Die Al­ter­na­ti­ve un­ter den Al­ter­na­ti­ven

Finanz und Wirtschaft - - ASSET MANAGEMENT - HF

Wie in­ves­tie­ren, um in vo­la­ti­len Märk­ten und bei nied­rigs­ten Zin­sen ei­ne Ren­di­te zu er­zie­len die künf­ti­ge fi­nan­zi­el­le Ver­pflich­tun­gen deckt, oh­ne da­bei un­kon­trol­lier­ba­re Ri­si­ken ein­zu­ge­hen? Mit die­ser Fra­ge schla­gen sich Pen­si­ons­kas­sen und ge­ne­rell Ka­pi­tal­an­le­ger seit ge­rau­mer Zeit her­um. Neu kommt die Un­ge­wiss­heit hin­zu, ob und wann die Zin­sen wie­der stei­gen wer­den. Kur­ze Lauf­zei­ten bei Fest­ver­zins­li­chen sind des­halb rat­sam, al­lein, das op­ti­ma­le Port­fo­lio ist da­mit nicht ga­ran­tiert.

Nicht das Ei des Ko­lum­bus, aber ei­ne Lö­sung, die dem Op­ti­mum na­he­kommt, als Er­gän­zung zu klas­si­schen bör­sen­ge­han­del­ten An­la­gen, schlägt Hans-Jörg Bau­mann vor; er ist CEO von Swiss Ca­pi­tal Al­ter­na­ti­ve In­vest­ment und Vor­sit­zen­der des Al­ter­na­tiv­an­la­ge-Aus­schus­ses des Fonds- und As­set-Ma­nage­ment-Ver­bands (Sfa­ma): Pri­va­te Debt. Das be­deu­tet Ka­pi­tal, das vor­wie­gend von in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren aus­ser­halb des Ban­ken­sek­tors et­wa für In­fra­struk­tur­pro­jek­te – staat­li­che und pri­va­te –, für nicht ko­tier­te Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten oder für Kre­di­te an mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men zur Ver­fü­gung ge­stellt wird. Pri­va­te Debt in all sei­nen Va­ria­tio­nen (vgl. Gra­fik) ist ei­ne al­ter­na­ti­ve An­la­ge, zu de­nen auch Roh­stof­fe und Hedge Funds ge­hö­ren. Schwei­zer Pen­si­ons­kas­sen dür­fen bis 15% des Ver­mö­gens in al­ter­na­ti­ven In­vest­ments hal­ten, in be­grün­de­ten Fäl­len auch mehr, wie Bau­mann an ei­ner Me­di­en­ver­an­stal­tung von Sfa­ma aus­führ­te.

Ei­ne Fol­ge der Re­gu­lie­rung

Im kräf­tig wach­sen­den glo­ba­len Schul­den­markt nimmt der Markt für Pri­va­te Debt über­pro­por­tio­nal zu. Die «Dis­in­ter­me­dia­ti­on», das Aus­wei­chen auf an­de­re Fi­nan­zie­rungs­quel­len als Bank­kre­di­te, hat nach den Wor­ten von Bau­mann re­vo­lu­tio­nä­re Zü­ge. Die Sum­me der Un­ter­neh­mens­kre­di­te (Non­se­cu­ri­ti­zed Debt), die nicht über die Börse ge­hen und zwi­schen Schuld­ner und In­ves­tor di­rekt ge­re­gelt wer­den, hat sich von En­de 2000 bis En­de 2013 auf 67 Bio. $ mehr als ver­dop­pelt. Sie ma­chen heu­te über ein Drit­tel al­ler welt­weit aus­ste­hen­den Schul­den aus.

Die Fi­nanz­kri­se hat die klas­si­schen Struk­tu­ren am Ka­pi­tal­markt in Bewe- gung ge­bracht. Nicht nur, dass Staats­an­lei­hen kaum mehr ren­tie­ren. Ban­ken äuf­nen ih­re Ka­pi­tal­pos­ter, so wie es der Re­gu­la­tor ver­langt, ge­ben sich da­für in der Kre­dit­ver­ga­be zu­rück­hal­tend und neh­men im­mer we­ni­ger Ri­si­ken aufs ei­ge­ne Buch. Das schafft Raum für al­ter­na­ti­ve We­ge. Ei­ne neue Fi­nanz­kri­se sei des­we­gen nicht zu be­fürch­ten, sagt Bau­mann. Ei­ne Bla­se or­tet er am (ge­re­gel­ten) Markt für High-Yield-An­lei­hen, nicht bei Pri­va­te Debt, «wo es kei­ne li­qui­den An­la­gen auf il­li­qui­de Un­der­ly­ings gibt».

Si­cher­hei­ten hin­ter­legt

Ei­ne at­trak­ti­ve Ka­te­go­rie un­ter den Pri­va­te-Debt-In­ves­ti­tio­nen sind Se­ni­or Se­cu­red Lo­ans (vor­ran­gi­ge be­si­cher­te Un­ter­neh­mens­kre­di­te). Sie wer­den meist an mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men ver­ge­ben. Sie sind zu klein für ein In­vest­ment-Gra­de-Ra­ting, die Pa­pie­re sind je­doch mit Si­cher­hei­ten un­ter­legt. Die­se Ei­gen­schaf­ten stat­ten sie bei gu­ter Bo­ni­tät mit ei­ner at­trak­ti­ven Ren­di­te aus. Glei­ches gilt für Pri­vat­plat­zie­run­gen von Gross­un­ter­neh­men, et­wa im Lu­xus­gü­ter­sek­tor, wel­che die öf­fent­li­che Pu­bli­ka­ti­on von Ge­schäfts­da­ten scheu­en, aber ei­ne so­li­de An­la­ge bie­ten.

Ob­wohl es ei­nen Se­kun­där­markt gibt, wer­den Pri­va­te-Debt-In­vest­ments in der Re­gel bis zur Fäl­lig­keit ge­hal­ten. Zur­zeit sind es durch­schnitt­lich rund drei­ein­halb Jah­re. Die Markt­vo­la­ti­li­tät wird so zur Ne­ben­säch­lich­keit. Der in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­tor fin­det zu­ge­schnit­ten auf sei­ne Be­dürf­nis­se und sei­ne Ri­si­ko­fä­hig­keit ein Pro­dukt, das mehr her­gibt als der «nor­ma­le Markt», wie Bau­mann, des­sen Un­ter­neh­men be­reits 3,7 Mrd. $ im Be­reich Pri­va­te Debt im­ple­men­tiert hat, aus­führt.

Für Jé­rô­me Teï­let­che von Uni­ges­ti­on sind lang­fris­tig nied­ri­ge Zin­sen, wie es die meis­ten Markt­teil­neh­mer er­war­ten, «nicht zwin­gend gu­te Nach­rich­ten». Wie Mar­kus Fuchs, Ge­schäfts­füh­rer der Sfa­ma, tritt er des­halb für ei­nen ganz­heit­li­chen Port­fo­li­o­an­satz ein. Die­sem schloss sich Lau­rent Reiss von UBP an, der die Vor­tei­le der Long-Short-Stra­te­gie ver­trat und als po­si­tiv für An­le­ger her­vor­hob, dass die Kor­re­la­tio­nen un­ter- und in­ner­halb von Ri­si­koan­la­gen wie Ak­ti­en zu­rück­ge­hen.

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