Erics­son will «neue Denk­wei­se»

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE/TELECOM - HST,

Von der Fest­netz­te­le­fo­nie ha­ben sich die Schwe­den mehr oder min­der ver­ab­schie­det, die Han­dy­spar­te wur­de vor zwei­ein­halb Jah­ren ver­kauft. Gleich­zei­tig baut Erics­son die Kom­pe­ten­zen in der Mo­bil­funk­tech­no­lo­gie aus. Der Tele­com­aus­rüs­ter er­warb in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten klei­ne­re Soft­ware­un­ter­neh­men wie die USC­loud-Spe­zia­lis­ten Sen­til­la und Fa­b­rix Sys­tems, die den Wan­del von Erics­son zu ei­nem auf In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik spe­zia­li­sier­ten Kon­zern vor­an­trei­ben sol­len.

«Vor noch gar nicht all­zu lan­ger Zeit bau­ten die Tele­com­kon­zer­ne auf ei­ne ein­zi­ge Sa­che: die Sprach­te­le­fo­nie», er­klärt Erics­son-CEO Hans Vest­berg im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Mit der Wei­ter­ent­wick­lung der Net­ze hät­ten sich «ganz neue Mög­lich­kei­ten» er­ge­ben.

Neue Kon­kur­renz

Der Ve­rän­de­rungs­pro­zess ist nicht ab­ge­schlos­sen. «Vie­le neue Un­ter­neh­men stos­sen in den Markt, wie wir es noch nie in un­se­rer Bran­che ge­se­hen ha­ben», sagt Vest­berg. Er sieht die Bran­che an ei­nem Wen­de­punkt an­ge­langt. Zu­nächst sei die Mo­bil­fun­kin­fra­struk­tur auf­ge­baut wor­den. Jetzt müs­se man dar­an ar­bei­ten, mit­hil­fe die­ser In­fra­struk­tur Di­enst­leis­tun­gen an­zu­bie­ten. Das kön­nen Clou­dAn­wen­dun­gen sein, aber auch In­hal­te wie Vi­deo und Fern­se­hen.

Des­halb will Erics­son künf­tig stark in den Be­rei­chen Soft­ware, TV und Vi­deo- Strea­m­ing so­wie Cloud-Di­ens­te ex­pan­die­ren. Gleich­zei­tig ist er da­bei, sich von an­de­ren Spar­ten zu tren­nen: Aus dem Mo­dem­ge­schäft ha­ben sich die Schwe­den vor Kur­zem zu­rück­ge­zo­gen, auch an­de­re, we­ni­ger ren­ta­ble Be­rei­che wur­den ab­ge­stos­sen.

Au­to­bau­er als Kun­den

Es ge­he dar­um, sich für die Zu­kunft zu rüs­ten, be­grün­det Vest­berg den Wan­del sei­nes Kon­zerns. «Un­ter­neh­men wie Erics­son brau­chen ei­ne neue Denk­wei­se.» Und neue Kun­den. Wa­ren das bis­lang die tra­di­tio­nel­len Tele­com­kon­zer­ne, kom­men jetzt Au­to­her­stel­ler, Trans­port­un­ter­neh­men und Be­hör­den hin­zu.

Mit dem Pkw-Her­stel­ler Vol­vo hat Erics­son ein in­te­grier­tes Un­ter­hal­tungs-, Na­vi­ga­ti­ons- und Ser­vice­sys­tem ent­wi­ckelt, mit Phi­lips in­tel­li­gen­te Lam­pen und mit Be­hör­den Ver­kehrs­leit­sys­te­me. «Mo­bi­les Breit­band und die Cloud sind die In­fra­struk­tu­ren des 21. Jahr­hun­derts», sagt Vest­berg. Der Ve­rän­de­rungs­pro­zess ist rasch vor­an­ge­schrit­ten. «Vor zehn Jah­ren mach­te Hard­ware bei uns rund 75% des Um­sat­zes aus, 25% wa­ren Soft­ware. Heu­te ste­hen Soft­ware und Ser­vices für 66%, die Hard­ware für den Rest.»

Bis 2020, hofft Vest­berg, ist der Um­wand­lungs­pro­zess des vor 130 Jah­ren ge­grün­de­ten Kon­zerns ab­ge­schlos­sen. Die Zu­kunft ist schon jetzt sicht­bar. «Heu­te sind wir bei­spiels­wei­se für die Aus­strah­lung von 500 Fern­seh­ka­nä­len in Eu­ro­pa ver­ant­wort­lich, von Ca­nal 5 in Frank­reich bis hin zur bri­ti­schen BBC», so Vest­berg.

Was die Ve­rän­de­run­gen für An­le­ger be­deu­ten, dürf­te sich in Kür­ze klä­ren. Erics­son hält am 12. und 13. No­vem­ber ei­nen In­ves­to­ren­tag ab.

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