Sor­gen um den Öl­preis

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

ADie Ak­ti­en sind leicht im Plus, Brent no­tiert auf Vier­jah­res­tief.

uch in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che hat der Öl­preis sei­ne Tal­fahrt fort­ge­setzt. Seit Wo­chen­be­ginn fiel der Preis der Sor­te Brent um 5% auf 79 $/Fass – den tiefs­ten Preis seit 2010. Seit Jah­res­be­ginn büss­te der Roh­stoff fast 30% an Wert ein. Ein Mix aus stei­gen­dem An­ge­bot und schwä­cheln­der Nach­fra­ge be­las­te­te den Preis. Der neue Öl­boom in den USA liess die täg­li­che Pro­duk­ti­on die­ses Jahr um 1,7 Mio. Bar­rel stei­gen. Und auch aus Li­by­en kam mehr Öl auf den Markt, als zu­nächst er­war­tet wor­den war.

Die Nach­fra­ge konn­te mit die­sem Tem­po nicht mit­hal­ten; sie stieg die­ses Jahr um we­ni­ger als 1 Mio. Bar­rel pro Tag. Das schwa­che Wirt­schafts­wachs­tum der Eu­ro­zo­ne und ei­ni­ger Schwel­len­län­der macht sich hier be­merk­bar. Pro­fi­teu­re der Ent­wick­lung sind die Län­der, in de­nen Un­ter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen viel Öl ver­brau­chen – al­len vor­an die USA mit ei­nem Kon­sum von 8 Li­tern pro Tag und Ein­woh­ner. Güns­ti­ge­re Prei­se wir­ken hier wie ein Kon­junk­tur­pro­gramm. Die USEin­zel­han­dels­um­sät­ze ver­bes­ser­ten sich je­den­falls deut­lich und stie­gen im Ok­to­ber um 0,3%.

Ak­ti­en hal­ten sich gut

Vie­le Öl­ex­por­teu­re hin­ge­gen brau­chen zur Fi­nan­zie­rung ih­rer lau­fen­den Aus­ga­ben ei­nen Öl­preis von durch­schnitt­lich et­wa 100 $/ Fass; ei­ne an­hal­ten­de Preis­schwä­che kön­nen sie sich nur mit Mü­he leis­ten. Bei ei­ner län­ger­fris­ti­gen Preis­schwä­che auf dem ak­tu­el­len Ni­veau oder dar­un­ter wä­ren zahl­rei­che Schuld­ner von Hoch­zins­an­lei­hen aus dem Ener­gie­sek­tor akut De­fault-ge­fähr­det.

Am 27. No­vem­ber kom­men die Mäch­ti­gen der Opec-Staa­ten in Wi­en zu ih­rem Jah­res­tref­fen zu­sam­men. Wahr­schein­lich wer­den sie sich auf ei­ne Dros­se­lung der För­de­rung ver­stän­di­gen, um den Preis zu stüt­zen. Ak­ti­en­an­le­ger zeig­ten sich von der Ent­wick­lung des Öl­prei­ses bis­her ins­ge­samt un­be­ein­druckt. Der S&P 500 konn­te die­se Wo­che ei­nen leich­ten Ge­winn von 0,4% ver­bu­chen und han­delt wei­ter deut­lich über 2000. Auch der Schwei­zer Markt zeig­te sich von sei­ner freund­li­chen Sei­te und leg­te um 1,2% zu. Spit­zen­rei­ter der Wo­che war aber Ja­pan, wo der Nik­kei 3,6% hin­zu­ge­wann. Die Dau­er­schwä­che des Yens ist hier der Haupt­trei­ber. Ak­ti­en in der Eu­ro­zo­ne ka­men da­ge­gen kaum vom Fleck.

Am Frei­tag be­stä­tig­ten die vor­läu­fi­gen Da­ten für das drit­te Quar­tal den schwa­chen Wachs­tums­trend in der Eu­ro­zo­ne. Zwar konn­te Frank­reich mit ei­nem Plus von 0,3% im Ver­gleich zum zwei- ten Quar­tal po­si­tiv über­ra­schen. Un­ter dem Strich bleibt die Region aber ge­fähr­lich na­he an der Re­zes­si­on. Das Brut­to­in­land­pro­dukt Deutsch­lands leg­te nur mi­ni­mal zu (0,1%), die ita­lie­ni­sche Wirt­schaft schrumpf­te leicht.

SNB un­ter Druck

Die­se Schwä­che las­tet auch auf dem Eu­ro, der mit 1,2410 $/€ 10% bil­li­ger ist als im Mai. Auch zum Fran­ken ver­lor er zu­letzt wie­der an Wert. Der Wech­sel­kurs liegt mit 1.2015 nur noch mi­ni­mal über der SNB-Un­ter­gren­ze.

Ne­ben der schwa­chen Eu­ro­Wirt­schaft spiel­ten auch die ag­gres­si­ve­ren geld­po­li­ti­schen Mass­nah­men der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) und die Gold­in­itia­ti­ve in der Schweiz ei­ne Rol­le. Nicht we­ni­ge be­fürch­ten, dass bei ei­nem Ja zur Initia­ti­ve die Hand­lungs­fä­hig­keit der SNB stark ein­ge­schränkt wür­de, was die Ver­tei­di­gung der Kurs­un­ter­gren­ze nicht er­leich­tern wür­de. Ei­ne wei­te­re Stär­kung des Fran­kens liegt ganz si­cher nicht im In­ter­es­se der Schwei­zer Wirt­schaft.

Die Ent­schei­dung der EZB, ih­re Bi­lanz durch den Kauf be­si­cher­ter Wert­pa­pie­re zu ver­grös­sern, wirkt nicht nur auf den Wäh­rungs­markt, son­dern auch auf Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Der Ren­di­te­auf­schlag von Eu­ro- und Dol­lar-An­lei­hen war bis Au­gust in et­wa ähn­lich. Seit die EZB dann aber ihr Kauf­pro­gramm an­ge­kün­digt hat­te, ging die Ent­wick­lung deut­lich aus­ein­an­der. Mit ei­nem Auf­schlag von gera­de noch 0,85 Pro­zent­punk­ten zu Staats­an­lei­hen sind eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­mens­an­lei­hen so teu­er wie zu­letzt im Ok­to­ber 2007. Die Ge­samt­ren­di­te ist nur noch knapp über 1%. Nach ei­ner sehr gu­ten Per­for­mance in die­sem Jahr sind die Aus­sich­ten für 2015 deut­lich schlech­ter.

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