Initia­ti­ven

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - PE­TER BAUM­GART­NER, PAS­CAL MERZ, RE­NÉ F. OBER­HÄNS­LI,

Bei der Eco­pop-Initia­ti­ve wa­ren po­li­ti­sche An­fän­ger am Werk. Wie kann die Durch­füh­rung voll­zo­gen wer­den? Soll­te sie an­ge­nom­men wer­den, hät­ten die Be­für­wor­ter ein wei­te­res Zei­chen ge­setzt. Sie kön­nen sich an­schlies­send auch noch über den «un­fä­hi­gen» Bun­des­rat är­gern. Das An­häng­sel der wün­schens­wer­ten glo­ba­len Fa­mi­li­en­pla­nung hat die fal­sche An­schrift. Ei­ne sol­che, heu­te durch­aus be­rech­tig­te Initia­ti­ve müss­te an die Uno in New York adres­siert wer­den.

Die Initi­an­ten der Gold­in­itia­ti­ve ha­ben ver­ges­sen, war­um un­ser Gold einst in ver­schie­de­ne Län­der ver­teilt wur­de. Es ge­schah vor dem Zwei­ten Welt­krieg! Und jetzt wol­len wir al­les zen­tral ein­bun­kern? Mit un­se­rer ge­schrumpf­ten Ar­mee, die kaum un­se­re AKW schüt­zen kann, wol­len wir auch noch ei­nen Gold­kö­der be­wa­chen? Der pri­va­te Gold­be­sitz war in den USA lan­ge ver­bo­ten. Be­nüt­zen wir die­se Frei­heit, ge­mein­sam mit der Na­tio­nal­bank.

Pau­schal­be­steue­rung: Die­se Initia­ti­ve ver­dient, an den Ab­sen­der re­tour­niert zu wer­den. War­um? Sie kann zwei ganz ver­schie­de­ne Steu­er­pflich­ti­ge be­tref­fen. Der ei­ne hat statt ei­ner Zweit­woh­nung ein Zweit­haus in der Schweiz und be­zahlt die Ein­kom­mens­steu­ern am Wohn­ort im Aus­land. Oder der Pau­schal­be­steu­er­te wohnt und ar­bei­tet wie an­de­re Schwei­zer ab sei­ner Re­si­denz in der Schweiz. Die­se Initia­ti­ve kann den un­ter­schied­li­chen Si­tua­tio­nen nicht ge­recht wer­den, so we­nig wie dies mit der Zweit­woh­nungs­in­itia­ti­ve der Fall war. Zu­erst den­ken, dann Initia­ti­ven schrei­ben. Re­tro ist in vie­len Be­rei­chen gera­de im Trend. Viel­leicht mit ein Grund, war­um ei­ne un­taug­li­che Initia­ti­ve wie die Gold­in­itia­ti­ve der­zeit so viel Sup­port ge­niesst. Die rück­stän­di­ge Vor­la­ge ist nicht «nur» von vor­ges­tern, son­dern sie wür­de fak­tisch die Un­ab­hän­gig­keit der Na­tio­nal­bank ge­gen­über der Ein­fluss­nah­me durch die Po­li­tik be­en­den. Um­so er­staun­li­cher ist, dass die Initi­an­ten Rei­mann, Stamm und Schlüer in der «Wirt­schafts­par­tei» SVP sit­zen. Ei­ne Par­tei, die für ei­ne mög­lichst freie Wirt­schaft fern­ab der Ein­fluss­nah­me des Staa­tes plä­diert. Bei der Na­tio­nal­bank soll dies plötz­lich an­ders sein.

