Pusch­kin

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

«Ein Denk­mal schuf ich mir, und noch in ferns­ten Ta­gen wird pil­gern zu ihm hin das Volk in gros­ser Zahl.» Als Russ­lands gröss­ter Po­et, Alex­an­der Pusch­kin (1799– 1837), die­se Ver­se schmie­de­te, wird er kaum von ei­ner Sta­tue sei­ner selbst in As­ma­ra ge­träumt ha­ben. Oder doch?

Sein Ur­gross­va­ter müt­ter­li­cher­seits stamm­te näm­lich aus Ost­afri­ka. Auch Äthio­pi­en re­kla­miert Pusch­kin für sich – das Bru­der­land, von dem sich Eri­trea 1993 nach ei­nem blu­ti­gen Krieg lös­te. Doch die Un­ab­hän­gig­keit brach­te den Eri­tre­ern we­der Frei­heit noch Brot. Seit­her ka­ser­niert Dau­er­de­s­pot Isa­yas Afe­wer­ki gros­se Tei­le des Vol­kes von et­wa 6,5 Mio. Men­schen: Auf die Schu­le folgt fak­tisch die Skla­ve­rei. Die Eri­tre­er, die in gros­ser Zahl nach Eu­ro­pa «pil­gern», sind na­tur- ge­mäss auch Wirt­schafts­flücht­lin­ge – doch zu­gleich Aus­bre­cher aus der Un­frei­heit. Es ist nicht oh­ne Iro­nie, dass das rui­nier­te, je­den In­ves­tor ab­schre­cken­de Land in ho­hem Mass von Über­wei­sun­gen der Dia­spo­ra lebt, die et­wa 1 Mio. Eri­tre­er zählt. Mit öko­po­pu­lis­ti­schen Vo­ten in fer­nen Wohl­stands­in­seln lässt sich sol­cher Mi­gra­ti­ons­druck nicht ver­rin­gern. Pusch­kins «Ode an die Frei­heit» nennt hier­für das rich­ti­ge Re­zept: «Er­zit­tert, ihr der Welt Ty­ran­nen!»

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