Sau­di-Ara­bi­en senkt Öl­preis

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Der Preis­ver­fall am Öl­markt setzt sich fort. Ein Fass der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te hat am Di­ens­tag zeit­wei­se un­ter 76 $ ge­kos­tet – so we­nig wie seit Ok­to­ber 2011 nicht mehr. Auch Brent ist un­ter Druck und kos­tet 83 $ je Fass – seit dem Jah­res­hoch von Mit­te Ju­ni hat der Brent-Preis fast 18%ver­lo­ren.

Für den letz­ten Preis­rut­scher sorg­te ei­ne An­kün­di­gung Sau­di-Ara­bi­ens: Man wer­de die Öl­prei­se für die USA sen­ken, für Eu­ro­pa und Asi­en da­ge­gen er­hö­hen, er­klär­te die staat­li­che Öl­ge­sell­schaft Sau­diAram­co am Mon­tag.

Laut Ana­lys­ten der Com­merz­bank kon­zen­triert sich Sau­di-Ara­bi­en dar­auf, Markt­an­tei­le am US-Markt zu ver­tei­di­gen. Im Au­gust, der letz­te ver­füg­ba­re Da­ten­punkt, wur­den 894 000 Fass Roh­öl pro Tag aus Sau­di-Ara­bi­en in die USA ex­por­tiert – nur 4,6% des Öl­ver­brauchs. Im Au­gust ver­gan­ge­nen Jah­res la­gen die Im­por­te noch fast 50% hö­her.

Af­front ge­gen Ve­ne­zue­la

Laut Com­merz­bank ist die Ex­pan­si­ons­stra­te­gie pro­ble­ma­tisch für die Öl­lie­fe­ran­ten Ka­na­da, Me­xi­ko und Ve­ne­zue­la so­wie die US-Schie­fe­röl­för­de­rer. «Ins­be­son­de­re Ve­ne­zue­la könn­te dies als Af­front auf­fas­sen; es be­lie­fert haupt­säch­lich den US-Markt und hat als ei­nes von we­ni­gen Opec-Mit­glie­dern Mass­nah­men zur Un­ter­stüt­zung des Öl­prei­ses ge­for­dert», er­klä­ren die Ana­lys­ten in ei­nem Markt­be­richt.

Die an­de­ren Opec-Mit­glie­der hat­ten sich ge­wei­gert, ih­re För­der­quo­ten zu sen­ken, um den Öl­preis zu sta­bi­li­sie­ren. Das Öl­kar­tell hat sich das Ziel ge­setzt, 30 Mio. Fass pro Tag zu pro­du­zie­ren. Ob­wohl im Ok­to­ber ge­mäss Reuters die Opec-För­de­rung um 120 000 Fass ge­sun­ken ist, wird die­ses Ziel im­mer noch über­trof­fen. Laut ei­ner Schät­zung der In­ter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur (IEA) sinkt der welt­wei­te Be­darf nach Opec-Öl ste­tig und wird 2015 nur noch 29,3 Mio. Fass pro Tag be­tra­gen.

Die Opec – de­ren zwölf Mit­glied­län­der 40% des Erd­öls welt­weit för­dern – wird sich am 27. No­vem­ber tref­fen, doch auch dann wird ei­ne Kür­zung der För­de­rung kaum ent­schie­den.

Schie­fe­r­öl ist in Ge­fahr

Für die Schie­fe­röl­för­de­rer in den USA wird der nied­ri­ge­re Öl­preis we­gen ih­rer ho­hen För­der­kos­ten be­son­ders ge­fähr­lich. Zwar er­klär­te die US-Ener­gie­in­for­ma­ti­ons­be­hör­de EIA, dass die meis­ten För­de­rer bis zu ei­nem Preis von 60 $ je Fass pro­fi­ta­bel ar­bei­ten könn­ten. Doch ver­gan­ge­ne Wo­che sag­te der OpecGe­ne­ral­se­kre­tär Ab­dal­la Sa­lem El-Ba­dri, dass sich die Schie­fer­för­de­rung hal­bie­ren kön­ne, wenn der Öl­preis noch län­ger un­ter 85 $ no­tie­re.

Die letz­ten Kon­junk­tur­zah­len aus Chi­na wer­den dem Öl­preis nicht ge­hol­fen ha­ben. Die Kon­junk­tur der Volks­re­pu­blik steht laut dem neu­en Ein­kaufs­ma­na­ger­index schlech­ter da als er­war­tet (vgl. Sei­te 21). Chi­na ist der welt­gröss­te Net­toim­por­teur von Roh­öl.

Po­si­ti­ve Aus­sich­ten für den Öl­preis bie­tet da­ge­gen der ein­bre­chen­de Win­ter in den USA. Da­durch könn­te die Nach­fra­ge stei­gen, was die US-Prei­se an­zie­hen las­sen wür­de – die Sau­dis ha­ben sich mit ih­rer Preis­sen­kung mög­li­cher­wei­se ei­nen gu­ten Start­platz für die­ses op­ti­mis­ti­sche Sze­na­rio ge­si­chert.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.