ti­on und der Aus­sicht auf hö­he­re US-Zin­sen war es auch das bes­ser als er­war­te­te US-Wachs­tum, das die Prei­se drück­te. Am Frei­tag fiel Gold zeit­wei­se un­ter 1170 $/Un­ze, Sil­ber sack­te bis auf 16 $/Un­ze ab. Ne­ben dem wirt­schaft­li­chen Um­feld in den USA sind auch hö­he­re Ver­käu­fe phy­sisch hin­ter­leg­ter Gold­und Sil­ber­pro­duk­te für die Schwä­che ver­ant­wort­lich. Das gröss­te Ri­si­ko ei­ner Preis­um­kehr geht von der Schwei­zer Gold­in­itia­ti­ve aus, wenn­gleich jüngs­te Um­fra­gen sin­ken­de Zu­stim­mung si­gna­li­sie­ren.

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