Eu­ro­pas Wachs­tums­pro­blem un­ge­löst

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - AL­F­RED MEINEMA,

Nun ha­ben wir es schwarz auf weiss: Das eu­ro­päi­sche Ban­ken­sys­tem ist re­la­tiv sta­bil, wie die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) mit ih­rem jüngst ab­ge­schlos­se­nen, auf­wän­di­gen Stress­test fest­stell­te. Mit dem Gü­te­sie­gel, das dem Fi­nanz­sek­tor da­mit auf­ge­klebt wur­de, ist aber Eu­ro­pas Grund­pro­blem noch nicht vom Tisch: man­geln­des Wachs­tum.

Die Prü­fungs­re­sul­ta­te der um­fas­sen­den EZB-Be­wer­tung (Com­pre­hen­si­ve As­sess­ment ein­schliess­lich As­set Qua­li­ty Re­view) zei­gen, dass die Ka­pi­tal­lü­cken der eu­ro­päi­schen Ban­ken re­la­tiv klein und auf ei­ni­ge we­ni­ge In­sti­tu­te kon­zen­triert sind. So wei­sen vor al­lem Ban­ken in Ita­li­en, Grie­chen­land, Ös­ter­reich und Por­tu­gal Ka­pi­tal­be­darf auf. Ins­ge­samt feh­len et­wa 24,2 Mrd. € an Ei­gen­mit­teln, von de­nen rund 16 Mrd. € auf je­ne fünf Geld­häu­ser ent­fal­len, die den Fit­ness­test ih­rer künf­ti­gen Ober­auf­se­he­rin EZB nicht be­stan­den ha­ben.

Die EZB-Ban­ken­prü­fung stützt sich je­doch auf Zah­len per En­de 2013. Seit­dem wur­de ein je­doch be­trächt­li­cher Teil der an­ge­mahn­ten Ka­pi­tal­lü­cken durch die Aus­ga­be von Pflicht­wan­del­an­lei­hen (Co­co) und Be­zugs­rech­ten ge­schlos­sen. Das zu­sätz­lich not­wen­di­ge Ka­pi­tal ver­rin­gert sich da­mit auf 10 Mrd. €. Die In­sti­tu­te, de­ren Ka­pi­tal­aus­stat­tung noch nicht aus­rei­chend ist, ha­ben zwei Wo­chen Zeit, der EZB ei­nen Plan vor­zu­le­gen, wie sie die feh­len­den Ei­gen­mit­tel be­schaf­fen wol­len. Der Stress­test war sehr kon­se­quent. 6000 Spe­zia­lis­ten muss­ten Kre­dit­un­ter­la­gen über mehr als 1,4 Bio. € sich­ten und über ei­nen er­heb­li­chen Zei­t­raum prü­fen. Die zu­grun­de ge­leg­ten Sze­na­ri­en wur­den als aus­rei­chend streng emp­fun­den, was die ge­ne­rel­le Glaub­wür­dig­keit des Test stärk­te. Zu­nächst re­agier­ten die Märkte po­si­tiv auf die Ver­öf­fent­li­chun­gen der Er­geb­nis­se. Die Ak­ti­en­kur­se der Ban­ken stie­gen und die Cre­dit Spreads der In­sti­tu­te und der meis­ten Pe­ri­phe­rie­staa­ten ver­eng­ten sich.

Die EZB und die Po­li­ti­ker müs­sen sich nun wie­der der drän­gen­de­ren Fra­ge zu­wen­den, wie sich die Kre­dit­nach­fra­ge stei­gern lässt. Da Po­li­ti­ker aktuell kei­ne Fis­kal­po­li­tik an­wen­den kön­nen oder wol­len, rich­ten sich al­le Bli­cke auf die EZB und dar­auf, ob sie sich mög­li­cher­wei­se zu ei­ner wei­te­ren Bi­lanz­aus­wei­tung ent­schliesst.

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