Ber­ge von Bar­schaft

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MR

«Es ge­schieht nichts Neu­es un­ter der Son­ne», sagt der Pre­di­ger Sa­lo­mo im Al­ten Tes­ta­ment. Spar- und Leih­kas­sen mit Ei­gen­ka­pi­tal auf Ob­li­ga­tio­nen: Schnee aus der Re­nais­sance. An der Ent­wick­lung des mo­der­nen Fi­nanz­we­sens wa­ren sei­ner­zeit die Fran­zis­ka­ner fe­der­füh­rend be­tei­ligt. Sie woll­ten im Pfand­leih­we­sen den Wu­cher­zin­sen, un­ter de­nen vor al­lem die Ärms­ten zu lei­den hat­ten, et­was ent­ge­gen­stel­len. 1462 ent­stand in Peru­gia der ers­te Mon­te de Pie­tà: Berg der Barm­her­zig­keit. Berg be­zeich­net an­ge­häuf­tes Geld; das stamm­te zu­nächst aus Zu­wen­dun­gen, doch die Mon­ti, die sich zü­gig in ganz Mit­tel­ita­li­en er­ho­ben, muss­ten für ih­re Kre­di­te bald Ge­büh­ren for­dern – um die Be­triebs­kos­ten zu de­cken. Spä­ter emit­tier­ten sie ge­druck­te Ob­li­ga­tio­nen, so wie die­se hier des Flo­ren­ti­ner Mon­te von 1645. Die­se Luo­ghi di Mon­te wa­ren «vaca­bi­le» (über­trag- und ein­lös­bar, wie das vor­lie­gen­de Stück; es gab al­so ei­nen Se­kun­där­markt) oder «non vaca­bi­le», fäl­lig erst nach dem Tod des Gläu­bi­gers. Der Flo­ren­ti­ner Mon­te dien­te nicht zu­letzt dem Gross­her­zog als De­po­si­ten- und Kre­dit­bank und ver­sorg­te da­mals über den Haupt­sitz und drei Fi­lia­len (mit ins­ge­samt über vier­zig Be­schäf­tig­ten) die gan­ze vi­ta­le Han­dels­stadt mit Geld, mehr oder we­ni­ger barm­her­zig. Skan­da­le sind kei­ne über­lie­fert. Die acht Pro­tet­to­ri ( Ver­wal­tungs­rä­te) wer­den das Pre­di­ger­buch ge­nau stu­diert ha­ben, denn dort heisst es doch: «Un­rech­ter Ge­winn macht den Wei­sen zum To­ren.» Die Se­rie Non­val­eur er­scheint in lo­ser Fol­ge (hier Teil 62, sie­he www.fuw.ch/dos­sier/non­val­eur). Sie ba­siert auf der Samm­lung Wert­pa­pier­welt der SIX Group in Ol­ten.

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