Die­se soll ge­mäss For­de­rung der Gold­in­itia­ti­ve je­der­zeit 20% ih­rer Ge­samt­bi­lanz wert­mäs­sig in Gold be­sit­zen re­spek­ti­ve an­ge­legt ha­ben. Ein rie­si­ger Klotz am Bein ei­ner In­sti­tu­ti­on, die in der La­ge sein muss, auf schwie­ri­ge ge­samt­wirt- schaft­li­che Si­tua­tio­nen schnell und fle­xi­bel zu han­deln. «Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank führt als un­ab­hän­gi­ge Zen­tral­bank ei­ne Geld- und Wäh­rungs­po­li­tik, die dem Ge­samt­in­ter­es­se des Lan­des dient; sie wird un­ter Mit­wir­kung und Auf­sicht des Bun­des ver­wal­tet.» So weit die Bun­des­ver­fas­sung, und mit die­sem Grund­satz ist die Schweiz in den letz­ten Jah­ren gut durch die wirt­schaft­li­chen Kri­sen ge­kom­men. Die Gold­in­itia­ti­ve stellt dies al­les in Fra­ge, dies ist glei­cher­mas­sen ge­fähr­lich und in keins­ter Wei­se not­wen­dig. Als Wert­auf­be­wah­rungs­mit­tel wer­den un­ge­deck­te Pa­pier­wäh­run­gen ver­sa­gen. Wenn nicht Gold als Wer­tan­ker den Wert von Bank­no­ten und Bank­gut­ha­ben si­chert, ist für die Po­li­ti­ker und die No­ten­ban­ken die Ver­su­chung zu gross, be­lie­big «Geld» aus dem Nichts zu er­zeu­gen und da­mit bank­rot­te Staa­ten und Ban­ken zu fi­nan­zie­ren. Wie in­fla­tio­när sich die­se Geld­schwem­me in der Zu­kunft noch aus­wir­ken wird, lehrt uns die Ge­schich­te. Die SNB muss­te am 8. Sep­tem­ber 2011 dras­tisch ein­grei­fen, um den Min­dest­kurs von 1.20 Fr. pro Eu­ro ein­zu­füh­ren, um die Ex­port­wirt­schaft zu schüt­zen. Zur Ver­tei­di­gung der Kurs­un­ter­gren­ze ver­teil­te die SNB oft täg­lich bis zu 8 Mrd. Fr. an das Aus­land und er­hielt da­ge­gen aus­län­di­sche De­vi­sen.

In zwei sol­chen Ta­gen wä­re die Neat be­zahlt ge­we­sen, die Zürcher Durch­mes­ser­li­nie hät­te vier Mal be­zahlt wer­den oder je­der Ein­woh­ner hät­te ei­ne Tau­sen­der­no­te er­hal­ten kön­nen. So ha­ben sich die Wäh­rungs­re­ser­ven der Na­tio­nal­bank auf über 500 Mrd. Fr. auf­ge­bläht, was sich pro Ein­woh­ner auf über 60 000 Fr. be­läuft. Dar­um kann die Na­tio­nal­bank jetzt gut mit ei­nem Teil die­ser aus­län­di­schen Wäh­run­gen pro­blem­los Gold kau­fen, da­mit uns we­nigs­tens et­was Rea­les üb­rig bleibt, wenn die­se Wäh­run­gen sich ab­wer­ten. Gold hat den Vor­teil, dass es kein Ge­gen­par­tei­ri­si­ko gibt und Gold auch in zwan­zig Jah­ren noch et­was wert sein wird. Gold ist ei­ne Ver­si­che­rung für die Zu­kunft. Viel­leicht gibt es in zwan­zig Jah­ren ge­wis­se Wäh­run­gen nicht mehr. Mit ei­nem Ja zur Gold­in­itia­ti­ve ver­si­chert die Schweiz ein Fünf­tel ih­res Volks­ver­mö­gens ge­gen den dro­hen­den Wert­ver­lust von Pa­pier­geld. Als roh­stoff­ar­mes Land wer­den wir mit ei­nem Fran­ken, der teil­wei­se durch Gold ge­deckt ist, auch in Zu­kunft Ener­gie und Gü­ter be­zie­hen kön­nen.

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