Auch Cla­ri­ant ist im Vi­sier

Finanz und Wirtschaft - - UNT - CB

In der che­mi­schen In­dus­trie ist in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten mehr und mehr Über­nah­me­fan­ta­sie auf­ge­kom­men. Und es ist nicht nur bei Fan­ta­sie ge­blie­ben. Das für 2014 er­war­te­te Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men wird ge­mäss der Re­vi­si­ons- und Be­ra­tungs­ge­sell­schaft PwC das höchs­te seit min­des­tens 2010 sein. Ei­ner der gröss­ten De­als war die Über­nah­me von Rock­wood durch Al­ber­mar­le in den USA (6,3 Mrd. $).

Auch Cla­ri­ant ist in jün­ge­rer Zeit Ge­gen­stand von Über­nah­me­ge­rüch­ten ge­wor­den; ver­schie­de­ne Ban­ken und In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten se­hen den Spe­zi­al­che- mie­kon­zern als ei­nes der be­vor­zug­ten Über­nah­me­zie­le in der Bran­che. An­ge­sichts der At­trak­ti­vi­tät von Cla­ri­ant über­rascht das nicht. Als mög­li­cher Bie­ter wird in dem Zu­sam­men­hang häu­fig der deut­sche Bran­chen­nach­bar Evo­nik ge­nannt.

Evo­nik er­scheint in fast al­len Spe­ku­la­tio­nen als po­ten­zi­el­ler Käu­fer, seit das Ma­nage­ment am In­ves­to­ren­tag vom 2. Ok­to­ber be­kannt­ge­ge­ben hat­te, sein Au­gen­merk von or­ga­ni­schem auf ex­ter­nes Wachs­tum aus­zu­wei­ten. Die Ak­ti­vi­tä­ten von Cla­ri­ant und Evo­nik pas­sen tat­säch­lich auch recht gut zu­ein­an­der.

Die Sa­che hat al­ler­dings ei­nen Ha­ken: An Cla­ri­ant gibt es – an­ders als et­wa an DSM – we­nig zu ver­bes­sern. Die ein­ge­schla­ge­ne Rich­tung stimmt, die Er­trags­kraft ist schon spür­bar ge­stie­gen. Ei­nem Käu­fer dürf­te es un­ter die­sen Um­stän­den nicht leicht fal­len, nach dem Be­zah­len ei­ner Über­nah­me­prä­mie noch ei­ne or­dent­li­che Ren­di­te zu er­zie­len. An­de­rer­seits gilt: Sag nie­mals nie. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Cla­ri­ant im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/CLN DSM-CEO Fei­ke Si­j­bes­ma, der die Bio­etha­nol­an­la­ge in den USA ge­mein­sam mit Kö­nig Wil­lem-Alex­an­der der Nie­der­lan­de er­öff­net hat­te, sprach im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» vom Be­ginn ei­ner neu­en Ener­gie-Ära. «Wir sind über­zeugt, dass die­se neue Bio­etha­nolfa­brik ein Mei­len­stein ist. Sie mar­kiert den An­fang vom En­de des Zeit­al­ters der fos­si­len Brenn­stof­fe, den Be­ginn ei­ner Bio­tech-Öko­no­mie.»

DSM hat schon vie­le Wen­dun­gen und Neu­aus­rich­tun­gen hin­ter sich. 1902 als De Staats Mi­j­nen – Staats­mi­nen – ge­grün­det, wur­de die Ge­sell­schaft 1989 pri­va­ti­siert und wan­del­te sich von ei­nem Berg­bau- in ein Che­mie­un­ter­neh­men. 1998 stieg sie dann mit der Ak­qui­si­ti­on der Bio­tech­no­lo­gie­ge­sell­schaft Gist Bro­ca­des in die­ses Ge­schäfts­feld ein. 2002 trenn­te man sich von der Pe­tro­che­mie. Ein Jahr spä­ter folg­te die Über­nah­me des Vit­amin- und Fein­che­mie­ge­schäfts von Ro­che, 2010 wur­de die Kunst­dün­ger­spar­te ab­ge­stos­sen.

Nach­dem die Ak­ti­en bis Di­ens­tag­mit­tag 2,7% vor­ge­rückt sind, er­gibt sich auf Ba­sis der von Bloomberg er­mit­tel­ten Durch­schnitts­schät­zung für den Ge­winn je Ti­tel für 2014 und 2015 ein Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis von 18 und 15. Das ist an­ge­sichts des mäs­si­gen Leis­tungs­aus­wei­ses statt­lich. Für über­nächs­tes Jahr wird ei­ne wei­te­re Ge­winn­stei­ge­rung er­war­tet, doch sinkt auch das KGV für 2016 nicht un­ter 13. So bie­ten sich die Ak­ti­en pri­mär für An­le­ger an, die auf ei­ne Über­nah­me spe­ku­lie­ren.

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