Nur das Fed steigt aus

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STE­PHAN MÜL­LER

DDie No­ten­bank­bi­lan­zen wach­sen wei­ter. Me­tal­le bie­ten Schutz.

ie ame­ri­ka­ni­sche No­ten­bank Fed hat En­de Sep­tem­ber das Aus­lau­fen der An­lei­hen­käu­fe kom­mu­ni­ziert. Zu­sam­men mit den po­si­ti­ven Si­gna­len aus der US-Wirt­schaft hat das zu ei­ner wei­te­ren Auf­wer­tung des Dol­lars und zu neu­en Höchst­stän­den an den Ak­ti­en­märk­ten ge­führt. Die hef­ti­ge Kor­rek­tur und die eben­so kräf­ti­ge Er­ho­lung im Ok­to­ber ha­ben In­ves­to­ren je­doch in Er­in­ne­rung ge­ru­fen, dass die Par­ty­stim­mung schnell in Aus­ver­kaufs­lau­ne und wie­der zu­rück um­schla­gen kann.

Die lo­cke­re Geld­markt­po­li­tik hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ne re­gel­rech­te In­fla­ti­on der Ver­mö­gens­wer­te be­feu­ert, die nichts mehr mit der Re­al­wirt­schaft zu tun hat. Mit dem Ab­schluss des An­lei­hen­kauf­pro­gramms setzt das Fed der Aus­wei­tung der Bi­lanz ein En­de, die seit 2008 von rund 900 Mrd. $ auf aktuell über 4500 Mrd. $ ge­wach­sen ist.

Mit die­sem Schritt ge­ra­ten Ja­pan und die Eu­ro­zo­ne un­ter Zug­zwang. Ja­pans No­ten­bank­chef Ha­r­u­hi­ko Ku­ro­da hat En­de Ok­to­ber über­ra­schend das be­reits ex­ten­si­ve Wert­pa­pier­kauf­pro­gramm von 60 auf 80 Bio. Yen (700 Mrd. Fr.) pro Jahr auf­ge­stockt. Die Fol­ge wa­ren ei­ne ful­mi­nan­te Ral­ly des Ak­ti­en­in­dex Nik­kei 225 um über 4% und ei­ne Ab­wer­tung des Yens auf ein Sie­ben­jah­res­tief zum Dol­lar. Ku­ro­das Initia­ti­ve kann als Ja­pan-Di­lem­ma be­zeich­net wer­den: Noch mehr Sti­mu­lus löst zwar ei­ne kurz­fris­ti­ge Bör­sen­ral­ly und ei­ne Ab­wer­tung des Yens aus, steht aber nicht im Ein­klang mit der rea­len Wirt­schafts­ver­fas­sung Ja­pans nach ei­ner De­ka­de der De­fla­ti­on und der Sta­gna­ti­on.

Die­ses Ma­nö­ver konn­te Ma­rio Draghi nicht igno­rie­ren. So si­cher­te der Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) An­fang No­vem­ber wei­te­re Sti­mu­lus­pro­gram­me im Um­fang von zu­sätz­lich 1 Bio. € zu, soll­te dies von Nö­ten sein, um die Eu­ro­zo­ne zu sta­bi­li­sie­ren.

Die mas­si­ve Aus­wei­tung der No­ten­bank­bi­lan­zen birgt das Ri­si­ko ho­her In­fla­ti­on in der Zu­kunft. Zu­dem sind Staa­ten mit ho­her Ver­schul­dung mehr In­fla­ti­on nicht ab­ge­neigt, da so der Schul­den­berg ein­fa­cher ab­ge­tra­gen wer­den kann.

Wäh­run­gen von un­ver­schul­de­ten Staa­ten sind des­halb lang­fris­tig zu be­vor­zu­gen. Das Glei­che gilt für Edel­me­tal­le. Sie lei­den zwar in der An­fangs­pha­se auf­grund ver­meint­lich po­si­ti­ver USWirt­schafts­da­ten un­ter dem star­ken Dol­lar, wer­den da­nach je­doch ih­re Qua­li­tät als nicht in­fla- tio­nier­ba­re Re­al­wer­te aus­spie­len. Da­her soll­ten In­ves­to­ren die ge­gen­wär­ti­ge Kor­rek­tur­pha­se im Edel­me­tall­markt zur Po­si­tio­nie­rung für die Ära nach der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung (QE) nut­zen. Me­tal­le bie­ten ei­nen gu­ten Schutz so­wohl ge­gen In­fla­ti­on als auch ge­gen De­fla­ti­on, weil sich ih­re Funk­ti­on aus ih­rem Sta­tus als rea­ler Sach­wert ab­lei­tet. Gold im Port­fo­lio bie­tet zu­dem ei­nen ge­wis­sen Schutz vor sys­te­ma­ti­schen Markt­ri­si­ken. Zu­sätz­lich sind Pal­la­di­um und Pla­tin für An­le­ger in­ter­es­sant, da sie von ih­rer Funk­ti­on als Ka­ta­ly­sa­tor bei der Op­ti­mie­rung von Ver­bren­nungs­mo­to­ren für Ben­zin- und Die­sel­ag­gre­ga­te pro­fi­tie­ren.

Auf As­sets zu set­zen, die nicht in­fla­tio­niert wer­den kön­nen, ist auf lan­ge Sicht sinn­voll. Bei ei­ner In­fla­ti­ons­ra­te von 2% – was der Ziel­ra­te des Fed und der EZB ent­spricht – wer­den in 37 Jah­ren 50% der Kauf­kraft ver­nich­tet sein. Die ner­vö­se Markt­ver­fas­sung zeig­te sich am 7. No­vem­ber, als Gold bin­nen we­ni­ger St­un­den 4% in die Hö­he schoss. Aus­lö­ser wa­ren schwa­che US-Da­ten, die nicht ins Bild der vom Fed kom­mu­ni­zier­ten Er­ho­lung pas­sen woll­ten.

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