Dol­lar mit Rü­cken­wind

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Der Dol­lar setzt nach der Kor­rek­tur Mit­te Ok­to­ber den Auf­wärts­trend wei­ter fort. Nach wie vor pro­fi­tiert er von der Aus­sicht auf ei­ne bal­di­ge ers­te Zins­straf­fung in den USA so­wie der im­mer stär­ker spür­ba­ren Di­ver­genz der US- und der eu­ro­päi­schen Wirt­schaft. Ei­nen Be­leg lie­fer­te die Um­fra­ge des Bran­chen­ver­bands ISM (In­sti­tu­te for Supp­ly Ma­nage­ment). Den ak­tu­el­len Er­geb­nis­sen zu­fol­ge ist der US-Ein­kaufs­ma­na­ger­index für das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be von 56,6 im Sep­tem­ber auf 59 im Ok­to­ber ge­klet­tert – das höchs­te Ni­veau seit März 2011.

Da­mit si­gna­li­siert das viel­be­ach­te­te Barometer ei­nen an­hal­tend so­li­den Wachs­tums­trend des US-In­dus­trie­sek­tors und auf­grund der ho­hen Kor­re­la­ti­on auch ein kräf­ti­ges Wachs­tum der Ge­samt­wirt­schaft. Setzt sich die Er­ho­lung auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks wie er­war­tet fort, wird sich die US-No­ten­bank (Fed) vor­nehm­lich mit der Fra­ge be­schäf­ti­gen, wann der rich­ti­ge Zeit­punkt für ei­ne ers­te Zins­er­hö­hung re­spek­ti­ve ei­ne Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik ge­ge­ben ist. Vor die­sem Hin­ter­grund er­reich­te der Dol­lar zum Eu­ro zu Wo­chen­be­ginn den höchs­ten Stand seit mehr als zwei Jah­ren und ge­gen­über dem ja­pa­ni­schen Yen so­gar ein Sie­ben­jah­res­hoch.

Mo­ne­tä­rer und kon­junk­tu­rel­ler Aus­blick spricht für die US-Wäh­rung.

EZB-Sit­zung im Fokus

Die Schwä­che der ja­pa­ni­schen Wäh­rung und die ver­gan­ge­nen Frei­tag über­ra­schend an­ge­kün­dig­te Aus­wei­tung der oh­ne­hin schon stark ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik der Bank of Ja­pan (BoJ) trie­ben den Nik­kei 225 erst­mals seit 2007 über 17 000 Punk­te. An der Wall­s­treet und auch in Eu­ro­pa zeig­ten sich die An­le­ger zu Be­ginn die­ser Wo­che aber wie­der zu­rück­hal­ten­der. Es über­wo­gen Kon­junk­tur­sor­gen. In Chi­na hat­ten neus­te Ein­kaufs­ma­na­gerum­fra­ge­wer­te auf das schwächs­te Wachs­tum im Di­enst­leis­tungs­sek­tor seit neun Mo­na­ten hin­ge­deu­tet, und in der Eu­ro­zo­ne be­wegt sich die In­dus­trie auf ei­nem recht schma­len Wachs­tums­pfad. Am spä­ten Di­ens­tag­nach­mit­tag no­tier­te der Eu­roS­to­xx50 –1,2% und der deut­sche Leit­in­dex Dax –0,7%.

Un­ter­des­sen se­hen sich die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) und die BoJ ge­zwun­gen, ih­re ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik noch­mals aus­zu­wei­ten, um ei­nen Rück­fall in die Re­zes­si­on zu ver­hin­dern. So pump­te En­de ver­gan­ge­ner Wo­che die BoJ noch­mals viel Geld in die Wirt­schaft, die we­gen der jüngs­ten Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung ins Strau­cheln zu ge­ra­ten droht. Über wei­te­re Lo­cke­rungs­mass­nah­men dürf­te auch die EZB nach­den­ken, wenn sie mor­gen ih­ren Zins­ent­scheid be­kannt­gibt.

An­ge­sichts der la­ten­ten Re­zes­si­ons- und De­fla­ti­ons­ge­fahr wird sich EZB-Chef Ma­rio Draghi wohl auch den Kauf von Staats­an­lei­hen vor­be­hal­ten. Ei­ne dies­be­züg­li­che Ent­schei­dung dürf­te je­doch noch nicht fal­len. Die EZB wird wohl erst ab­war­ten, ob die bis­he­ri­gen Mass­nah­men wie die zweck­ge­bun­de­nen No­ten­bank­kre­di­te oder der An­kauf von Kre­dit­ver­brie­fun­gen (As­set Ba­cked Se­cu­ri­ties, ABS) grei­fen.

Wachs­tums­flau­te

Wie die An­fang Wo­che pu­bli­zier­ten fi­na­len Ein­kaufs­ma­na­gerum­fra­gen zei­gen, kann die In­dus­trie im Eu­ro­raum die Wachs­tums­flau­te der­zeit nicht nach­hal­tig über­win­den. Der Eu­ro-Ein­kaufs­ma­na­ger­index blieb ge­mäss Mar­kit mit 50,6 nur knapp ober­halb der Wachs­tums­gren­ze von 50. Die Kluft zwi­schen den ein­zel­nen Län­dern gibt wei­ter­hin An­lass zur Sor­ge, und der zum Teil kräf­ti­ge Zu­wachs in Ir­land, den Nie­der­lan­den und Spa­ni­en steht im Kon­trast zum Rück­gang in Frank­reich, Ita­li­en oder Grie­chen­land, kom­men­tier­te der Lon­do­ner Da­ten­dienst­leis­ter.

Hier­zu passt auch die Kor­rek­tur der Wachs­tums­pro­gno­sen der EUKom­mis­si­on. Die Brüs­se­ler Exe­ku­ti­ve geht nun von ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum von 0,8% im lau­fen­den Jahr und 1,1% für 2015 aus. Bis­her lau­te­te die Pro­gno­se auf 1,2 re­spek­ti­ve 1,7%.

Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te der Dol­lar auch wei­ter­hin der Ge­win­ner blei­ben und sei­nen Trend fort­set­zen. Ei­ne even­tu­el­le Macht­ver­schie­bung bei den Zwi­schen­wah­len in den USA dürf­te zu­min­dest kurz­fris­tig nur we­nig Ein­fluss ha­ben.

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