Ja­pan am Schei­de­weg

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

DNe­ben ei­ner ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik und staat­li­chen Kon­junk­tur­hil­fen wird Ja­pan aber auch ge­for­dert sein, Wirt­schafts­re­for­men kon­se­quent um­zu­set­zen, um das Land auf ei­nen nach­hal­ti­gen Wachs­tums­pfad zu füh­ren. Ob­wohl der Yen ge­gen­über dem Dol­lar auf ein Sie­ben­jah­res­tief fiel, bra­chen die Ak­ti­en­no­tie­run­gen in To­kio zu Wo­chen­be­ginn ein. Der Nik­kei 225 ver­buch­te am Mon­tag mit mi­nus 3% gar den stärks­ten Ta­ges­ver­lust seit Au­gust, konn­te

Pre­mier Abe sieht sich zu fis­kal­po­li­ti­schen Kon­zes­sio­nen ge­zwun­gen.

ie ja­pa­ni­sche Wirt­schaft ist im drit­ten Quar­tal über­ra­schend wie­der in ei­ne Re­zes­si­on zu­rück­ge­fal­len. Das Brut­to­in­land­pro­dukt schrumpf­te zwi­schen Ju­li bis Sep­tem­ber vor al­lem we­gen schwa­chen Kon­sum­aus­ga­ben um 0,4% ge­gen­über dem Vor­quar­tal. Öko­no­men hat­ten da­mit ge­rech­net, dass sich die dritt­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt schnell wie­der vom «Schock» der Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung im April er­holt und nach ei­nem Ein­bruch im zwei­ten Quar­tal (–1,9%) wie­der zu Wachs­tum (Kon­sens­pro­gno­se +0,5%) zu­rück­kehrt.

Ja­pans Mi­nis­ter­prä­si­dent Shin­zo Abe wur­de nun an­ge­sichts der ne­ga­ti­ven Kon­junk­tur­nach­rich­ten ge­zwun­gen, die ei­gent­lich im Ok­to­ber nächs­ten Jah­res ge­plan­te, er­neu­te An­he­bung der Kon­s­um­steu­er, von der­zeit 8 auf 10%, um 18 Mo­na­te zu ver­schie­ben.

Trotz Re­zes­si­on kommt die Re­gie­rung nicht um­hin, die Steu­ern zu er­hö­hen, um die stei­gen­den So­zi­al­aus­ga­ben in den Griff zu be­kom­men. Mit vor­ge­zo­ge­nen Neu­wah­len und ei­ner Aus­wei­tung der Kon­junk­tur­hil­fen dürf­te der seit En­de 2012 am­tie­ren­de Pre­mier ver­su­chen, neu­en Rück­halt für sei­ne «Abe­no­mics»-Po­li­tik zu si­chern.

Wie­der op­ti­mis­ti­scher

die Ver­lus­te aber in der Fol­ge be­reits wie­der auf­ho­len.

Die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes ten­dier­ten seit Wo­chen­be­ginn ten­den­zi­ell freund­lich, nach­dem die vom Mann­hei­mer Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut ZEW be­frag­ten Fi­nanz­ana­lys­ten und in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger die Kon­junk­tur­per­spek­ti­ven für Eu­ro­pa wie­der et­was op­ti­mis­ti­scher ein­schätz­ten. Der Eu­ro Sto­xx 50 leg­te in den ers­ten bei­den Ta­gen die­ser Wo­che um knapp 3% zu.

In Gross­bri­tan­ni­en klet­ter­ten die Ver­brau­cher­prei­se im Ok­to­ber um 1,3% zum Vor­jahr, wo­mit die Teue­rung da­mit aber nach wie vor klar un­ter dem von der Bank von En­g­land an­ge­peil­ten Ziel von 2% bleibt. Die No­ten­bank hat­te jüngst ih­re Pro­gno­sen zur In­fla­ti­ons- und Wirt­schafts­wachs­tum­s­ent­wick- lung zu­rück­ge­stuft und könn­te mit ei­ner ers­ten Zins­er­hö­hung noch ab­war­ten.

Aus den USA wird heu­te Abend mit Span­nung das Pro­to­koll der ver­gan­ge­nen Sit­zung des Of­fen­markt­aus­schus­ses (FOMC) der US-No­ten­bank (Fed) er­war­tet. Wie im­mer er­hofft man sich Hin­wei­se auf den Kurs des Fed und vor al­lem auch auf den Ter­min der ers­ten Zins­straf­fung. Im Vor­feld scheint der Dol­lar die Ge­win­ne ge­gen­über dem Eu­ro zu kon­so­li­die­ren. Die ak­tu­el­le Um­fra­ge der New Yor­ker No­ten­bank deu­te­te in­zwi­schen auf ein an­hal­ten­des Wachs­tum in der In­dus­trie hin.

SNB in Be­dräng­nis

Der Em­pi­re Sta­te In­dex für die all­ge­mei­ne Ge­schäfts­tä­tig­keit im re­gio­na­len ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be der USA ver­bes­ser­te sich von 6,17 im Ok­to­ber auf 10,16 im No­vem­ber. Ein Wert über null si­gna­li­siert ei­ne Ex­pan­si­on, we­ni­ger ei­ne Kon­trak­ti­on. Da­ge­gen ent­täusch­ten die Zah­len zur US-In­dus­trie­pro­duk­ti­on nach ei­nem star­ken Sep­tem­ber. Im Ok­to­ber sank der Aus­stoss um 0,1%, nach dem Plus von 0,8% im Vor­mo­nat.

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) steht an­ge­sichts der En­de die­sen Mo­nats an­ste­hen­den Volks­in­itia­ti­ve zu den Schwei­zer Gold­re­ser­ven un­ter mas­si­vem Druck, den im Sep­tem­ber 2011 in­fol­ge der Eu­ro-Schul­den­kri­se ein­ge­führ­ten Min­dest­kurs der Ein­heits­wäh­rung zum Fran­ken zu ver­tei­di­gen. Das sich ak­zen­tu­ie­ren­de Re­zes­si­ons­ri­si­ko in der Eu­ro­zo­ne, die wei­te­re Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik durch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank so­wie ei­ne An­nah­me des Gold-Initia­ti­ve könn­ten die SNB zwin­gen, ei­ne Auf­wer­tung des Fran­ken, ne­ben De­vi­sen­markt­in­ter­ven­tio­nen, auch mit Ne­ga­tiv­zin­sen zu be­kämp­fen.

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