Ri­che­mont er­war­tet Schwung aus Ame­ri­ka

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - GA

Die Se­mes­ter­zah­len von Ri­che­mont ge­ben kein ein­heit­li­ches Bild des Form­stands des Lu­xus­gü­ter­kon­zerns und der Bran­che. Das Um­satz­wachs­tum von 2% (4% in Lo­kal­wäh­run­gen) war we­ni­ger schwach als be­fürch­tet. Es be­las­te­te aber die Er­trags­ent­wick­lung. Die ope­ra­ti­ve Ren­di­te fiel 160 Ba­sis­punk­te auf 24,1% (vgl. Ta­bel­le). Und Hed­ging-Ver­lus­te ver­ha­gel­ten den Ge­winn.

Ein Lichtblick ist die Ab­satz­ent­wick­lung in Eu­ro­pa (+6%) und Ame­ri­ka (+20%). Fi­nanz­chef Ga­ry Saa­ge schreibt Ame­ri­ka der­zeit die Rol­le ei­nes «auf­stre­ben­den Mark­tes» zu, der sich wei­ter­hin er­freu­lich ent­wi­ckeln dürf­te. In Chi­na, Ma­cao und Hong­kong sei die La­ge schwie­ri­ger, be­stä­tig­te Saa­ge an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz. Chi­na (–4% im ers­ten Se­mes­ter) bleibt für ihn das Sor­gen­kind, das Ge­schäft in Hong­kong ha­be sich im Un­ru­he­mo­nat Ok­to­ber recht wi­der­stands­fä­hig ge­zeigt. In Asi­en (oh­ne Ja­pan) sank der Um­satz 2%. In Ja- pan soll­te sich der Ef­fekt der be­las­ten­den Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung aus­wach­sen.

Ei­ne ho­he Nach­fra­ge ver­zeich­ne­ten die Schmuck­mar­ken (+8%), be­son­ders Van Cleef & Ar­pels, die in den meis­ten Ver­kaufs­re­gio­nen zu­leg­te. Schmuck (36,3%) und Uh­ren (28,4%) ar­bei­te­ten im­mer noch mit ho­hen, wenn­gleich rück­läu­fi­gen Mar­gen. Zum Ver­gleich: Swatch Group kam im Uhrengeschäft im ers­ten Halb­jahr auf 22,4% Mar­ge. In den ro­ten Zah­len ver­harr­ten da­ge­gen die un­ter «Üb­ri­ge» sub­su­mier­ten Ge­schäfts­fel­der, was den Le­der­mar­ken Lan­cel und Dun­hill zu­zu­schrei­ben war. Sie kom­men seit Jah­ren nicht aus dem Ver­lust her­aus. Mont­blanc (Schreib­ge­rä­te) schaff­te je­doch den Tur­naround und er­wirt­schaf­te­te ei­nen klei­nen be­trieb­li­chen Ge­winn.

Die Er­wei­te­rung des ei­ge­nen Ver­kaufs­stel­len­net­zes (plus 43 auf 1099 Bou­ti­quen) be­deu­te­te hö­he­re Ver­triebs­kos­ten. Das zahl­te sich aber in­so­fern aus, als der Um- satz im ei­ge­nen Re­tail­netz ra­scher wuchs als der Ver­kauf an Drit­te. 55% des Um­sat­zes macht Ri­che­mont in ei­ge­nen Lä­den, Swatch Group im Ver­gleich da­zu erst 25%.

Mit Spar­mass­nah­men ver­sucht Ri­che­mont, dem Mar­gen­rück­gang ent­ge­gen­zu­tre­ten. Auch Kurz­ar­beit wur­de vo­r­erst in ei­nem Fall ver­ord­net (Car­tier), in Pro­duk­ti­ons­stät­ten an­de­rer Mar­ken wird dies ge­mäss Fi­nanz­chef Saa­ge eva­lu­iert. Das Markt­um­feld wird sei­ner An­sicht nach vo­la­til blei­ben. Im Ok­to­ber, zu Be­ginn des zwei­ten Halb­jah­res, nahm der Um­satz 4% zu, doch sank er in Lo­kal­wäh­rung 1%.

Da­mit wi­der­leg­te Ri­che­mont die gröss­ten Be­fürch­tun­gen, was den Ak­ti­en am Frei­tag zu ei­nem Kurs­sprung ver­half. Im Lu­xus­gü­ter­sek­tor, des­sen fun­da­men­ta­ler Auf­wärts­trend durch die China­wir­bel nicht ge­bro­chen wird, sind Ri­che­mont ei­ne gu­te Wahl. An­le­ger müs­sen aber in Kauf neh­men, dass das Kurs­bild kurz­fris­tig be­wegt blei­ben wird. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ri­che­mont im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/CFR

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.