EZB im Wür­ge­griff glo­ba­ler Geld­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MARK RALL,

«Was die Welt­wirt­schaft an­geht, so ist sie ver­floch­ten», wuss­te schon Kurt Tuchol­s­ky 1931. Schmerz­haft spürt dies der Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Ma­rio Draghi. Bei den Auk­tio­nen ita­lie­ni­scher und spa­ni­scher Staats­an­lei­hen könn­te man mei­nen, die EZB ha­be bei der Be­kämp­fung der Eu­ro­kri­se al­les rich­tig ge­macht. Bei den Emis­sio­nen der ver­gan­ge­nen drei Mo­na­te lag die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen ita­lie­ni­schen BTP sta­bil um 2,45%, am 30. Ok­to­ber bei 2,44%. Die Emis­si­ons­ren­di­te der spa­ni­schen An­lei­hen lag Mit­te Ok­to­ber mit 2,16% noch dar­un­ter. Noch nie seit Ein­füh­rung des Eu­ros konn­ten sich die bei­den Län­der der Eu­ro­pe­ri­phe­rie so güns­tig am Ka­pi­tal­markt be­die­nen. Den­noch herrscht Un­ru­he. Denn Draghi kämpft nicht ge­gen ein eu­ro­päi­sches, son­dern ge­gen ein glo­ba­les Schreck­ge­spenst: De­fla­ti­on. Ob­wohl die EZB be­reits im Ju­ni an­kün­dig­te, mit ei­nem neu­en Pro­gramm ( TLTRO) die Kre­dit­ver­ga­be an­zu­kur­beln und im Sep­tem­ber mit ei­ner Zins­sen­kung nach­leg­te, ge­lingt es nicht, die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen in Rich­tung des lang­fris­ti­gen 2%-Ziels zu be­we­gen. Die Break- even-Ra­te für fünf­jäh­ri­ge deut­sche in­fla­ti­ons­ge­schütz­te An­lei­hen liegt mit 0,47% nur un­we­sent­lich über den Tiefs vom Au­gust und Ok­to­ber. Nun wer­den fast im Wo­chen­takt neue geld­po­li­ti­sche Mass­nah­men dis­ku­tiert: Aus­wei­tung des TLTRO auf Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, Ak­ti­vie­rung der Staats­an­lei­hen­käu­fe etc. Da­bei hat das Kauf­pro­gramm für Pfand­brie­fe gera­de erst be­gon­nen, und das Vo­lu­men von 4,8 Mrd. € in den erst acht Ta­gen zeigt, dass es die EZB mit der Aus­wei­tung ih­rer Bi­lanz­sum­me ernst meint. Es war ein Feh­ler, dass die EZB seit Mit­te 2012 ei­ne Schrump­fung ih­rer Bi­lanz zu­liess, wäh­rend die Bank von Ja­pan (BoJ) und die US-No­ten­bank (Fed) wei­ter stark auf Ex­pan­si­on setz­ten. Der Eu­ro wer­te­te von Ju­li 2012 bis April 2014 re­al um 11% auf. BoJ und Fed ha­ben er­folg­reich ih­ren De­fla­ti­ons- bzw. Dis­in­fla­ti­ons­druck ex­por­tiert. Die über­ra­schen­de Aus­wei­tung der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik in Ja­pan be­weist, dass die BoJ ei­nen Re­im­port ver­hin­dern will. Auch das Fed wird den rück­läu­fi­gen In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen in den USA nicht lan­ge zu­se­hen. So wird der De­fla­ti­ons­druck glo­bal her­um­ge­reicht wie der Schwar­ze Pe­ter.

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