Po­si­ti­ve Über­ra­schun­gen

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO BEE UND GA­B­RI­EL BARTHOLDI,

DDie US-Wirt­schaft wächst wei­ter­hin über ih­rem Po­ten­zi­al.

ie An­le­ger ha­ben sich von den Wachs­tum­sängs­ten des Ok­to­bers er­holt. Dies führ­te da­zu, dass ei­ni­ge Ak­ti­en­märk­te wie der S&P 500 auf neue Re­kord- oder zu­min­dest Jah­res­hochs (SMI, Nik­kei) stie­gen. Ur­sa­che für die Kon­junk­tur­ängs­te im Ok­to­ber war die Furcht, dass das glo­ba­le Wirt­schafts­wachs­tum sich si­gni­fi­kant ab­schwächt und es gleich­zei­tig kei­ne Un­ter­stüt­zung durch die Zen­tral­ban­ken gibt.

Die­se Be­fürch­tun­gen schei­nen un­be­grün­det. In den USA zeig­ten die Wirt­schafts­in­di­ka­to­ren, dass ei­ne mar­kan­te Ab­küh­lung des Wachs­tums nicht statt­fin­det. Der na­tio­na­le Ein­kaufs­ma­na­ger­index für das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be – ISM Ma­nu­fac­tu­ring – stieg im Ok­to­ber auf ein ho­hes Ni­veau von 59, was ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum von rund 4% ent­spricht. Dies be­deu­tet, dass das Wachs­tum in den USA über Po­ten­zi­al­ni­veau bleibt.

So­li­de US-Da­ten

Zu­dem fie­len in den ver­gan­ge­nen Wo­chen die Ar­beits­lo­sen­erst­an­trä­ge auf den tiefs­ten Stand seit dem Jahr 2000, was die ro­bus­te Kon­junk­tur in den USA un­ter­streicht.

Auf­grund der sehr so­li­den Kon­junk­tur­da­ten dürf­te auch die zu­neh­mend re­strik­ti­ve Hal­tung der US-Zen­tral­bank kein Pro­blem dar­stel­len. Bei den US-Wah­len tri­um­phier­ten wie er­war­tet die Re­pu­bli­ka­ner. Das Re­gie­ren dürf­te Ba­rack Oba­ma da­mit nicht leich­ter fal­len. Al­ler­dings scheint sich die US-Wirt­schaft an das dys­funk­tio­na­le po­li­ti­sche Sys­tem in Wa­shing­ton ge­wöhnt zu ha­ben – Kon­junk­tur­ri­si­ken er­ge­ben sich dar­aus kei­ne.

An­ders prä­sen­tiert sich die La­ge in der Eu­ro­zo­ne. Vie­le In­di­ka­to­ren deu­ten auf ein sehr schwa­ches Wachs­tum in den nächs­ten Quar­ta­len hin, selbst ei­ne er­neu­te Re­zes­si­on kann nicht aus­ge­sch­los- sen wer­den. Trotz der trü­ben Aus­sich­ten sprach im Ok­to­ber we­nig da­für, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ih­re Be­mü­hun­gen in­ten­si­viert. An der Pres­se­kon­fe­renz nach der No­vem­ber-Sit­zung, die letz­ten Don­ners­tag statt­fand, über­rasch­te Ma­rio Draghi je­doch die An­le­ger.

Der EZB-Chef wies dar­auf hin, zu­sätz­li­che Mass­nah­men sei­en in Vor­be­rei­tung. Die EZB sei zu noch ex­pan­si­ve­rer Geld­po­li­tik be­reit, falls die bis­he­ri­gen Mass­nah­men sich als un­zu­rei­chend er­wei­sen oder falls sich die De­fla­ti­ons­ge­fahr wei­ter ak­zen­tu­iert.

Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten po­si­tiv auf die in Aus­sicht ge­stell­ten zu­sätz­li­chen Mass­nah­men. Be­reits in der Wo­che zu­vor hat­te die Bank von Ja­pan mit der An- kün­di­gung, die Geld­men­ge wei­ter aus­zu­wei­ten, über­rascht, wo­durch der Nik­kei in der ers­ten Wo­chen­hälf­te stark stieg. Ins­ge­samt schei­nen die Markt­ri­si­ken li­mi­tiert zu sein, was für wei­ter stei­gen­de Ak­ti­en­märk­te spricht.

Ei­ner­seits sind die Zen­tral­ban­ken in der Eu­ro­zo­ne und in Ja­pan wei­ter be­reit, ih­re Volks­wirt­schaf­ten bei an­hal­ten­der Schwä­che zu un­ter­stüt­zen, und an­de­rer­seits stel­len die eher re­strik­tiv ein­ge­stell­ten No­ten­ban­ken wie in den USA auf­grund des ro­bus­ten Wirt­schafts­wachs­tums kein un­mit­tel­ba­res Ri­si­ko dar.

Die gros­se Fra­ge

Ob und wann die EZB zu neu­en Mass­nah­men greift, wird in der nächs­ten Zeit ein be­stim­men­des The­ma blei­ben. Be­reits in der nächs­ten Wo­che soll­te Ma­rio Draghi die ers­ten Hin­wei­se er­hal­ten, ob sich die kon­junk­tu­rel­le Si­tua­ti­on in Eu­ro­land wei­ter ver­schlech­tert und sich da­mit auch die De­fla­ti­ons­ge­fahr ver­stärkt.

Die In­dus­trie­pro­duk­ti­on dürf­te sich im Ok­to­ber leicht er­holt ha­ben, im Ver­gleich mit dem letz­ten Jahr aber wie­der zu­rück­ge­gan­gen sein. Die schwa­che Ent­wick­lung der Pro­duk­ti­on wird sich auch in den BIP-Zah­len der Eu­ro­zo­ne des drit­ten Quar­tals spie­geln. Zwar wird ein Mi­ni-Plus von 0,1% er­war­tet, ei­ne Kon­trak­ti­on wür­de aber auch nicht über­ra­schen.

Bes­ser läuft es in Gross­bri­tan­ni­en. Da­von wer­den die ILOAr­beits­lo­sen­zah­len zeu­gen, die erst­mals seit mehr als fünf Jah­ren wie­der auf un­ter 6% ge­schätzt wer­den. Ähn­lich po­si­tiv dürf­te sich der US-De­tail­han­del zei­gen. Der star­ke Rück­gang der Ar­beits­lo­sig­keit und der Öl­prei­se hat sich si­cher­lich po­si­tiv auf die Kauf­lau­ne in den USA aus­ge­wirkt.

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