Ho­he Club­treue

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - AS

Auf die Fest­stel­lung, er wir­ke stets ru­hig und über­legt, re­agiert Jens Breu über­rascht: «In mir bro­delt und kocht es stän­dig», sagt der künf­ti­ge CEO von SFS. En­thu­si­as­mus und En­ga­ge­ment sind zwei Trieb­fe­dern, die ihn seit zwan­zig Jah­ren im Rhein­ta­ler In­dus­trie­kon­zern be­glei­ten. Sein Weg vom Lehr­ling nach ganz oben war nicht vor­ge­zeich­net, er­scheint im Rück­blick aber fol­ge­rich­tig.

Die Be­geis­te­rung Breus be­ginnt mit der Tech­no­lo­gie: Schon wäh­rend der Leh­re als Werk­zeug­ma­cher pack­te ihn die so­ge­nann­te Kalt­mas­siv­um­for­mung. Sie er­laubt es SFS, Prä­zi­si­ons­form­tei­le und Be­fes­ti­gungs­ele­men­te in gros­sen Se­ri­en und ho­her Prä­zi­si­on her­zu­stel­len, et­wa für Smart­pho­nes. War­um ei­ne vier­jäh­ri­ge Leh­re als Werk­zeug­ma­cher? «Ich war da­mals nicht be­reit, wei­ter­hin die Schul­bank zu drü­cken, son­dern woll­te die rea­le Welt ken­nen­ler­nen», er­zählt der Ap­pen­zel­ler. Breu ver­säum­te es nicht, sich nach­her be­rufs­be­glei­tend und pra­xis­ori­en­tiert wei­ter­zu­bil­den, zu­erst wäh­rend ei­nes HTL-In­ge­nieur­stu­di­ums, spä­ter mit ei­nem MBA-Lehr­gang in Cleve­land, Ohio. Acht Jah­re und acht Ta­ge hielt er sich mit der Fa­mi­lie in den USA auf, lei­te­te dort die Pro­duk­ti­on, mach­te Ver­kaufs­er­fah­run­gen und lern­te ei­ne an­de­re Kul­tur und Ge­sell­schaft ken­nen. Wer weit weg von der Zen­tra­le selb­stän­dig Ent­schei­dun­gen trifft, bil­det ein ei­ge­nes Rück­grat. Sein Lehr­be­trieb und ers­ter Ar­beit­ge­ber hat­te kein In­ter­es­se an Wei­ter­bil­dung ge­zeigt. Doch beim Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men SFS ha­be es auf den ers­ten Blick ge­passt: «Mir ge­fie­len der di­rek­te, of­fe­ne Dia­log und die Bo­den­stän­dig­keit des Un­ter­neh­mens, und das be­geis­tert mich heu­te noch», sagt Breu. War ei­ne Va­kanz zu fül­len, sprang er ein. Im Fuss­ball, meint er, wä­re er der viel­sei­tig ein­setz­ba­re Fuss­bal­ler, der sich ganz mit dem Club iden­ti­fi­zie­re.

Seit bald ei­nem Jahr wis­sen Mit­ar­bei­ter und Ak­tio­nä­re, dass der 42-jäh­ri­ge Breu den Pos­ten in­ner­halb von 12 bis 36 Mo­na­ten über­neh­men wird (man darf ver­mu­ten: im Ver­lauf von 2015). Ob­wohl die Über­gangs­pha­se un­üb­lich lan­ge dau­ert, fühlt er sich wohl. Über­näh­me er die Kon­zern­lei­tung und die Ver­ant­wor­tung für über 8000 Mit­ar­bei­ter am 1. Ja­nu­ar 2015, hät­te er kei­ne schlaf­lo­sen Näch­te. Aber es herr­sche auch kei­ne Un­ge­duld, be­tont er. Von aus­sen wür­den Stab­über­ga­be und Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel als gros­ser Schritt wahr­ge­nom­men, in­tern sei es ei­ne von «vie­len har­mo­nisch flies­sen­den Ve­rän­de­run­gen» bei SFS. Mitt­ler­wei­le be­rich­ten fünf von sechs Di­vi­sio­nen di­rekt an ihn. Sein Rol­len­ver­ständ­nis als CEO for­mu­liert er so: «Ich se­he mich nicht als Vor­ge­setz­ten im wört­li­chen Sinn, son­dern als Spar­ring­part­ner.» Wo­hin geht die Rei­se von SFS? Gros­se Sprün­ge wer­den nicht an­ge­strebt, son­dern re­gel­mäs­si­ge, klei­ne Fort­schrit­te. Da­zu sei ei­ne ho­he Fit­ness nö­tig, be­tont der Sport­be­geis­ter­te. Auch in gu­ten Zei­ten müs­se ein Un­ter­neh­men an sich ar­bei­ten, um für die Kri­se ge­wapp­net zu sein. In­no­va­ti­ve Pro­duk­te sei­en stets ge­fragt. Ide­en und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge sol­len von unten kom­men, von in­spi­rier­ten Mit­ar­bei­tern. Zu den SFSWer­ten ge­hö­ren denn auch Un­ter­neh­mer­tum, Initia­ti­ve und Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit. Sei­ne Mis­si­on fasst Jens Breu in ei­nem Satz zu­sam­men: «Die mo­der­ne Er­folgs­ge­schich­te von SFS», die An­fang der Sech­zi­ger­jah­re mit drei Mit­ar­bei­tern in ei­nem Kel­ler mit dem Ein­stieg in die Kalt­mas­siv­um­for­mung be­gann, «fort­füh­ren zu dür­fen».

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