SNB-Gold

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - FER­DI­NAND SCHNEI­DER, MAR­KUS MIN­DER, KURT SPA­LIN­GER- RØES, OT­TO WEIERSMÜLLER,

Den star­ren For­de­run­gen der SVP-Gold­in­itia­ti­ve kann si­cher nicht zu­ge­stimmt wer­den, doch greift die Initia­ti­ve ein den Schwei­zern un­ter den Fin­ger­nä­geln bren­nen­des The­ma auf. Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank SNB hat An­fang die­ses Jahr­hun­derts durch ih­re gros­sen Gold­ver­käu­fe – bei ge­sun­ke­nen Kur­sen – wohl ih­re schlech­tes­te Hand­lung seit Jahr­zehn­ten voll­bracht, wäh­rend Staa­ten wie Chi­na, In­di­en etc. schritt­wei­se ih­re Gold­vor­rä­te auf­sto­cken. Auch wenn Gold heu­te nicht mehr zur De­ckung des Fran­kens dient, er­war­tet der Durch­schnitts-Schwei­zer doch, dass wir ei­nen re­spek­ta­blen Gold­vor­rat ge­bun­kert ha­ben, gilt die Schweiz doch als ei­nes der reichs­ten Län­der mit ei­ner in­tak­ten star­ken Volks­wirt­schaft.

Dass auch die Kan­to­ne von der SNB durch jähr­li­che Ge­winn­zu­wei­sun­gen pro­fi­tie­ren, ist als «Ent­schä­di­gung» für die Un­ab­hän­gig­keit der SNB auch rich­tig. Da­mit der Gold­be­stand die Jah­res­er­geb­nis­se der SNB nicht zu stark be­ein­flusst, soll­te er aber nicht mehr zu Ta­ges­kur­sen, son­dern zu ei­nem be­stimm­ten Durch­schnitts­kurs be­wer­tet wer­den. Mei­nes Erach­tens tä­te die SNB gut dar­an, jetzt mit ih­ren vie­len hoch­wer­ti­gen Dol­lar zu aktuell güns­ti­gem Kurs ho­he Gold­käu­fe zu tä­ti­gen. oder die­je­ni­ge ge­gen die Mas­sen­ein­wan­de­rung, uni­so­no ein Worst-Ca­se-Sze­na­rio her­bei­ge­re­det wird, das sich dann nach der je­wei­li­gen An­nah­me in Luft auf­löst. Es ist zu­dem nicht so, dass vie­le Stimm­bür­ger un­über­legt, aus dem Bauch her­aus, ein «Zei­chen set­zen» wol­len. Das Volk weiss zu un­ter­schei­den: So­wohl die Min­dest­lohn-, die 1:12- als auch die Initia­ti­ve für sechs Wo­chen Fe­ri­en wur­den klar ab­ge­lehnt. Das­sel­be Schick­sal wer­den höchst­wahr­schein­lich auch die Erb­schafts­steu­er- und die Initia­ti­ve für ein all­ge­mei­nes Grund­ein­kom­men er­lei­den.

Da­ge­gen ha­ben brei­tes­te Krei­se vom ewi­gen Wachs­tums­fe­ti­schis­mus die Na­se voll, von dem bloss ei­ne mi­ni­ma­le Eli­te pro­fi­tiert, das Gros der Be­völ­ke­rung aber all die ne­ga­ti­ven Fol­gen zu er­dul­den hat – kaum mehr be­zahl­ba­re Mie­ten in den grös­se­ren Agglo­me­ra­tio­nen, ver­stopf­te Stras­sen, über­füll­te Zü­ge, Kri­mi­na­li­tät etc. Mei­nes Erach­tens soll­te das Wachs­tum in der Schweiz in den kom­men­den Jah­ren 1% nicht über­stei­gen, bei gleich­zei­ti­ger Ab­nah­me der Wohn­be­völ­ke­rung et­wa im sel­ben Aus­mass. Das wä­re die Quint­es­senz des Ver­fas­sungs­auf­trags ge­gen die Mas­sen­ein­wan­de­rung. dar­in, dass ich mich der Mög­lich­keit ent­zo­gen ha­be, für oder ge­gen et­was zu stim­men. Die Ver­ant­wor­tung be­ginnt be­reits bei der Lan­cie­rung ei­ner Initia­ti­ve; wer ei­ne Initia­ti­ve los­tritt, muss ih­re Kon­se­quen­zen auch tra­gen – die Initi­an­ten müs­sen auch das Un­ter­las­sen ei­ner Initia­ti­ve ver­ant­wor­ten, weil sie die Mög­lich­keit der Initia­ti­ve nicht ge­nutzt ha­ben.

Die Her­aus­for­de­rung, die Ver­zweif­lung liegt dar­in, dass wir zwar ei­ne Mög­lich­keit, aber kei­ne fest­stell­ba­re Not­wen­dig­keit er­ken­nen. Wä­re ei­ne Not­wen­dig­keit er­kenn­bar, aber kei­ne Mög­lich­keit vor­han­den, dann wür­den wir am Feh­len der Mög­lich­keit ver­zwei­feln. Nicht pri­mär we­gen ir­gend­wel­cher Ver­ge­hen. Wohl aber, weil sie saf­ti­ge Bus­sen an­stands­los be­zah­len, von nie­man­dem Hil­fe er­war­ten kön­nen und Kon­kur­ren­ten ame­ri­ka­ni­scher Ver­si­che­run­gen sind.

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