Schmier­stoff für Wall­s­treet

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

Was ha­ben der Ein­bruch des Öl­prei­ses und die Sub­pri­me-Kri­se ge­mein­sam? Mehr, als man denkt, sagt Bri­an Reynolds. Der Chef­stra­te­ge des Bro­kers Ro­sen­blatt Se­cu­ri­ties ist über­zeugt, dass Wall­s­treet in bei­den Fäl­len ei­ne zen­tra­le Rol­le spielt: «Wäh­rend des Booms En­de der Neun­zi­ger­jah­re wur­den Fi­be­r­op­tik­lei­tun­gen von Un­ter­neh­men wie World­Com in kom­pli­zier­te Fi­nanz­ve­hi­kel ver­packt», er­klärt der Ex­per­te für struk­tu­rier­te Pro­duk­te. «Dann ka­men Ram­sch­hy­po­the­ken wäh­rend der Ex­zes­se am Häu­ser­markt. Von 2008 bis 2012 wa­ren schliess­lich Roh­stof­fe das Ba­sis­ma­te­ri­al für die nächs­te Bla­se», sagt Reynolds.

Vie­le in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren wie Pen­si­ons­kas­sen wa­ren nach der Fi­nanz­kri­se da­von über­zeugt, dass die Geld­flut der Zen­tral­ban­ken zu In­fla­ti­on füh­ren wür­de. Sie in­ves­tier­ten des­halb Tau­sen­de von Mil­li­ar­den Dol­lar in To­tal Re­turn Swaps und an­de­re De­ri­va­te mit Be­zug zu Roh­wa­ren. Das ging gut, so­lan­ge die Prei­se stie­gen. Ers­te grös­se­re Pro­ble­me tra­ten aber im April 2011 auf, als Gold erst­mals un­ter die Wi­der­stands­mar­ke von 1530 $ pro Un­ze fiel. Der Rutsch lös­te in vie­len struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten ei­ne Ver­kaufs­klau­sel aus, was den Druck auf den Goldpreis in­ten­si­vier­te.

Noch ge­fähr­li­cher ist, was jetzt im Ener­gie­sek­tor pas­siert. Ge­mäss Da­ten der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) ist das Vo­lu­men an Roh­stoff­de­ri­va­ten seit 2011 zwar um gut 30% ge­schrumpft. Es be­läuft sich aber noch im­mer auf rund 2300 Mrd. $. «Wenn man be­denkt, dass die­se De­als meist mit dem Zehn­fa­chen an Schul­den un­ter­legt sind, ist der Be­reich da­mit fast so gross wie der ge­sam­te US-Ak­ti­en­markt», sagt Reynolds. Ei­ne ge­naue Auf­schlüs­se­lung nach ein­zel­nen Roh­stoff­ka­te­go­ri­en ge­ben die BIZ-Zah­len nicht, zu­mal die meis­ten Trans­ak­tio­nen aus­ser­halb re­gu­lier­ter Börsen ab­ge­wi­ckelt wer­den. Reynolds ver­mu­tet aber, dass ein Gross­teil an den Öl­preis ge­knüpft ist und der kri­ti­sche Preis­punkt 75 $ pro Fass be­trägt – ein Ni­veau, das die Sor­te WTI die­se Wo­che erst­mals durch­bro­chen hat.

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