Ge­schäft mit sel­te­nen Er­kran­kun­gen boomt

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT - DF

Der ge­mes­sen am Um­satz welt­gröss­te Phar­ma­kon­zern No­var­tis muss sei­nen Spit­zen­platz wo­mög­lich räu­men. Ge­meint ist in­des nicht das ge­sam­te Phar­ma­ge­schäft, in dem No­var­tis dank ei­nes brei­ten Porte­feuilles von viel­ver­spre­chen­den Pro­dukt­neu­hei­ten wei­ter­hin Aus­sicht auf die Markt­füh­rer­schaft hat. Die Top­po­si­ti­on dürf­te den Bas­lern im be­son­ders mar­gen­träch­ti­gen Ge­schäft mit Me­di­ka­men­ten ge­gen sel­te­ne Er­kran­kun­gen, so­ge­nann­ten Or­phan Drugs, strei­tig ge­macht wer­den.

Or­phan Drugs wer­den de­fi­ni­ti­ons­ge­mäss zur Be­hand­lung von Lei­den ein­ge­setzt, die in den USA un­ter 200 000 und in der EU we­ni­ger als 250 000 Pa­ti­en­ten be­tref­fen. We­gen der ver­gleichs­wei­se klei­nen Pa­ti­en­ten­po­pu­la­tio­nen, die obend­rein oft Kin­der um­fas­sen, ma­chen Kran­ken­ver­si­che­rer we­ni­ger Auf­he­ben um die Hö­he der Be­hand­lungs­kos­ten. Der Auf­wand pro Pa­ti­en­ten be­trägt ge­mäss Eva­lua­tePhar­ma im Durch­schnitt das Sechs­fa­che des­sen, was für Me­di­ka­men­te ge­gen gän­gi­ge Krank­hei­ten ver­langt wird. Die An­bie­ter pro­fi­tie­ren zu­dem von mehr­jäh­ri­gen Pe­ri­oden der Marktex­klu­si­vi­tät so­wie gross­zü­gi­gen Steu­er­gut­schrif­ten für For­schung und Ent­wick­lung.

Die Markt­for­scher von Eva­lua­tePhar­ma kom­men in ei­ner Stu­die zum Schluss, dass 2020 das ame­ri­ka­ni­sche Phar­ma­un­ter­neh­men Bris­tol-My­ers Squibb (BMS) No­var­tis als welt­gröss­ten An­bie­ter von Or­phan Drugs über­run­den wird. Im ver­gan­ge­nen Jahr stamm­ten 11,3 Mrd. $ oder knapp 20% des No­var­tisKon­zern­um­sat­zes von 57,9 Mrd. $ aus dem Ver­kauf von Or­phan Drugs. Schät­zun­gen von Eva­lua­tePhar­ma zu­fol­ge dürf­ten sich die Ein­nah­men von No­var­tis in die­sem Be­reich bis 2020 um durch­schnitt­lich 1% pro Jahr auf 10,5 Mrd. $ zu­rück­bil­den (vgl. Gra­fik 1).

BMS kann da­ge­gen mit ei­nem Um­satz­sprung von 2,3 Mrd. auf 11,1 Mrd. $ rech­nen, was pro Jahr ei­nem Wachs­tum von 26% ent­spre­chen wür­de. Die Ame­ri­ka­ner ha­ben Aus­sicht, mit dem noch nicht zu­ge­las­se­nen Im­mu­n­oon­ko­lo­gie­pro­dukt Op­di­vo (Ni­vo­lu­m­ab) und zwei wei­te­ren Krebs­me­di­ka­men­ten gleich drei der künf­tig zwan­zig um­satz­stärks­ten Or­phan Drugs im An­ge­bot zu ha­ben. No­var­tis ist auf der Rang­lis­te nur ein­mal, mit Ta­si­gna (eben­falls ge­gen Krebs), auf­ge­führt. Ro­che bringt es auf zwei Er­wäh­nun­gen (Ri­tu­x­an und Ga­zy­va, bei­des On­ko­lo­gie­pro­duk­te). Noch nicht un­ter den Top zwan­zig be­rück­sich­tigt ist das Me­di­ka­ment Es­briet ge­gen die sel­te­ne Er­kran­kung Lun­gen­fi­bro­se, das Ro­che En­de Au­gust im Zu­ge der Über­nah­me von In­ter­Mu­ne er­wor­ben hat und dem Ana­lys­ten eben­falls ei­nen jähr­li­chen Spit­zen­um­satz in Mil­li­ar­denhö­he zu­trau­en.

Bran­chen­weit ge­hen die Ex­per­ten von Eva­lua­tePhar­ma für das Or­phan-Dru­gGe­schäft von ei­nem jähr­li­chen Durch­schnitts­wachs­tum von 10,5% bis 2020 aus (vgl. Gra­fik 2). Da­mit wür­de es mehr als dop­pelt so schnell ex­pan­die­ren wie der schät­zungs­wei­se rund 4% pro Jahr wach­sen­de ge­sam­te Phar­ma­markt. Hin­ter die­ser op­ti­mis­ti­schen Pro­gno­se steht die An­nah­me, dass sich die An­bie­ter von Or­phan Drugs wei­ter­hin dem sonst stei­gen­den Preis­druck im Me­di­ka­men­ten­ge­schäft ent­zie­hen kön­nen. Für Zu­ver­sicht sorgt zu­dem die gross­zü­gi­ge Pra­xis in der Ver­ga­be des Or­phan-Drug-Sta­tus in den USA. Letz­tes Jahr gab es ei­nen po­si­ti­ven Ent­scheid in 260 Fäl­len – ein Re­kord.

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