Smar­te, aber teu­re Knech­te

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Es ist ein Wun­der der Tech­nik: Er­nähr­te ein Bau­er in den USA 1940 knapp 20 Men­schen, so sind es heu­te über 150. Mass­geb­lich da­zu bei­ge­tra­gen hat die Mecha­ni­sie­rung der Land­wirt­schaft. Selbst­steu­ern­de Trak­to­ren, Ern­te­ro­bo­ter und raf­fi­nier­te Soft­ware zur Wet­ter­ana­ly­se wer­den Far­mern künf­tig hel­fen, die Pro­duk­ti­vi­tät wei­ter zu stei­gern und Kli­ma­ka­prio­len zu meis­tern.

Was Goog­le mit fah­rer­lo­sen Au­tos im Si­li­con Val­ley ver­sucht, ist auf dem Acker schon fast Rea­li­tät. Spe­zi­ell auf den un­end­li­chen Ge­trei­de­fel­dern Ame­ri­kas brin­gen com­pu­ter­ge­steu­er­te Nutz­fahr­zeu­ge gros­se Vor­tei­le mit sich. Ge­lenkt durch ein GPS-Sys­tem las­sen sich Trak­to­ren heu­te zen­ti­me­ter­ge­nau ma­nö­vrie­ren, wo­mit die An­bau­flä­che op­ti­mal ge­nutzt wer­den kann. Zu­dem ist es so mög­lich, Dün­ge- und Sprüh­mit­tel prä­zis ein­zu­set­zen, was Kos­ten spart. Hin­zu kommt, dass der Fah­rer we­ni­ger rasch er­mü­det und auch bei stark ein­ge­schränk­ter Sicht ar­bei­ten kann.

Zu­kunft steht in der Ga­ra­ge

Die Tech­nik ist so­gar so weit fort­ge­schrit­ten, dass es bald kei­nen Men­schen hin­ter dem Steu­er mehr braucht. Füh­ren­de Her­stel­ler von Land­ma­schi­nen wie John Dee­re, AG­CO und Ca­se IH ha­ben be­reits die ers­ten Mo­del­le von Trak­to­ren vor­ge­stellt, die voll­stän­dig au­to­nom funk­tio­nie­ren oder ei­nem be­mann­ten Fahr­zeug nach­fol­gen kön­nen. Re­gu­la­to­ri­sche Un­si­cher­hei­ten ste­hen dem Durch­bruch bis­lang aber im Weg. «Das Pro­blem ist vor al­lem die un­kla­re Si­tua­ti­on zur Haf­tung; et­wa, wenn ein sol­cher Trak­tor in ein Erd­loch fährt oder ein Tier oder im schlimms­ten Fall so­gar ein Kind ver­letzt», meint Rob Richards von der In­dy Fa­mi­ly Farm in In­dia­na.

Be­reits fest eta­bliert hat sich ein neu­er Soft­ware­dienst, wenn es ums Wetter geht. Vor­rei­ter ist der Ern­te­ver­si­che­rer Cli­ma­te Cor­po­ra­ti­on. Das Un­ter­neh­men aus San Fran­cis­co wur­de von 2006 von zwei Goog­le-Mit­ar­bei­tern ge­grün­det und letz­ten Herbst für 1,1 Mrd. $ vom Saat­gu­trie­sen Monsan­to über­nom­men. Mit­hil­fe von Hoch­leis­tungs­com­pu­tern ver­ar­bei­tet es his­to­ri­sche Ern­te­sta­tis­ti­ken, Sa­tel­li­ten­bil­der zum Wetter so­wie rie­si­ge Da­ten­men­gen zur Bo­den­be­schaf­fen­heit. Auf die­ser Grund­la­ge wer­den dann die op­ti­ma­le Be­pflan­zung, Be­wirt­schaf­tung und Ern­te­zeit ei­nes Ge­trei­de­fel­des be­rech­net.

Im­mer be­reit und sau­ber

Weil die Ar­beit in der Land­wirt­schaft oft re­pe­ti­tiv ist, kom­men auch im­mer mehr Ro­bo­ter zum Ein­satz. Ge­mäss dem Re­se­arch­dienst Win­ter­Green wird die­ser Markt bis 2020 von rund 800 Mio. $ auf über 16 Mrd. $ pro Jahr wach­sen. Die Milch­wirt­schaft zum Bei­spiel wen­det zu­se­hends Melk­ro­bo­ter an, wo­bei hier die eu­ro­päi­schen Her­stel­ler Le­ly und DeLa­val international füh­rend sind.

«Die­se voll­au­to­ma­ti­schen Sys­te­me sind zwar re­la­tiv teu­er. Ihr gros­ser Vor­teil ist aber, dass sie rund um die Uhr ar­bei­ten kön­nen, nie Fe­ri­en brau­chen und ein ho­hes Mass an Hy­gie­ne si­cher­stel­len», meint Ka­thy Bar­rett von der agrar­wis­sen­schaft­li­chen Ab­tei­lung der Cor­nell Uni­ver­si­ty. Ein­satz­mög­lich­kei­ten zeich­nen sich eben­so für Feld­ar­bei­ten ab. Ein kon­kre­tes Bei­spiel da­für sind die ers­ten Ro­bo­ter, die selbst­stän­dig Erd­bee­ren ern­ten kön­nen.

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