Ka­pi­tal­mo­bi­li­tät ist nicht al­les: der Fall Eu­ro­land

Finanz und Wirtschaft - - SERIE: BERÜHMTE THEOREME - AN

Als Aus­gangs­the­se, um die Mo­bi­li­tät von Ka­pi­tal zu un­ter­su­chen, steht das Theo­rem bei Wis­sen­schaft­lern so hoch im Kurs wie vor 35 Jah­ren. Nur be­rei­tet manch­mal die In­ter­pre­ta­ti­on der Er­geb­nis­se Schwie­rig­kei­ten. En­de der Neun­zi­ger­jah­re ver­öf­fent­lich­te die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ei­ne Un­ter­su­chung, in der sie an­hand des Feld­steinHo­rio­ka-An­sat­zes auf­deck­te, dass in der Eu­ro­päi­schen Uni­on das ge­samt­wirt­schaft­li­che Ka­pi­tal nur be­schränkt mo­bil sei. Die Staa­ten sei­en des­we­gen an­fäl­lig für Schocks. «Da die Mo­bi­li­tät der Ar­beits­kräf­te und die Fle­xi­bi­li­tät der Prei­se kurz­fris­tig eben­falls ge­ring sind, be­steht die Ge­fahr, dass asym­me­tri­sche Schocks in den be­trof­fe­nen EU-Mit­glied­län­dern zu Pro­duk­ti­ons­ein­bus­sen und Ar­beits­lo­sig­keit füh­ren», warn­te die Au­to­rin An­ne Klei­ne­we­fers da- mals – in wei­ser Vor­aus­sicht auf die Pro­ble­me, die über ein Jahr­zehnt spä­ter die Eu­ro­zo­ne wirt­schaft­lich an den Ab­grund füh­ren soll­ten. Es sei denn, so Klei­ne­we­fers, die ge­mein­sa­me Wäh­rung füh­re zu ei­ner Zu­nah­me der Ka­pi­tal­mo­bi­li­tät und folg­lich ei­ner ge­rin­ge­ren An­fäl­lig­keit für Kri­sen.

Dass ge­nau die­se Hoff­nung mit dem Eu­ro auf­ge­gan­gen ist, wie­sen we­ni­ge Jah­re spä­ter die US-Öko­no­men Oli­vier Blan­chard und Fran­ces­co Gia­vaz­zi nach – eben­falls an­hand der Me­tho­dik von Feld­stein und Ho­rio­ka. Das Spar- und das In­ves­ti­ti­ons­ver­hal­ten hät­ten sich in den Eu­ro­staa­ten ent­kop­pelt. Der Ko­ef­fi­zi­ent ha­be sich be­trächt­lich re­du­ziert. Das Feld­stein-Ho­rio­ka-Rät­sel sei so­mit ge­löst. Auch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank zeig­te sich zu­frie­den. In den ers­ten Jah­ren der Wäh­rungs­uni­on sei das Feld­stein- Ho­rio­ka-Pa­ra­do­xon rasch ver­schwun­den, hat EZB-Di­rek­to­ri­ums­mit­glied Be­noît Co­eu­ré kürz­lich in ei­nem Vor­trag be­stä­tigt: «Die Theo­rie traf wie­der zu: (…) Ei­ne en­ge­re fi­nan­zi­el­le In­te­gra­ti­on er­laub­te den we­ni­ger wohl­ha­ben­den Eu­ro­staa­ten, we­ni­ger zu spa­ren und mehr zu in­ves­tie­ren.»

Die Leis­tungs­bi­lan­zun­gleich­ge­wich­te zwi­schen den Eu­ro­staa­ten nah­men zu. Das wur­de als Be­leg für ei­ne grös­se­re In­te­gra­ti­on der Län­der und die zu­neh­men­de Kon­ver­genz ge­wer­tet und gut­ge­heis­sen. Dass aus den gu­ten De­fi­zi­ten in den fol­gen­den Jah­ren schlech­te wur­den, weil sich Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen bil­de­ten und die Ver­schul­dung ra­sant stieg, er­kann­ten die For­scher erst im Mai 2010, als Grie­chen­land bank­rott­zu­ge­hen droh­te und die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft um fi­nan­zi­el­le Hil­fe bat.

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