Gold er­füllt die Pflicht

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

DIn Fran­ken hat Gold die­ses Jahr an Wert ge­won­nen.

ie Wi­der­sprü­che in­ner­halb der zen­tra­len volks­wirt­schaft­li­chen Sta­tis­ti­ken er­schwe­ren es, ein ko­hä­ren­tes Bild der der­zei­ti­gen Ent­wick­lung der Welt­wirt­schaft zu er­hal­ten. Das ein­drück­li­che US-Wirt­schafts­wachs­tum im drit­ten Quar­tal 2014 von 3,5% auf an­nua­li­sier­ter Ba­sis fin­det we­nig Be­stä­ti­gung in an­de­ren sta­tis­ti­schen Rea­li­tä­ten. We­der stei­gen die Roh­stoff­prei­se – der brei­te CRB-In­dex hat seit Mit­te 2014 11% ver­lo­ren, Kup­fer 4%, Roh­öl gar 23% – noch wei­sen die Ak­ti­en­prei­se kon­junk­tur­sen­si­bler Un­ter­neh­men ei­ne Out­per­for­mance auf.

Zu­dem den­ken et­li­che Zen­tral­ban­ken und Re­gie­run­gen über zu­sätz­li­che Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men nach. Jüngs­tes Bei­spiel ist Ja­pan, wo sich nicht nur die gröss­te staat­li­che Pen­si­ons­kas­se ver­an­lasst sah, die Ziel­ak­ti­en­quo­te von 12 auf 25% zu er­hö­hen, son­dern auch die Zen­tral­bank ver­sprach, zwecks Er­hö­hung der Geld­men­ge noch mehr ko­tier­te Ak­ti­en­fonds (ETF), Im­mo­bi­li­en­trusts und lang­lau­fen­den Ob­li­ga­tio­nen zu kau­fen. Wenn die dritt­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt zu solch un­üb­li­chen Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men greift, kann es um Ja­pan und um die Welt­wirt­schaft nicht so gut ste­hen wie es die US-Da­ten sug­ge­rie- ren. Das US-Wachs­tum ist sehr iso­liert. Da­mit ent­ste­hen zwei ein­fa­che Sze­na­ri­en für nächs­tes Jahr: Ent­we­der kommt die Welt­wirt­schaft, an­ge­führt von den USA, in Schwung, oder sie bremst auch die US-Wirt­schaft.

Soll­te sich die glo­ba­le Volks­wirt­schaft wirk­lich er­ho­len, so stellt sich die Fra­ge, ob und wie die enor­men Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men rück­gän­gig ge­macht wer­den kön­nen. Ver­kau­fen dann ein­zel­ne Zen­tral­ban­ken ih­re Wert­schrif­ten­po­si­tio­nen und er­hö­hen sie die Zin­sen? Kann et­wa die US-No­ten­bank den un­wei­ger­lich auf­tre­ten­den Kol­la­te­ral­scha­den sol­cher Mass­nah­men po­li­tisch er­tra­gen? His­to­risch be­trach­tet führ­te ein zu spä­tes Rück­füh­ren der Sti­mu­lus­po­li­tik im­mer zu er­heb­li­chen Tur­bu­len­zen in der Re­al- und der Fi­nanz­wirt­schaft.

Soll­te sich die Wirt­schaft glo­bal nicht er­ho­len, blie­be wohl nur die Al­ter­na­ti­ve ei­ner wei­te­ren Run­de von staat­li­cher Schul­den­po­li­tik, be­glei­tet von noch ex­pan­si­ve­rer Geld­po­li­tik und da­mit ein­her­ge­hend ei­ner zu­sätz­li­chen Er­hö­hung der Bi­lan­zen der Zen­tral­ban­ken.

Wel­che Rol­le kommt in ei­ner sol­chen Ent­wick­lung Gold zu? Die fort­lau­fen­de Kon­so­li­die­rung des Gold­prei­ses – der Wert sank in der Be­richts­wo­che um 5% – scheint zu zei­gen, dass Gold kein Schutz vor ei­nem ord­nungs­po­li­ti­schen Sün­den­fall ist, wie das Bei­spiel Ja­pan der­zeit zeigt.

Doch die­se Be­trach­tung greift zu kurz. Zwar sank Gold seit Mit­te 2014 in Dol­lar rund 10%. Ge­mes­sen in Yen, Fran­ken oder Eu­ro je­doch ver­lor Gold be­schei­de­ne 2% und er­füllt wei­ter­hin sei­ne Rol­le des Wert­er­halts. Die­se Be­ob­ach­tung be­schreibt das Ver­hal­ten des Gold­prei­ses über die kur­ze Frist, nicht je­doch die Aus­wir­kung der An­la­ge über ei­nen lan­gen Zeit­ho­ri­zont. Seit den Ak­ti­en­höchst­kur­sen im Jah­re 2000 weist Gold nicht nur ei­ne Preis­stei­ge­rung von 6% pro Jahr auf, viel­mehr dien­te es auch als Di­ver­si­fi­ka­tor. Die Kor­re­la­ti­on zu Ak­ti­en ist fast null. Gold weist ei­nen von Ak­ti­en un­ab­hän­gi­gen Kurs­ver­lauf auf. Es führt we­gen sich än­dern­der An­ge­bots- und Nach­fra­gesi­tua­tio­nen ein Ei­gen­le­ben. Da­mit ist Gold der­zeit als An­la­ge auf Din­ner-Par­tys nicht das The­ma ers­ter Wahl, son­dern agiert in al­ler Stil­le als Ri­si­ko­ver­min­de­rer. So­bald der vor­der­grün­di­ge Ak­ti­vis­mus der Kon­junk­tur­po­li­ti­ker auf­ge­lau­fen sein wird, dürf­te die wert­si­chern­de Funk­ti­on von Gold wie­der im Zen­trum ste­hen.

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