Wie­der­auf­bau

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DM,

Mehr­mals hat der Darm­städ­ter Soft­ware­an­bie­ter Soft­ware AG ( Tec-Dax, SOW, Kurs 21.09 €, 1,7 Mrd. € Bör­sen­wert) den Ka­pi­tal­markt ir­ri­tiert. Seit An­fang 2013 lös­te die Grup­pe star­ke Kurs­ein­brü­che aus, als sie je­weils über­ra­schend mit nicht im­mer über­zeu­gen­der Be­grün­dung die Pro­gno­se re­du­zier­te. Seit dem Kurs­ein­bruch im Ju­li (–19%) ging es wei­ter nach Sü­den, was nicht nur das schwie­ri­ge­re Ge­schäfts­um­feld, son­dern auch Zwei­fel am Un­ter­neh­men spie­gelt.

Ge­lingt der Wan­del?

Doch der Tag be­ginnt be­kannt­lich dann, wenn die Nacht am dun­kels­ten ist. Op­ti­mis­ten sa­hen sich ver­gan­ge­ne Wo­che be­stä­tigt: Die Quar­tals­zah­len fie­len bes­ser aus als er­war­tet, der Ak­ti­en­kurs schoss über 7% nach oben. Dies lag vor al­lem am ro­bus­ten Da­ten­bank­ge­schäft. Der Schön­heits­feh­ler ist, dass die­ser Be­reich im Grun­de ge­nom­men schrumpft. Das 1969 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men ist wie die Bran­che im Wan­del. Der al­te Kern, das Da­ten­bank­ge­schäft En­ter­pri­se Tran­sac­tion Sys­tems (ETS) um Ada­bas/ Na­tu­ral hat das En­de des Le­bens­zy­klus er­reicht. Es er­wirt­schaf­tet zwar ho­he Cash­flows, schrumpft aber.

Des­halb will das Ma­nage­ment un­ter Karl-Heinz Strei­bich seit ei­ni­gen Jah­ren neue Wachs­tums­fel­der er­schlies­sen. Aus ei­ner Rei­he Zu­käu­fe wur­de die Spar­te Soft­ware für Pro­zess­op­ti­mie­rung (Bu­si­ness Pro­cess Ex­cel­lence, BPE) aus­ge­baut. Bis 2018 soll sie gut 1 Mrd. € Um­satz er­zie­len. Noch ist aber of­fen, ob es ge­lingt. Die er­hoff­ten Wachs­tums­ra­ten stell­ten sich bis­her nicht ein. Auch hö­he­re Mar­ke­ting- und Ver­triebs­ef­forts schlu­gen sich noch nicht über­zeu­gend nie­der. Zu­dem be­wies die Grup­pe nicht im­mer gu­tes Ge­spür: Mit IDS Scheer kam 2009 ein pro­blem­be­la­de­nes Be­ra­tungs­ge­schäft ins Haus, das im April wie­der ab­ge­stos­sen wur­de und ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag kos­te­te.

Nied­ri­ge Be­wer­tung reizt

Die­se Un­wäg­bar­kei­ten und Rück­schlä­ge er­klä­ren die be­schei­de­ne Be­wer­tung der Ti­tel (KGV 2015: 11). Trotz Er­ho­lung weckt das Kurs­ni­veau Fan­ta­sie. Ei­ner­seits, weil der Bör­sen­wert un­ter dem fünf­fa­chen War­tungs­um­satz (2013: 369 Mio. €) liegt. Un­ter Ana­lys­ten gilt dies der Faust­re­gel nach als Be­wer­tungs­un­ter­gren­ze für Soft­ware­häu­ser. An­der­seits weckt der Kauf von Wett­be­wer­ber Tib­co (USA) durch Vis­ta Equi­ty Part­ners Fan­ta­sie: Ge­mäss Bar­clays zahlt Vis­ta das zwan­zig­fa­che ope­ra­ti­ve Er­geb­nis (Ebit­da) 2015. Soft­ware AG wird et­wa mit dem neun­fa­chen Ebit­da 2015 be­wer­tet.

Die Über­nah­me­fan­ta­sie wird durch die Kon­troll­mehr­heit der Soft­ware AG Stif­tung ge­min­dert. Das Un­ter­neh­men muss es wohl aus ei­ge­ner Kraft schaf­fen. Ge­lingt das, dürf­ten deut­lich hö­he­re Kur­se win­ken. Ge­dul­di­ge, ri­si­ko­fä­hi­ge In­ves­to­ren set­zen dar­auf.

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