Ku­del­ski hat kei­nen ein­fa­chen Weg vor sich

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - DM

Ku­dels­kis Pro­duk­te spie­len im All­tag ei­ne gros­se Rol­le, trotz­dem sind sie schwie­rig zu fas­sen. Das liegt dar­an, dass sie si­cher­heits­tech­nisch sen­si­ble Be­rei­che um­fas­sen und an Ge­schäfts­kun­den, nicht an End­kon­su­men­ten, ver­kauft wer­den. Auch be­fin­det sich der Markt für TV- und Vi­deo­in­hal­te we­gen zu­neh­men­der Di­gi­ta­li­sie­rung und des Auf­tau­chens neu­er Wett­be­wer­ber wie et­wa App­le in Umbruch.

In der grös­se­ren, mar­gen­stär­ke­ren Spar­te In­te­gra­ted Di­gi­tal TV ent­wi­ckelt und ver­treibt Ku­del­ski Zu­gangs­lö­sun­gen für PayTV- und Di­gi­tal­fern­seh­an­bie­ter. Die­se Lö­sun­gen er­mög­li­chen dem Abon­nen­ten die­ser In­hal­te, sie auf ver­schie­de­nen Über­tra­gungs­we­gen (Sa­tel­lit, Ka­bel, Breit­band, Mo­bil­funk) und ver­schie­de­nen End­ge­rä­ten ( TV-Mo­ni­tor, PC, Ta­blet, Smart­pho­ne) zu nut­zen und zu ver­wal­ten, al­so Auf­nah­men zu pla­nen, zeit­ver­setzt zu nut­zen oder gleich­zei­tig meh­re­re Vi­de­os zu se­hen. Die TV- und Vi­deo­an­bie­ter ih­rer­seits er­hal­ten den Über­blick über das Kun­den­ver­hal­ten und die Ge­büh­ren­ab­rech­nung.

Die­se Pro­duk­te, die als in­te­grier­tes Pa­ket, aber auch in Teil­lö­sun­gen er­hält­lich sind, ver­kauft Ku­del­ski über die Töch­ter Na­gra­vi­si­on und OpenTV an Tele­com-, Ka­bel­netz­be­trei­ber oder Pay-TV-An­bie­ter (in den USA et­wa Dish). Da der Markt in Eu­ro­pa weit­ge- hend ge­sät­tigt ist, ge­win­nen die Emer­ging Mar­kets mehr Ge­wicht. Ei­ne zwei­te, klei­ne­re Spar­te ist Ski­da­ta, ein 2001 ge­kauf­tes ös­ter­rei­chi­sches Un­ter­neh­men, das Zu­gangs­lö­sun­gen im Be­reich Per­so­nen und Fahr­zeu­ge, al­so in Sport­an­la­gen (Ski­ge­bie­te, Sta­di­ons) und Park­häu­sern, an­bie­tet. Sie ist mar­gen­schwä­cher als das Di­gi­tal-TV-Ge­schäft, aber ent­wi­ckelt sich ste­ti­ger. Ku­del­ski baut zu­dem ein wei­te­res Stand­bein auf. Aus dem Pi­ra­te­rie­schutz hat die Grup­pe viel Si­cher­heits­K­now-how. Nun wer­den Ser­vice- und Aus­bil­dungs­leis­tun­gen im Ma­nage­ment gros­ser Da­ten­men­gen oder -netz­wer­ke auf­ge­baut (Cy­ber­se­cu­ri­ty). Ziel­märk­te sind die öf­fent­li­che Ver­wal­tung so­wie Fi­nanz- und Me­dien­un­ter­neh­men. Die La­ge in der Schweiz sieht Ku­del­ski als Vor­teil, da vie­le po­ten­te­re Wett­be­wer­ber aus nicht neu­tra­len Staa­ten wie den USA, Gross­bri­tan­ni­en, Frank­reich oder Is­ra­el kom­men. Der Markt wird aber heiss um­kämpft sein. Bis­her kos­tet das seit 2012 im Auf­bau be­find­li­che Ge­schäft vor al­lem Geld.

Ei­ne ge­wis­se fi­nan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on bringt ei­ne an­de­re, auch 2012 ge­star­te­te Initia­ti­ve, das Port­fo­lio von rund 4100 Pa­ten­ten bes­ser zu mo­ne­ta­ri­sie­ren. Ku­del­ski hat ge­gen den Netz­werk­aus­rüs­ter und Set­topBo­xen-Her­stel­ler Cis­co (NDS) we­gen Pa­tent- ver­let­zung ge­klagt. Im Fe­bru­ar konn­te ein Li­zenz­de­al ab­ge­schlos­sen wer­den. Der Mit­tel­zu­fluss wird nicht of­fen­ge­legt, dürf­te aber im nied­ri­gen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich lie­gen. Wei­te­re Kla­gen sind ge­gen den On­li­ne-Vi­de­o­händ­ler Net­flix und den Elek­tronik­rie­sen App­le hän­gig. Die Ver­fah­ren kön­nen sich noch Jah­re hin­zie­hen, aber an­ge­sichts des bis­he­ri­gen Ver­laufs ist nicht un­denk­bar, dass zu­min­dest mit Net­flix ir­gend­wann ei­ne Ei­ni­gung in Sicht ist. Der eins­ti­ge Börsen-High­fly­er hat we­gen sei­ner schma­len Grös­se im Di­gi­tal­fern­seh­markt ei­nen schwie­ri­gen Weg vor sich. Das Wachs­tums­po­ten­zi­al ist li­mi­tiert, die Vi­si­bi­li­tät im Kern­ge­schäft be­grenzt und das Ge­schäfts­mo­dell im Um­bau. Die Kos­ten­struk­tur wur­de erst teil­wei­se op­ti­miert. Auch die Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Struk­tur – der Ku­del­ski-Fa­mi­li­en­pool um Chair­man und CEO An­dré Ku­del­ski hält 63,4% der Stimm­rech­te – ist ver­bes­se­rungs­fä­hig. Viel hängt nun vom Ge­schick des Ma­nage­ments im Auf­bau neu­er Ge­schäf­te und vom Aus­gang der Pa­tent­kla­gen ab. Die Per­spek­ti­ven für die Ak­ti­en blei­ben durch­zo­gen. Ob­wohl sie nicht teu­er sind (KGV 2015: 12, Wett­be­wer­ber Ar­ris: 11), eig­nen sie sich nur für ri­si­ko­fä­hi­ge In­ves­to­ren mit ei­nem An­la­ge­ho­ri­zont von über zwei Jah­ren.

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