Fed un­ter Be­ob­ach­tung

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

Das po­li­ti­sche Kli­ma in den USA heizt sich auf. Wie Prä­si­dent Oba­ma an­kün­digt, will er bis zu 5 Mio. un­an­ge­mel­de­te Ein­wan­de­rer vor der Aus­wei­sung schüt­zen. Im La­ger der Re­pu­bli­ka­ner löst das hef­ti­gen Pro­test aus. Be­reits wird als Ge­gen­mass­nah­me mit ei­ner er­neu­ten Still­le­gung der Bun­des­ver­wal­tung ge­droht. Die Hoff­nung, dass sich bei­de Sei­ten nach den Par­la­ments­wah­len ver­mehrt zur kon­struk­ti­ven Zu­sam­men­ar­beit auf­raf­fen wer­den, ver­blasst mit je­dem neu­en Tag mehr.

Das Fe­deral Re­ser­ve ver­folgt die Ent­wick­lung in Wa­shing­ton mit wach­sen­der Sor­ge. Wie die­se Wo­che das Pro­to­koll zur Sit­zung der US-No­ten­bank ge­zeigt hat, ist sie zwar zu­ver­sicht­lich, dass sich die Kon­junk­tur­la­ge in den USA wei­ter auf­hel­len wird. Die trü­be Si­tua­ti­on im Rest der Welt könn­te aber zum Brems­fak­tor wer­den. Ein Ri­si­ko se­hen die Wäh­rungs­hü­ter eben­so dar­in, dass die Teue­rungs­ra­te noch wei­ter un­ter das Ziel von 2% pro Jahr fal­len könn­te.

Har­te Fra­gen an Yel­len

Um­so heik­ler wä­re es, wenn das Fed zwi­schen die po­li­ti­schen Fron­ten ge­ra­ten wür­de. Nach­dem die Re­pu­bli­ka­ner bei den Zwi­schen­wah­len den Se­nat er­obert ha­ben, wird der Druck aus dem Kon­gress wach­sen. So zeich­net sich ab, dass Richard Shel­by neu den Vor­sitz über den Ban­ken­aus­schuss im Se­nat füh­ren wird. Für Fed-Che­fin Ja­net Yel­len dürf­te die halb­jähr­li­che Be­fra­gung vor dem Par­la­ment da­mit kaum an­ge­neh­mer wer­den. Das, zu­mal der Se­na­tor aus Ala­ba­ma die Kom­pe­tenz der No­ten­bank be­reits bei der Aus­ar­bei­tung der Fi­nanz­re­form Dodd-Frank mas­siv ein­engen woll­te.

Hin­zu kommt, dass im Kon­gress di­ver­se Vor­stös­se im Raum ste­hen, um das Fed stren­ger zu kon­trol­lie­ren. Da­zu zählt die Vor­la­ge des re­pu­bli­ka­ni­schen Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten Scott Gar­rett, die dem Fed ei­ne Zins­po­li­tik nach der Tay­lorRu­le vor­schrei­ben will. Um die Wirt­schaft zu sti­mu­lie­ren, hält die US-No­ten­bank den Leit­zins seit En­de 2008 auf na­he­zu null ge­drückt und hat zu­letzt be­kräf­tigt, dass sie mit der ers­ten Zins­er­hö­hung noch «ge­rau­me Zeit» war­ten wer­de. Gin­ge es je­doch nach der Tay­lor-Ru­le, hät­te das Fed die Zin­sen be­reits vor drei Jah­ren an­he­ben müs­sen (vgl. Gra­fik).

Fed-Bi­lanz un­ter der Lu­pe

Ei­ne an­de­re Vor­la­ge will die Bü­cher des Fed ge­nau­er prü­fen. Be­reits heu­te nimmt das Ge­ne­ral Ac­coun­ta­bi­li­ty Of­fice (GAO) die Ge­schäf­te der US-No­ten­bank re­gel­mäs­sig un­ter die Lu­pe. Ein Vor­stoss von Se­na­tor Rand Paul ver­langt nun aber zu­sätz­lich, dass auch geld­po­li­ti­sche Ent­schei­de auf dem Prüf­stand ste­hen sol­len. Da­zu wür­de bei­spiels­wei­se zäh­len, ob ein wei­te­res Sti­mu­lus­pro­gramm ge­recht­fer­tigt wä­re. Ein Ur­teil zu sol­chen Fra­gen ist dem GAO bis­her un­ter­sagt mit der Be­grün­dung, dass sonst die po­li­ti­sche Un­ab­hän­gig­keit des Fed ge­fähr­det wä­re.

Zu ei­nem wei­te­ren Streit­punkt könn­ten per­so­nel­le Fra­gen wer­den. Im Fe­dVor­sitz sind zwei Va­kan­zen of­fen. Die Kan­di­da­ten da­für wird Prä­si­dent Oba­ma dem­nächst er­nen­nen. Der Se­nat muss sei­nen Ent­scheid je­doch ab­seg­nen. Je mehr sich der Kon­flikt in Wa­shing­ton zu­spitzt, des­to schwie­ri­ger wird es für das Weis­se Haus, Oba­mas Kan­di­da­ten durch­zu­brin­gen.

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